Mancini entschuldigt sich bei Merk: Chaos in Italien provoziert Konsequenzen
zuletzt aktualisiert: 14.04.2005 - 09:07Turin (rpo). Noch vor Beginn des Rückspiels im Champions-League-Viertelfinale zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool ist es zu Krawallen zwischen italienischen Fans und der Polizei gekommen. Rund 50 "Ultras" bewarfen keinen Tag nach dem Spielabbruch von Mailand die etwa 100 Sicherheitskräfte mit Gegenständen.
Die Partie im "Alpenstadion", zu der gewaltbereite Chaoten "Rache für Heysel" angekündigt hatten, verlief jedoch ohne jene Zwischenfälle, die tags zuvor zum Abbruch der Partie zwischen Inter und AC Mailand geführt hatten.
Unterdessen verteidigte Welt-Schiedsrichter Markus Merk seine Entscheidung, das Champions-League-Stadtduell in Mailand nach einer 25-minütigen Unterbrechung für die restlichen 15 Spielminuten nicht wieder anzupfeifen. "Während der Unterbrechung wurde alles versucht, die Sicherheit wieder herzustellen. Nach einer Minute ging es wieder von vorne los", erklärte der deutsche Referee im "Kicker" und betonte: "Wir haben alles getan und können uns nichts vorwerfen." Er forderte zugleich die Politik auf, ihr angekündigtes schnelles Handeln nicht nur zu propagieren, sondern auch umzusetzen.
Merk erhielt mittlerweile nachträglich Rückendeckung von Roberto Manicini. Der Trainer von Inter Mailand hatte den deutschen Schiedsrichter wegen des aberkannten Treffers seiner Mannschaft zum 1:1 zunächst für die darauf folgenden Ausschreitungen verantwortlich gemacht. "Ich wollte Merk nicht beschuldigen", versicherte Mancini: "Es tut mir Leid, wenn meine Worte das Klima im Stadion angeheizt haben." Nach Ansicht des Mailänder Polizei-Chefs Paulo Scapis sind die Krawalle ohnehin nicht spontan entstanden: "Das Ganze ist bis ins Detail organisiert worden."
Chaoten prügelten sich mit Polizisten
Zu Zwischenfällen in Stadion von Turin kam es nur vor dem Spielbeginn, als "Juve"-Fans mit herausgerissenen Sitzen, Flaschen, anderen Gegenständen sowie Feuerwerksraketen den Zuschauer-Block mit den Anhängern des FC Liverpool beschossen. Die Engländer warfen die Geschosse zurück, dann schritt die Polizei ein. Für großen Applaus von den 65.000 Besuchern in der ausverkauften Arena sorgten danach ausgerechnet die gefürchteten "Ultra"-Fans von "Juve", die mit einem Banner der insgesamt 39 Todesopfer der Tragödie von Heysel vor 20 Jahren gedachten. Während des Spiels blieb es eher ruhig.
Vor der Partie hatten sich rund 50 Chaoten eine Schlägerei mit etwa 100 Polizisten geliefert. Erst nach einer halben Stunde und dem Einsatz von Tränengas bekamen die Sicherheitskräfte die Situation in den Griff. Zwei Autos, darunter ein Streifenwagen, gingen in Flammen auf. Bereits am Dienstag war es im Stadtzentrum von Turin zu ersten Zusammenstößen zwischen Fans gekommen. Dabei wurde ein Anhänger aus Liverpool leicht am Kopf verletzt. Acht italienische Fans im Alter zwischen 25 und 34 Jahren wurden verhaftet, gegen weitere 23 wurde Anzeige erstattet.
Die Disziplinar-Kommission der Europäischen Fußball-Union (Uefa) berät am Freitag in Nyon über die Vorfälle in Mailand und die Konsequenzen. Vier der in Mailand festgenommenen Randalierer wurden am Donnerstag bereits vor ein Schnellgericht gestellt. Die erst vor zwei Jahren für derartige Vorfälle geschaffenen Anti-Gewalt-Gesetze will Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi nun verschärfen. Darüber hinaus müsse in Zukunft ein verstärktes Augenmerk auf die "präventiven Maßnahmen" gelegt werden, ließ er nach einem Gespräch mit Innenminister Guiseppe Pisanu mitteilen.
Ein Feuerwerkskörper reicht für Abbruch
Der italienische Fußball-Verband (FIGC) kündigte ebenfalls drastische Maßnahmen an. Verbands-Chef Franco Carraro erklärte am Mittwoch, ab dem Wochenende würden die Durchführungbestimmungen bei Ligaspielen entschlossen durchgesetzt: Sollten etwa Feuerwerkskörper entzündet werden, muss der Schiedsrichter die Partie nicht anpfeifen - oder er darf sie umgehend abbrechen. Sollte eine Begegnung nicht stattfinden oder zu Ende gespielt werden können, wird sie mit 0:3 gegen jene Mannschaft gewertet, deren Anhänger die Zwischenfälle verursacht haben.
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