Fünf-Jahres-Wertung: Ein Platz mehr in der Königsklasse
zuletzt aktualisiert: 02.08.2011 - 08:15Berlin (RPO). Der fette Strich in der Bundesliga-Tabelle wird in der kommenden Saison viele Vereine träumen lassen. Platz 1 bis 3: Champions League, Platz 4: Qualifikation für die Champions League. Die Bundesliga darf in der folgenden Saison, also 2012/13, einen dritten festen Teilnehmer in der Königsklasse stellen.
Der zusätzliche Startplatz tut der gesamten Liga gut, wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erklärt: "Zuschauer- und Fernseheinnahmen steigen, dem Geldkreislauf der Liga werden neue Mittel zugeführt." Auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ist hocherfreut: "Der zusätzliche Platz bedeutet, dass wir endlich wieder in der Normalität angekommen sind", sagte er der dapd. "Wir haben die besten Stadien der Welt und sind weltweit führend in Bezug auf die Zuschauerzahlen."
Die meisten Fans haben mal gehört, dass daran die UEFA-Fünfjahreswertung schuld ist und Deutschland gerade Italien überholt hat. Aber wie und weshalb? Keinen Schimmer.
689 Zellen entscheiden
Es ist eine wahre Wissenschaft, vielleicht das letzte Mysterium des Fußballs. 13 Spalten und 53 Zeilen umfasst die monströse Tabelle. Auch drei verschiedene Hintergrundfarben können nur bedingt für Übersicht sorgen. Diese 689 Zellen entscheiden über das Wohl und Wehe des deutschen Fußballs. Ralf Biniasz, bekennender Fan von Werder Bremen wie auch von Zahlen und Statistiken, hat die Materie durchdrungen.
Seine Webseite www.5-jahres-wertung.de ist die ultimative Ressource: Biniasz hat den komplizierten Code der UEFA entschlüsselt und auf eigene Faust in eine Datenbank übertragen. Nun aktualisiert er nach jedem europäischen Spieltag das Ranking.
In Kurzform: Es gibt zusätzlich zu Punkten für das Erreichen der nächsten Runde auch Punkte für jeden einzelnen Sieg und jedes Unentschieden in europäischen Wettbewerben. Was bedeutet, dass auch ein vermeintlich unbedeutendes letztes Gruppenspiel des FC Bayern in der Champions League über das künftige Startrecht deutscher Vereine entscheiden kann.
3,5 Millionen Zugriffe
"Liebe User, bitte gebt mir an Spieltagen 30 Minuten Zeit", schreibt Biniasz, der sich jeden Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagabend an den Rechner setzt. Also an allen Tagen, an denen europaweite Spiele ausgetragen wurden. Bis zu 100.000 Nutzer klicken am Tag danach auf seine Seite, 2010 waren es 3,5 Millionen Zugriffe. "Wenn italienische Mannschaften verloren und deutsche gewonnen haben, war ganz besonders viel los", sagt der 48-Jährige Bauingenieur.
Biniasz selbst ist mindestens ebenso sehr Fan wie Statistiker. "Zahlen sind nicht meine Feinde", sagt er. Biniasz ist auch Patriot. Seine Begeisterung wurde entfacht, "weil Deutschland erfolgreich war", wie er sagt, und sich vor einigen Jahren anschickte, den Rückstand auf Italien aufzuholen. Nicht ohne Stolz betont Biniasz, dass "sein" SV Werder in den letzten Jahren gegen italienische Vereine besonders erfolgreich gewesen sei. Und damit sein Scherflein beigetragen hat zur Renaissance des deutschen Fußballs.
Nun hat die Bundesliga den dritten festen Champions-League-Platz von den Italienern übernommen. England liegt unangefochten an der Spitze. In der Ausgangswertung vor Beginn der Saison 2011/12 wird Deutschland aber nur noch 3,8 Zähler hinter den zweitplatzierten Spaniern geführt. Geht da vielleicht was?
Auf Dauer reichen zwei Vereine nicht aus
"Spanien war in den letzten Jahren fast immer einen Tick besser als wir. Kurzfristig wird es also schwer, vorbei zu ziehen", sagt Biniasz. "Aber in diesem Jahr werden die Weichen gestellt." Die europäischen Vereine, zumal die spanischen, hätten hohe Schulden gemacht und müssten daher sparen. "Barca und Real können machen, was sie wollen. Aber auf Dauer reichen zwei Vereine nicht aus, um sich oben zu halten", sagt der Experte.
Die Webseite wirft mittlerweile sogar ein bisschen Gewinn über Werbung ab für den emsigen Betreiber. Doch wegen des Geldes macht er das natürlich nicht. Biniasz programmiert halt gern ein bisschen mit an der Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs.
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