Thomas Müller: Das bittere Ende einer Traumsaison
zuletzt aktualisiert: 23.05.2010 - 16:08Madrid (RPO). Thomas Müllers Arbeitsprotokoll umfasst 35 Pässe, von denen wiederum 74 Prozent den Adressanten erreichten. An der Überlegenheit der Münchner (67 Prozent Ballbesitz) hatte er einen guten Anteil. Viermal schoss der Jungnationalspieler aufs Tor und damit häufiger als alle anderen Bayern in den 94 Minuten und 29 Sekunden des Endspiels. Über die Qualität der Chancen und Schüsse sagt die Statistik der Uefa freilich wenig aus.
Müller hatte die beste Gelegenheit, das Blatt zu wenden. Gleich nach Wiederanpfiff fand er sich frei vor Inters brasilianischem Torhüter Julio Cesar wieder. Aus zehn Metern Torentfernung hätte rechts ins Eck schießen können oder links, aber er platzierte den Ball nicht genau genug. Der 20-Jährige ahnt, dass ihn diese Szene noch einige Zeit beschäftigen wird.
„Ich weiß nicht, ob es Tage oder Wochen dauern wird, bis ich das verarbeitet habe“, sagte er, „die vergebene Chance war für mich ein bitter Moment. Das ist auch ein Grund, warum es mir jetzt nicht so gut geht.“
Doch er hat genügend Fürsprecher – allen voran Präsident Uli Hoeneß. Nicht nur Ehefrau Lisa, die ihn beim Bankett tröstete. Und außerdem muss er sich ja schon am Dienstag bei der Nationalmannschaft im Südtiroler Trainingscamp einfinden. Für quälende Grübelei ist angesichts der bevorstehenden Aufgaben in Südafrika keine Zeit.
In den Stunden nach dem verlorenen Endspiel stand diese Szene, in der Thomas Müller offenbarte, dass er noch kein Gerd Müller ist, im Mittelpunkt der Hätte-Wenn-und-Aber-Diskussionen. „Da kann er sich die Ecke aussuchen“, grantelte Trainer Louis van Gaal. Und Kapitän Mark van Bommel sagte: „Die ganze Saison über macht er diese Chancen rein, aber heute leider nicht. Das ist aber kein Vorwurf an den Jungen.“
Müller geht trotz des Fehlschusses als Mann der Saison aus den letzten Begegnungen dieser Spielzeit hervor. Alle 34 Bundesligaspiele des FC Bayern hat er in seiner ersten Saison bei den Profis bestritten. Im Angriff oder im Mittelfeld, rechts, links oder zentral. Das Finale von Madrid verdeutlichte noch einmal den Stellenwert des jungen Oberbayers. Während Müller mit größter Selbstverständlichkeit in der Startformation auflief, kam Miroslav Klose erst nach einer Stunde.
Und Mario Gomez, der vor einem Jahr für rund 30 Millionen Euro aus Stuttgart gekommen war, durfte nur 20 Minuten mitmachen, als die Partie durch Diego Militos zweiten Treffer praktisch entschieden war.
Wenn jetzt von den guten Perspektiven der Münchner für die kommenden Jahre die Rede ist, steht namentlich Müller für beste Aussichten.
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