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Panorama Kombo Bayern Double 2010
  Foto: ddp, RPO
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Analyse des Champions-League-Finals: Die Gründe für Bayern Münchens Niederlage

VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 23.05.2010 - 13:32

Düsseldorf (RPO). Es sollte die Krönung einer grandiosen Saison werden, doch Inter Mailand hat dem FC Bayern München im Champions-League-Finale die Grenzen aufgezeigt. Unsere Redaktion hat das Spiel im Estadio Santiago Bernabeu für Sie analysiert und zeigt die Gründe für die 0:2 (0:1)-Niederlage des deutschen Rekordmeisters im Endspiel um das historische Triple.

Taktik: Mourinho schlägt van Gaal

Bayerns Trainer Louis van Gaal hatte vor dem Spiel die Philosophien beider Trainer im Endspiel deutlich beschrieben: "Mein Ziel ist es, das Publikum zu begeistern und zu gewinnen. Jose Mourinho spielt nur, um zu gewinnen" – nach 90 Minuten voller defensiver Ordnung der Italiener und blitzschneller Konter muss man dem Niederländer zustimmen und dem Portugiesen, der vor Jahren als van Gaals Assistent beim FC Barcelona arbeitete, gratulieren: Ziel erreicht.

Mourinhos Plan, die Bayern durch offensives Pressing zu überraschen und so einen frühen Führungstreffer zu erzielen, ging zwar erst zeitverzögert auf, war aber dennoch ein guter Schachzug. Denn: Nichts ist schlimmer, als gegen eine von Mourinho trainierte Mannschaft in Rückstand zu geraten. Das bekam der FC Bayern bis auf zwei, drei Ausnahmen am Samstag nach Diego Militos Führungstreffer zu spüren.

Inter spielte gegen die Bayern nicht schön, aber unglaublich effektiv. Ein Rädchen griff ins andere, jeder stellte sich aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft. Das Abwehrbollwerk um den Ex-Bayern-Spieler Lucio stand felsenfest, Arjen Robben sah sich konsequent zwei bis drei Gegenspielern gegenüber und kam deshalb nicht zur gewohnten Entfaltung. Und vorne demonstrierte Milito seinen Torriecher und nutzte seine zwei Chancen eiskalt. Beeindruckend war die Präzision und das Tempo, in dem Mailand seine Konter vortrug und das Mittelfeld im Direktpassspiel mit nur drei, vier Stationen überbrückte.

Die Bayern begingen den gleichen Fehler wie der FC Barcelona in den Halbfinalspielen gegen Inter, hielten das Tempo nicht hoch genug und den Ball zu lange am Fuß. Das gab Inter die nötige Zeit, um die Räume perfekt zu verengen und die Bayern so am Angriffswirbel zu hindern. Die Offensivbemühungen der Münchner zerschellten an Mourinhos Mauer.

Ribery fehlt (vor allem Robben)

Der gesperrte Franck Ribery fehlte den Münchenern an allen Ecken und Enden. Hamit Altintop war damit beauftragt worden, den Franzosen nach seiner Roten Karte im Halbfinal-Hinspiel gegen Olympique Lyon zu ersetzen. Was in Lyon noch fabelhaft funktionierte, gelang in Madrid nicht besonders wirkungsvoll. Ribery hätte Maicon mit seinen schnellen Dribblings und wendigen Haken stärker unter Druck gesetzt und vor allem den anderen Superstar und Tempodribbler Robben entlastet, der gegen die bärenstarken Italiener oft auf sich allein gestellt war.

Durch Riberys Fehlen wurde das Bayern-Spiel zu berechenbar, zu eintönig. Es fehlten die genialen Ideen und Aktionen eines Riberys. Es wäre spannend zu beobachten gewesen, wie sich die Inter-Abwehr gegen die komplette Flügelzange der Bayern geschlagen hätte – 50 Prozent von "Robbery" reichten nicht.

Ehren-Präsident Franz Beckenbauer jedenfalls glaubt, dass die Einzelaktionen Riberys den Unterschied gemacht hätten: "Mit Ribery verlierst du hier heute niemals. Mit ihm wäre es ein ganz anderes Spiel gewesen. Ohne ihn hatte keiner den Mut. Im Finale muss man anders spielen. Man darf nicht so viel Respekt haben", sagte der "Kaiser" nach der Niederlage.

Auch wenn ihm Trainer van Gaal, ein Verfechter von Teamgeist und ein bekannter Gegner des Personenkults, öffentlich widersprach und Altintop ausdrücklich lobte, weiß auch der Niederländer, dass die Chancen mit Ribery deutlich größer gewesen wären. Gut für die Bayern, der Franzose wird seinen Vertrag bis 2015 verlängern.

Die löchrige Innenverteidigung

Bayerns Innenverteidigung genügt höchsten internationalen Anforderungen nicht. Diese These ist nicht neu und wurde durch das Enspiel in Madrid gestützt. Daniel van Buyten und Martin Demichelis sind nicht stabil genug, zu unbeweglich und zu langsam – zumindest im Vergleich zu Europas Spitze. In der Bundesliga stellten die Bayern die beste Abwehr, kassierten die wenigsten Gegentreffer. In der Champions League wurden die Defizite jedoch auch schon vor dem Finale schonungslos aufgedeckt, beispielsweise in den Viertelfinalpartien gegen Manchester United.

Badstubers Zukunft dürfte in der Zentrale liegen als Nebenmann wäre einer ideal, den die Bayern im vergangenen Sommer wegschickten und der jetzt mit Inter im Finale triumphierte: Lucio, in Italien ehrfurchtsvoll „Koloss“ getauft. Er demonstrierte in Madrid, dass es ein Fehler war, ihn zu verkaufen. In der Innenverteidigung besteht jedenfalls Handlungsbedarf – auch wenn das an einem Kreuzbandriss laborierende Abwehr-Juwel Breno aus Nürnberg zurückkommt.

Müller ist (noch) kein Milito

Diego Milito war der Hauptdarsteller des Finals. Der 30 Jahre alte Argentinier machte im Endspiel gegen Bayern München den Unterschied aus, kam zweimal in aussichtsreicher Position zum Abschluss und verwandelte zweimal staubtrocken. Beim ersten Tor wartete er bis Jörg Butt zu Boden ging und brachte den Ball über den geschlagenen Bayern-Schlussmann im Tor unter. Beim 2:0 ließ der wendige Angeifer Daniel van Buyten mit dem Hauch einer Körpertäuschung ins Leere laufen und Butt erneut keine Abwehrchance: Milito, der Mailänder Held von Madrid.

Auf der Gegenseite hatte Jung-Nationalspieler Thomas Müller das Zeug zum Matchwinner von Bernabeu, vergab aber zweimal in aussichtsreicher Situation. Nur wenige Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit gelangte der Ball über Olic' Hacke zu Altintop, der Müller den Ausgleich auf dem Silbertablett servierte. Müller scheiterte mit seinem Schuss am glänzend aufgelegten Julio Cesar. In der 63. Minute hatte der 20 Jahre alte Shootingstar nach einem abgewehrten Freistoß von Robben erneut den Ausgleich auf dem Fuß, doch Esteban Cambiasso wehrte seinen Volleyschuss einen Meter vor der Torlinie mit dem Kopf ab.

Inters Erfahrung setzte sich gegen Bayerns junge Überraschungsmannschaft durch. Ein Milito ist in seiner Entwicklung einfach weiter als ein Müller, dem aber die Zukunft gehört. Die jungen Bayern-Spieler wie Müller, Badstuber, aber auch Contento oder Alaba müssen und werden noch viel lernen – der Einzug ins Finale muss deshalb trotz der Niederlage als großer Erfolg gewertet werden.


 
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