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Analyse zur Champions League
Der FC Bayern ist auf dem richtigen Weg

Florenz - Bayern München: Einzelkritik
Florenz - Bayern München: Einzelkritik FOTO: AP
Düsseldorf (RPO). Der FC Bayern München steht nach dem 2:3 (0:1) beim AC Florenz im Viertelfinale der Champions League und darf sich damit mit Fug und Recht zur erweiterten internationalen Spitze zählen. Neben den Superstars tragen auch die zahlreichen Nachwuchskräfte ihren Teil zum Erfolg bei. Von Denis Canalp

Die Pflicht ist geschafft, nun folgt die Kür: Der FC Bayern steht in der "Königsklasse" in der Runde der letzten Acht. Nun misst sich das Team von Trainer Louis van Gaal mit den ganz Großen Europas – und ist dabei keinesfalls chancenlos, auch wenn die Favoritenrolle von anderen Mannschaften eingenommen wird.

Die Bayern der Saison 2009/2010 profitieren im Offensivspiel von der individuellen Klasse ihrer Superstars Arjen Robben und Franck Ribery, die mit ihren genialen Momenten in der Lage sind, ein Spiel alleine zu entscheiden. Das zeigte auch das Rückspiel in Florenz, als der Franzose das zwischenzeitliche 1:2 durch Mark van Bommel mit einer feinen Einzelleistung vorbereitete und der Niederländer mit einem Traumtor den erlösenden 2:3-Endstand herstellte.

Jugendwahn unter van Gaal

Hoffnung macht auch die Entwicklung der zahlreichen Jugendspieler, die von van Gaal systematisch gefördert werden. Holger Badstuber und Jung-Nationalspieler Thomas Müller sind aus der Stammformation des Rekordmeisters kaum mehr wegzudenken, der derzeit verletzte Diego Contento und vor allem der erst 17 Jahre alte David Alaba ließen durch starke Leistungen aufhorchen, in Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm stehen zwei weitere Eigengewächse in der Stammelf – der FC Bayern, der jahrelang kaum Profit aus seiner fabelhaften Jugendarbeit schlug, setzt plötzlich mit Erfolg auf den eigenen Nachwuchs.

Zwar verfügen Klubs wie der FC Barcelona, Real Madrid, der FC Chelsea und Manchester United über einen größeren und besser besetzten Kader, doch mit diesen Bayern ist – trotz der Defensiv-Aussetzer in Florenz – in Zukunft zu rechnen. In Toni Kroos, der derzeit an Bayer Leverkusen ausgeliehen ist und im Rheinland für Furore sorgt, kehrt im Sommer ein weiterer hoffnungsvoller Youngster an die Säbener Straße zurück.

"Wir haben erstmals seit unserem Triumph 2001 wieder die Chance, ganz oben anzugreifen", sagte Karl-Heinz Rummenigge nach dem Weiterkommen in Florenz. Doch der Vorstandsvorsitzende bleibt vorsichtig, spricht davon, dass es das Ziel sei, eine weitere Runde zu überstehen. Die Spieler selbst sind da schon forscher. "Wir sind gut drauf und noch nicht fertig. Wir haben noch einiges vor", erklärte Kapitän van Bommel. Und auch Ribery betonte, "dass wir eine tolle Mannschaft haben. Wir wollen Großes erreichen - und wir können alle Wettbewerbe, in denen wir sind, auch gewinnen."

40 Millionen Euro Einnahmen

Der Viertelfinaleinzug schlägt sich auch finanziell nieder. Für das Erreichen der Runde der letzten Acht gab es von der Uefa weitere 3,3 Millionen Euro, wodurch die Prämien-Einnahmen der Bayern bereits auf 16,2 Millionen ansteigen. Dazu kommen etwa 15 Millionen aus dem sogenannten Marketingpool und noch die Erlöse aus den Ticketverkäufen. Inklusive des ausverkauften Heimspiels im Viertelfinale dürfte dies noch einmal bis zu acht Millionen Euro ausmachen – macht rund 40 Millionen Euro.

Geld, das die Bayern für die anstehende, geplante Vertragsverlängerung mit Ribery gebrauchen können. Der Franzose hatte angedeutet, seinen Kontrakt nur dann verlängern zu wollen, sollte er eine vernünftige sportliche Perspektive in München aufgezeigt bekommen. Die hat er nun – der Franzose kann darauf setzen, dass die jungen Nebenleute an seiner Seite reifen und in Zukunft noch stärker werden. Erste Gespräche sollen schon in Kürze aufgenommen werden und der FC Bayern hat im Vertragspoker plötzlich einige Trümpfe mehr in der Hand.

Ribery ist "sehr zufrieden"

"Franck ist erfolgsbesessen. Die Vertragsgespräche hat das sicherlich nicht erschwert", sagte Rummenigge und dürfte erfreut die Aussagen von Ribery zur Kenntnis genommen haben. "Ich bin sehr zufrieden, bei Bayern zu sein", meinte der umworbene Franzose und kündigte für "Ende März, Anfang April" eine Entscheidung an.

Der FC Bayern bastelt erfolgreich an der Zukunft. Auch ein Verdienst des anfangs so kritisch beäugten Trainers, der den jungen Leuten echte Bewährungshancen gibt, sich auf dem höchsten Level zu bewähren. Die Münchener sind mit van Gaals Spielsystem und Philosophie noch nicht am Ziel, aber auf dem richtigen Weg.

Wir haben für Sie die Pressestimmen und die Einzelkritik der Bayern-Akteure zum Spiel in Florenz zusammengestellt.

 
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