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Bayerns Matchwinner gegen den Ex-Klub
Kingsley Coman kommt, flankt und trifft

FC Bayern München: Kingsley Coman kommt, flankt und trifft gegen Juventus
Mit Kingsely Coman kam die Wende im Bayern-Spiel. FOTO: dpa, shp jai
Düsseldorf. Kingsley Coman gilt als eines der hoffnungsvollsten Talente Europas. Am Mittwochabend unterstrich er diese Einschätzung nach seiner Einwechslung gegen Juventus Turin. Aus einem 0:2 machten die Bayern noch ein 4:2 – und Coman war beim Spiel gegen den Klub, von dem er ausgeliehen ist, Bayerns X-Faktor. Von Denis Canalp

Die italienische Tageszeitung "Gazzetta dello Sport" kürte im Januar 2016 die 50 weltweit besten U20-Spieler und sortierte den jungen Franzosen, der im Sommer von der "Alten Dame" nach München verliehen wurde, auf den Spitzenplatz. Er verwies dabei Schalkes Leroy Sané und den Belgier Youri Tielemans vom RSC Anderlecht auf die Plätze. Zuvor hatte Coman eine vielversprechende Hinrunde in seinem Premierenjahr in der Bundesliga hingelegt. Drei Treffer, zwei Vorlagen in der Liga, dazu ein Tor und fünf Assists in der Champions League – keine schlechte Bilanz für einen 19-Jährigen in seinem ersten Halbjahr. Doch noch beeindruckender als die nackten Zahlen ist Comans Schnelligkeit, dieser explosive Antritt, gepaart mit einer überdurchschnittlichen Technik.

Als die Bayern im Sommer sieben Millionen Euro Leihgebühr für zwei Spielzeiten nach Turin überwiesen, waren nicht alle in Bayerns Umfeld davon überzeugt, dass der Franzose sofort in München einschlagen würde. Schließlich ist die Konkurrenz im Bayern-Kader alles andere als übersichtlich: Franck Ribéry, Arjen Robben, Douglas Costa und Mario Götze heißen Comans interne Kontrahenten um einen Platz in der Startelf. Für Juventus hatte er zudem vor seinem Wechsel gerade einmal 764 Pflichtspielminuten absolviert. Meist als Joker und oft als hängende Spitze. Doch Bayerns Technischer Direktor Michael Reschke sah in dem 1,78 Meter großen Dribbler einen passenden Spieler für Trainer Pep Guardiola und dessen Vorstellung von Fußball. Auf der Außenbahn.

"Kingsley Coman ist eines der großen Talente des europäischen Fußballs", hatte Sportvorstand Matthias Sammer nach der Verpflichtung gesagt. Eines Tages, das war die Vision des FC Bayern, soll Coman dann ein Spieler sein, mit dem sich die Fans identifizieren wie mit Ribéry oder Robben, die altgediente Flügelzange, mit der die Bayern 2013 die Champions League gewannen und mit denen – Verletzungsfreiheit vorausgesetzt – immer noch zu rechnen ist.

Müller feiert Viertelfinal-Einzug mit Megafon und Fans FOTO: afp

Doch Comans positive Entwicklung in München verlief schneller als erwartet. Seine dauerhafte Anstellung, die Bayern besitzen im Sommer 2017 eine Kaufoption in Höhe von 20 Millionen Euro, dürfte lediglich eine Formsache sein. Am vergangenen Wochenende verzückte er die Zuschauer beim 5:0 über Werder Bremen mit drei Torvorlagen. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge pries das noch ausgeliehene Talent von Juventus als "große Überraschung" der Saison. "Das ist ein Transfer, der uns gelungen ist. Das ist ein Bursche, der uns viel Freude bereitet."

Die Freude bei Rummenigge und Co. dürfte nach Comans Gala-Vorstellung gegen Turin noch größer geworden sein. Sein Anteil an der Aufholjagd mit Happy End war immens. Er belebte mit seinen Dribblings, seinen Finten, seinem unerschütterlichen Mut und seinen Flanken das zuvor zu statisch wirkende Münchner Offensivspiel, suchte immer wieder den Weg zur Grundlinie, um den Ball in die Mitte schlagen zu können.

Joker Thiago stellt Partie gegen Juve auf den Kopf FOTO: afp

In der 73. Minute erlief sich Coman, der nach 60 Minuten für Xabi Alonso eingewechselt wurde, auf dem rechten Flügel einen Flankenwechsel, passte den Ball zu Douglas Costa, der wiederum mit seiner präzisen Flanke Robert Lewandowskis Kopf im Strafraum fand. 1:2, die Bayern hatten wieder eine Chance, brauchten noch ein weiteres Tor in 17 Minuten, um die Verlängerung zu erreichen. In der Nachspielzeit setzte das französische Juwel das nächste Ausrufezeichen, flankte aus vollem Lauf genau auf Thomas Müller, der mit seinem Kopfball die Verlängerung erzwang. In der Verlängerung setzte er mit einem fulminaten Konter nahezu über das gesamte Spielfeld und einem traumhaften Abschluss in Manier von Arjen Robben den Schlusspunkt zum 4:2. Coman, der Matchwinner, wurde zurecht zum "Man of the Match" gekürt.

Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub. In Turin reagierten die Verantwortlichen dementsprechend zerknirscht. "Kingsley hat hervorragende Qualitäten", gestand Juventus Trainer Massimiliano Allegri nach dem Spiel mit gequälter Miene ein. "Wir brauchten das Eins gegen Eins von Coman gegen Alex Sandro, der ein bisschen müde war. Coman hatte gute Beine", erläuterte Guardiola seinen geglückten Schachzug. Und diese Beine dürften in Zukunft nicht schlechter werden, die Zukunft auf der rechten Außenbahn der Bayern gehört Coman. Der Moment sowieso.

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