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Uefa-Reform
Das ändert sich in der Champions League

Die Vorrundengruppen im Überblick
Die Vorrundengruppen im Überblick
Düsseldorf. Ab der Saison 2018/19 greift die neue Reform des europäischen Fußball-Verbandes (Uefa) und macht die reichen Klubs noch reicher. Außerdem stellen ab dann die vier großen Ligen jeweils vier feste Champions-League-Teilnehmer. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Uefa-Reform. Von Kilian Treß

Warum forderten die Fußballvereine eine Reform?

Des Geldes wegen. Die großen Traditionsvereine, allen voran der FC Bayern München, forderten zuletzt eine Reform. Weil sie die Vereine sind, die großes Publikum und damit TV-Einnahmen garantieren, sollen sie entsprechend mehr Gelder ausgeschüttet bekommen.

Wie war es bisher?

Die aktuell rund 1,3 Milliarden Euro (von insgesamt 2,35 Milliarden), die allein in der Königsklasse fließen, werden noch gleichermaßen nach einem Drei-Säulen-System verteilt. 40 Prozent der Gesamterlöse der Klubs kommen aus dem "Marktpool" (507 Millionen Euro), der Rest verteilt sich auf das Startgeld (12,7 Millionen Euro für jeden der 32 Teilnehmer) und die sportlichen Prämien für Siege, Unentschieden und das Weiterkommen von Runde zu Runde. Die Uefa rechnet zur Saison 2017/2018 mit einer "signifikanten" Steigerung der Einnahmen aus allen Klub-Wettbewerben auf 3,2 Milliarden Euro.

Was wird sich verändern?

Ab 2017/18 fließen aus den Einnahmen des Marktpools nur noch 15 Prozent an alle Vereine. Als vierte Säule kommt der neue "Klub-Koeffizient" dazu, in dem neben den aktuellen Erfolgen auch die Titelgewinne in der Klub-Historie berücksichtigt werden. Wer also immer schon gewonnen hat, wird dafür mit noch mehr Millionen belohnt.

Wie viel Geld mehr werden die Top-Vereine einnehmen?

Eine Simulation des "kicker" vor der Tagung der mächtigen Klub-Vereinigung ECA in Genf rechnet den neuen Verteilerschlüssel mit den zusätzlichen Millionen auf die vergangenen Saison zurück. Champions-League-Sieger Real Madrid hätte demnach rund 136 Millionen Euro kassiert – ohne die Einnahmen aus dem eigenen Ticketverkauf. Halbfinalist Bayern München wäre auf rund 108 Millionen Euro an Prämien gekommen. Der Rekordmeister, der zuletzt fünfmal in Folge mindestens das Halbfinale erreicht hatte, profitiert deutlich von der Einführung des Klub-Koeffizienten. Zwar gibt es noch keine offiziellen Zahlen der Spielzeit 2015/16, die Bayern dürften ohne die Einnahmen aus den Heimspielen aber nicht mehr als rund 65 Millionen Euro Prämien eingenommen haben.

Gibt es Änderungen für die Bundesliga?

Im Prinzip nur eine Kleinigkeit, die aber in der Saisonvorbereitung und Kaderplanung enorme Vorteile mit sich bringt. Alle vier Topligen (im Moment Spanien, Deutschland, England, Italien) erhalten ab der Saison 2018/2019 vier feste Startplätze in der Champions-League. Das gibt für den Vierten, der bisher in die Play-offs musste, Planungssicherheit, da die Einnahmen aus der Königsklasse (Antrittsgeld, Zuschauereinnahmen) garantiert sind.

Was verändert sich für die kleinen Ligen?

Da die vier besten Ligen des Kontinents jeweils vier Mannschaften stellen, ist die Hälfte aller Startplätze in der Gruppenphase der Champions League bereits vergeben. Sie stellen künftig immer mindestens 16 der 32 Teilnehmern – plus eventuell den Titelverteidiger. Damit wird es für Kleinen künftig schwieriger, in die Champions League zu kommen. Potenzielle Geldgeber werden sich künftig genauer überlegen, ob sie ihr Geld in osteuropäische Klubs investieren. Sie in die Königsklasse zu führen wird durch die Zuspitzung auf die Top-Teams schwieriger und birgt ein höheres Risiko.

Gibt es bald eine Superliga?

Die Drohungen seitens der Uefa und der einflussreichen Klub-Vereinigung "ECA" mit Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze sind mit den Neuerungen vom Tisch. Eine Superliga, die Champions- und Europa League zum Mittelmaß degradiert hätte, sind verstummt. Die Neuerungen seien "keine Revolution, sondern eine Evolution", sagt Rummenigge.

Was ist mit Vereinen, die Spieler für die Nationalmannschaften abgestellt werden?

Die werden künftig besser entlohnt. Teams, die Spieler zur EM und EM-Qualifikation abstellen, erhalten mehr Kompensationszahlungen. 100 Millionen Euro werden allein unter jenen Vereinen verteilt, die Profis bei der Endrunde in Frankreich vom 10. Juni bis zum 10. Juli gestellt hatten. 50 Millionen Euro entfallen auf Klubs, deren Spieler für Partien in der vorangegangenen Qualifikationsphase nominiert worden waren. Allein die Bayern dürften von der Uefa für die Abstellung von fünf deutschen und vier ausländischen Nationalspielern für die EM-Endrunde eine Summe von rund zwei Millionen Euro kassieren.

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