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FC Bayern überwindet sein Trauma
Ein Hauch von Revanche

Bayern - ManU: Einzelkritik
Bayern - ManU: Einzelkritik FOTO: APN
Düsseldorf (RPO). Der FC Bayern München hat durch den Siegtreffer von Ivica Olic in der Nachspielzeit sein vielzitiertes Trauma aus dem verlorenen Champions-League-Finale 1999 endgültig überwunden. Damals erlitt der Rekordmeister gegen Manchester United die bitterste Niederlage der Vereinsgeschichte – nun gelang die Revanche, die eigentlich keine war. Von Denis Canalp

Im prallgefüllten Camp Nou waren es die Engländer, die durch gleich zwei Treffer in der Nachspielzeit eine bereits verloren geglaubte Partie zu ihren Gunsten entschieden. Gerade einmal 100 Sekunden fehlten dem FC Bayern vor knapp elf Jahren zum großen Triumph. Die eingewechselten Teddy Sheringham (90.+1) und Ole Gunnar Solksjaer (90.+3) versetzen die Münchener durch ihre Treffer in einen regelrechten Schockzustand. Das Spiel war aus. Es flossen Tränen. Unvergessliche Szenen voller Traurigkeit auf dem Rasen – das 1:2 gegen Manchester war für den damaligen Torhüter Oliver Kahn "die Mutter aller Niederlagen".

2001 – die wirkliche Revanche

Doch schon zwei Jahre später bot sich die Gelegenheit zur Revanche. Der FC Bayern traf im Viertelfinale der Königsklasse erstmals wieder auf Manchester. Die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld gewann beide Spiele, 1:0 in Manchester und 2:1 in München, schaltete im Halbfinale Real Madrid aus und besiegte im Endspiel in Mailand den FC Valencia im Elfmeterschießen. Acht Spieler, die in Barcelona auf dem Rasen standen, reckten 2001 – mit zwei Jahren Verspätung – den Pokal in den Abendhimmel von San Siro. Die Revanche war den tragischen Hauptdarstellern von 1999 selbst geglückt.

Nun in München wurde endgültig mit dem Trauma abgeschlossen, die Bayern schlugen ebenfalls in der Nachspielzeit zurück. Der deutsche Rekordmeister hatte dank einer mutigen und starken Leistung in der zweiten Halbzeit durch einen abgefälschten Freistoß von Franck Ribery den 1:1-Ausgleich erzielt (77.), nachdem Manchesters Torjäger Wayne Rooney bereits nach 64 Sekunden für die Führung von United gesorgt hatte.

Van der Sar lässt FCB verzweifeln

Die Spieler von Trainer Louis van Gaal fanden jedoch bei zahlreichen guten Möglichkeiten in ManU-Keeper Edwin van der Sar immer wieder ihren Meister. Thomas Müller (51.), Hamit Altintop (56.) und Mark van Bommel (56.) scheiterten am überragenden 39 Jahre alten Niederländer ebenso wie Olic (72.), Ribery (87.) und Mario Gomez (89.). Dennoch liefen die Bayern weiter unbeirrt an, demonstrierten bis zum Abpfiff den puren Siegeswillen, hatten bei einem Kopfball von Nemanja Vidic an die Latte (83.) aber auch Glück.

Der letzte Angriff, es läuft die 92. Minute. Der eingewechselte Gomez stürzt im Zweikampf mit Patrice Evra, verliert den Ball. Die Situation scheint bereinigt, doch der Gäste-Verteidiger leistet sich einen folgenschweren Blackout. Der Franzose stoppt den Ball gemächlich und übersieht dabei den von der Seite heranrauschenden Olic, der sich das Spielgerät angelt, mit hohem Tempo Nemanja Vidic enteilt, den verduzten Rio Ferdinand elegant umkurvt, einen Schuss antäuscht und mit einem harten und platzierten Abschluss van der Sar keine Chance lässt. Der Rest ist überschwängliche Freude.

ManU-Quartett von 1999

Freude über ein wichtiges Tor, das den Bayern eine reelle Chance auf das Erreichen des Halbfinals bescherte, aber nicht über eine geglückte Revanche, da 2001 bereits alte Rechnungen beglichen wurden. Beim Gegner von der Insel kamen nun jedoch Teammanager Sir Alex Ferguson, Gary Neville, Ryan Giggs und der einst in Barcelona gesperrte Paul Scholes elf Jahre nach dem Triumph in den zweifelhaften Genuss einer dramatischen Niederlage in der Schlussphase.

Doch es ist kaum davon auszugehen, dass das Quartett künftig von einem Trauma spricht, wenn es an München und Olic denkt. Es war schließlich nur das Viertelfinale. Und nur das Hinspiel. Am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr im Live-Ticker) hat ManU im hemischen Old Trafford bereits Gelegenheit, den späten Gegentreffer vergessen zu machen. Diese Chance hatten die Bayern damals nicht. Sie mussten zwei Jahre warten.

 
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