Nach Ausschreitungen: Drakonische Strafen nach Mailänder Skandal-Derby
zuletzt aktualisiert: 15.04.2005 - 18:30Mailand (rpo). Drakonische Strafe für Inter Mailand: Der 13-malige italienische Fußball-Meister muss nach den schweren Ausschreitungen im Champions-League-Viertelfinale gegen den Stadtrivalen AC seine kommenden sechs Europacupspiele vor leeren Rängen austragen.
Die letzten beiden dieser sechs Partien setzte die Kontroll- und Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) bei ihrer Sitzung am Freitag für drei Jahre auf Bewährung aus. Sollte sich innerhalb dieser Bewährungsfrist ein neuer Zwischenfall ereignen, treten die zwei Spiele automatisch wieder in Kraft - zusätzlich zu einer Strafe für das neue Vergehen.
Dazu wurden die Lombarden mit einer Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 193.000 Euro belegt und die Partie, die in der 75. Minute beim Stand von 0:1 abgebrochen wurde, mit 0:3 aus Sicht von Inter gewertet. Damit zieht der AC Mailand, der bereits das Hinspiel 2:0 gewann, ins Halbfinale der "Königsklasse" ein und trifft dort auf den PSV Eindhoven. Inter hat drei Tage Zeit, gegen das Urteil Einspruch einzulegen.
Am vergangenen Dienstag war es beim 262. Mailänder Derby zum Eklat gekommen. Als Schiedsrichter Markus Merk aus Kaiserslautern den vermeintlichen 1:1-Ausgleichstreffer für Inter durch Esteban Cambiasso aberkannte, wurde die ohnehin brisante Stimmung unter den 82.734 Zuschauern im Giuseppe-Meazza-Stadion zusätzlich angeheizt.
Inter-Randalierer warfen zahlreiche Feuerwerkskörper auf das Spielfeld, einer traf Milan-Torwart Dida an der Schulter. Der brasilianische Schlussmann zog sich dabei eine Verbrennung und eine Prellung zu. Merk hatte die Partie daraufhin zunbächst unterbrochen. Als nach einer 25-minütigen Pause wieder Feuerwerkskörper auf das Spielfeld flogen, entschied sich der Welt-Schiedsrichter in Absprache mit Uefa-Offiziellen für den endgültigen Abbruch der Begegnung.
Mit dem Urteil setzte die Uefa ein deutliches Zeichen im Kampf gegen die zunehmende Gewalt vor allem in italienischen Stadien. Erst im September 2004 war die Champions-League-Begegnung zwischen dem AS Rom - damals noch unter Teamchef Rudi Völler - und Dynamo Kiew abgebrochen worden, nachdem der schwedische Unparteiische Anders Frisk von einem Feuerzeug am Kopf getroffen worden war. Rom musste daraufhin seine folgenden zwei Heimspiele in der Vorrunde der "Königsklasse" vor leeren Rängen austragen.
Unterdessen hat die italienische Justiz erste Konsequenzen gezogen. Ein 21-Jähriger aus dem Lager der Inter-"Ultras" erhielt am Freitag ein dreijähriges Zutrittsverbot für italienische Stadien. Zudem muss sich der Klempner, der als einer der Täter bei der Randale identifiziert wurde, an Spieltagen bei einer Polizeidienststelle melden. Über das Stadionverbot hinaus drohen dem Rowdy weitere strafrechtliche Konsequenzen.
Ein Richter in Mailand verhängte zudem einen Hausarrest gegen einen weiteren per Polizeivideo überführten Mittäter. Inter hatte in Folge der Ausschreitungen aus seinem Fanblock beschlossen, für das Abbrennen der Feuerwerkskörper vor einem Zivilgericht Schadensersatz von den Tätern einzuklagen.
Ähnliche Fälle wie in Mailand, aber auch jüngst beim Serie-A-Spiel zwischen Lazio Rom und Livorno, sollen nach Angaben des italienischen Fußball-Verbandes (FIGC) zukünftig drastisch bestraft werden. Demnach sollen laut Verbands-Chef Franco Carraro Spiele gar nich angepfiffen oder sofort abgebrochen werden, wenn Feuerwerkskörper gezündet werden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum








