Borussia Dortmund - FC Brügge 2:1 (2:1, 1:1) n.V., 2:4 i.E.: BVB verpasst "Millionen-Liga"
zuletzt aktualisiert: 27.08.2003 - 23:16Dortmund (rpo). Enttäuschte Gesichter im Dortmunder Westfalenstadion. Nach dem bitteren Aus gegen Brügge muss sich der BVB mit dem Uefa-Cup trösten - und deutlich kleinere Brötchen backen.
Borussia Dortmund hat den Einzug in die Champions League, 15 Millionen Euro Garantieeinnahme und viel Renommee verspielt. Im Rückspiel der entscheidenden dritten Qualifikationsrunde verloren die Westfalen gegen den FC Brügge 2:4 im Elfmeterschießen und spielen damit nur im Uefa-Pokal.
Durch das 1:2 im Hinspiel in Belgien reichte dem deutschen Ex-Meister das 2:1 (1:1) nach regulärer Spielzeit und Verlängerung nicht zum erhofften Sprung in die Königsklasse. Im Elfmeterschießen bedeuteten "Fahrkarten" von Marcio Amoroso und Andre Bergdölmo, die bei den ersten beiden Versuchen an Brügges Schlussmann Tomislav Butina scheiterten, sowie der "goldene Treffer" für den FC durch Andres Mendoza die Entscheidung zu Gunsten der Gäste.
Der schon in Brügge erfolgreiche Torjäger Amoroso (3.) hatte die Platzherren vor 62.000 Zuschauern im ausverkauften Westfalen-Stadion früh in Führung gebracht. Doch nach dem Ausgleich der Gäste durch einen Freistoß von Mendoza (27.) rettete der eingewechselte Ewerthon die kampfstarken Dortmunder vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit überhaupt erst noch in die Verlängerung. Dortmund konnte in den letzten acht Minuten der zusätzlichen Spielzeit nach der Gelb-Roten Karte gegen Brügges Abwehrspieler David Rozehnal wegen wiederholten Foulspiels auch aus seiner numerischen Überlegenheit kein Kapital mehr schlagen.
Wiedergutmachung war angesagt
Von der ersten Minute an ließen die Borussen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die blamablen Vorstellungen von Brügge sowie vom vergangenen Samstag in der Bundesliga beim 1. FC Köln (0:1) vergessen machen wollten. Pech hatte Tomas Rosicky mit einem Distanzschuss, den Brügges Torhüter Butina glanzvoll parierte. Wie ein Anfänger sah der Kroate dagegen beim Führungstor durch Amoroso aus, als der Keeper eine Rückgabe von Peter van der Heyden zu weit vom Fuß springen ließ.
Wie aus heiterem Himmel fiel der Ausgleich durch den Peruaner Mendoza mit einem Freistoß aus 20 Metern, wobei der Torjäger stümperhafte Löcher in Dortmunds ausgetrickster Mauer gnadenlos nutzte. Zuvor hatten sich die Gäste nur selten im Strafraum der Borussen sehen lassen, rochen jedoch nach ihrem Treffer offensichtlich Lunte und versuchten, die allgemeine Dortmunder Verunsicherung mit weiteren druckvollen Angriffen zu nutzen. Die größte Chance vergab Gert Verheyen (43.), als er mit einem Schuss aus kurzer Distanz an BVB-Torhüter Roman Weidenfeller scheiterte. Unmittelbar vor der Pause verfehlte Amoroso das belgische Gehäuse nur um Zentimeter.
Nach dem Wechsel folgte ein wütendes Powerplay der Borussen, die den Ball buchstäblich ins Tor zwingen wollten. Gekonnte Kombinationen blieben auf der Strecke, Brechstangen-Fußball war angesagt. Butina bekam mehrfach Gelegenheit, seinen Fehler beim ersten Gegentreffer gutzumachen. Allerdings fehlte den Dortmundern auch das Glück, um vorzeitig die Wende zu schaffen. Ewerthons Treffer bedeutete dennoch den Lohn für das große Engagement, blieb aber letztlich wertlos. Denn in der Verlängerung konnten die Gastgeber die herbei gesehnte Entscheidung trotz weiterer Chancen und ihrer kurzfristigen Überzahl nicht herbeiführen.
Neben dem fleißigen Brasilianer Dede gefiel in der Mannschaft von Trainer Matthias Sammer besonders Rosicky. Die aufopfernd kämpfenden Belgier hatten in dem Torschützen Mendoza und Mittelfeldspieler Timmy Simons ihre herausragenden Kräfte.
Stimmen zum Spiel:
Trainer Matthias Sammer (Borussia Dortmund): "Ich bin jetzt ziemlich leer. Wir haben das Aus durch unsere Niederlage in Brügge zu verantworten. Wir hätten in der Verlängerung die Entscheidung herbeiführen können. Im Elfmeterschießen ist es immer eine Frage von Glück und Pech, spiegelt aber auch unsere Situation etwas wider: Wir sind momentan nicht so gefestigt."
Gerd Niebaum (Präsident Borussia Dortmund): "Es war eine engagierte Leistung, aber am Ende hat es halt nicht gereicht. Wir hätten in der regulären Spielzeit oder in der Verlängerung mit nur einem Tor alles klar machen können. Das Elfmeterschießen ist ein Lotteriespiel, da wurden unsere Anstrengungen nicht belohnt. Wir sind jetzt im Uefa-Cup, damit müssen wir auskommen, wenn es nicht anders geht, und dort erfolgreich überwintern."
Statistik zum Spiel:
Dortmund: Weidenfeller - Bergdölmo, Wörns, Madouni (75. Ewerthon), Dede - Addo, Kehl, Reuter (86. Fernandez), Rosicky - Koller, Amoroso
Brügge: Butina - de Cock, Clement, Rozehnal, van der Heyden - Stoica (46. Ceh), Simons, Englebert - Verheyen (114. Maertens), Martens (82. Saeternes), Mendoza
Schiedsrichter: Michael Riley (England)
Tore: 1:0 Amoroso (3.), 1:1 Mendoza (27.), 2:1 Ewerthon (86.)
Tore im Elfmeterschießen: Butina hält gegen Amoroso, 0:1 Simons, Butina hält gegen Bergdölmo, 0:2 Ceh, 1:2 Koller, 1:3 de Cock, 2:3 Fernandez, 2:4 Mendoza
Zuschauer: 62.000 (ausverkauft)
Beste Spieler: Rosicky, Dede - Mendoza, Simons
Gelb-Rote Karte: Rozehnal wegen wiederholten Foulspiels (112.)
Gelbe Karten: Kehl, Reuter, Addo, Dede - Mendoza, de Cock, Verheyen
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