| 18.26 Uhr

"Keine Weltkrise" bei den Bayern
Ancelotti schickt seine Spieler vor Eindhoven-Spiel ins Hotel

Ancelotti mitten in der Rudelbildung
Ancelotti mitten in der Rudelbildung FOTO: dpa, jhe
München. Carlo Ancelotti muss in München die erste knifflige Phase meistern. "Ich will die Spieler nicht bestrafen, und das muss ich auch nicht", sagt er. Erstmals geht es vor einem Heimspiel ins Hotel.

Carlo Ancelotti hatte schon fast neun Minuten auf Deutsch über das "besondere Spiel" in der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) gegen die PSV Eindhoven gesprochen, als er plötzlich die Sprache wechselte. "Ich muss das auf Englisch sagen, weil ich klar sein will", sagte der Trainer von Bayern München - und seine Botschaft ließ keinen Zweifel zu: Der Rekordmeister ist nach drei Spielen ohne Sieg zum Erfolg verdammt.

"Ich will die Spieler nicht bestrafen, und das muss ich auch nicht", sagte Ancelotti, aber die Stars müssten jetzt endlich begreifen, "was falsch und was gut war". Nein, beim FC Bayern sei keine "world crisis" ausgebrochen, fügte Ancelotti an, "aber wir müssen zugeben, dass wir drei schwache Spiele hatten". Jetzt gelte es, Lösungen zu finden, "aber am Ende sind immer die Spieler die Lösung".

Diese hatten Ancelotti und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ("das war nicht der FC Bayern") nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt in scharfem Ton aufgefordert, ihre Einstellung zu überdenken - mit Erfolg, wie Weltmeister Mats Hummels am Dienstag behauptete. Larifari war gestern, jetzt sei im Training wieder "viel mehr Leidenschaft, ein ganz anderes Feuer, ganz andere Intensität" zu spüren, behauptete er: "Ich bin ganz guter Dinge, dass wir endlich unser richtiges Gesicht zeigen."

Hummels sieht die Bayern nach dem 0:1 bei Atlético Madrid in Gruppe D in einer "kleinen Drucksituation", ein Sieg sei Pflicht. Auch deshalb habe Ancelotti von der Mannschaft "sehr klar" gefordert, mehr Gier zu zeigen.

"Manchmal muss ich auch hart sein"

"Ich weiß sehr genau, was ich tue", sagte der Coach mit ernster Stimme, "ich muss ich selbst sein, und manchmal muss ich auch hart sein." Dazu gehört, dass er die Mannschaft zum ersten Mal in seiner Amtszeit am Vorabend des Spiels im Teamhotel Dolce vor den Toren der Stadt zusammenholte. "Ich habe vor der Saison gesagt, dass wir bei besonderen Spielen ins Hotel gehen, und das ist ein besonderes Spiel", sagte er unmissverständlich.

Und die Stars hätten verstanden. "Ich habe glücklicherweise sehr intelligente Spieler, die Einstellung wird sicher anders sein", sagte Ancelotti. Ob das auch für das Ergebnis gelten werde, könne er nicht vorhersagen: "Wie gesagt, ich bin kein Magier."

Eine stark veränderte Aufstellung will er nicht aufs Feld zaubern, obwohl ihm bis auf Franck Ribéry (muskuläre Probleme) alle Profis zur Verfügung stehen. "Wir müssen die Haltung wechseln, keine Spieler", sagte er. Stürmer Robert Lewandowski wird allerdings wieder von Beginn an spielen, für Arturo Vidal kommt das Spiel wohl noch zu früh. Er werde da "kein Risiko eingehen", sagte Ancelotti.

Diese Marschroute dürfte auch die PSV in München wählen, die zuletzt nur drei Unentschieden zustande gebracht hat. Der Meister der beiden vergangenen Spielzeiten liegt in der Eredivisie nur auf Rang vier, neun Punkte hinter Spitzenreiter Feyenoord. Die Generalprobe verpatzte das Team von Trainer Philip Cocu beim 1:1 gegen den Tabellen-13. Heracles Almelo ebenfalls. Und in der Champions League gab es nach dem 0:1 gegen Atlético nur ein 2:2 beim FK Rostow.

Vor allem vorne hapert's. "Wir müssen aufpassen, dass wir vor dem Tor nicht zu viel zweifeln", sagte Cocu, "aber gegen die Bayern können wir freier spielen, die sind klarer Favorit." Kapitän Luuk de Jong (Ex-Gladbach) meinte: "Vielleicht müssen wir ein bisschen wie Heracles spielen..." Also mit dem früheren Stuttgarter Daniel Schwaab hinten dicht machen.

(sid)
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