| 16.52 Uhr

Bayern-Gegner
Das mysteriöse Fußball-Märchen des FK Rostow

Bayerns Gegner im Porträt
Bayerns Gegner im Porträt
München. Rostock? Rostow! FK Rostow. Der Auftaktgegner von Bayern München in der Champions League ist ein unbeschriebenes Blatt - und für manchen ein "Mysterium".

Im vergangenen Mai kam der sensationelle Höhenflug des FK Rostow sogar der Fifa seltsam vor. Nach dem 3:1-Erfolg des Tabellen-Zweiten der russischen Premjer Liga bei Dynamo Moskau rückten mitten im Titelkampf die Dopingjäger des Weltverbandes in der Gästekabine an - und testeten alle Spieler aus der Startelf. Die Fifa hatte Hinweise auf kollektives Meldonium-Doping erhalten.

Russlands Sportminister Witali Mutko protestierte. "Die Geschichte über Doping beim FK Rostow ist ausgedacht", sagte er. Assistenzcoach Witali Kafanow meinte: "Wir haben ja noch nicht mal Geld für normale Medizin." Tatsächlich gab es bald Entwarnung, alle Tests waren negativ. Rostow ging unbelastet ins Meisterschaftsfinale, konnte ZSKA Moskau aber nicht mehr abfangen.

Tor zum Kaukasus

Die Vize-Meisterschaft ist neben dem Pokalsieg 2014 dennoch der größte Erfolg dieses Klubs, der zuvor weder als Traktor, Torpedo oder Rostselmasch größere Triumphe gefeiert hatte. Rostow am Don, das "Tor zum Kaukasus" rund 1100 km südlich von Moskau, war bislang tiefste Fußball-Provinz. Dennoch entschloss sich das WM-OK, die zehntgrößte Stadt des Landes (1,1 Millionen Einwohner) zum Spielort 2018 zu machen - inklusive Neubau der Rostow-Arena für 45.000 Zuschauer. Wohl auch wegen Hauptsponsor Ivan Savvidis.

Dem griechisch-russischen Unternehmer gehört nicht nur PAOK Saloniki, er war auch Präsident des FK Rostow. Savvidis ist Chef des größten russischen Tabakherstellers und zog für Putins "Vereinigtes Russland" zweimal in die Duma ein. Als Besitzer des Vereins, der "auch in Russland als Mysterium" gilt ("kicker"), firmiert jedoch die Regionalregierung.

Noch wird im wenig schmucken Olimp-2-Stadion vor bis zu 15.840 Fans gespielt - teils begeisternd. In der Qualifikation zur Champions League schaltete Rostow den RSC Anderlecht (2:2, 2:0) und Ajax Amsterdam (1:1, 4:1) aus. Der Lohn für den Neuling in der Königsklasse: Ein Gastspiel zum Auftakt in Gruppe D bei Mitfavorit Bayern München.

"Wir wollen die Großen ärgern", sagt Christian Noboa. Der Nationalspieler aus Ecuador ist Mittelfeldchef und war mit drei Treffern gefährlichster Schütze in der Quali. Daneben sind der iranische Stürmer Sardar Azmoun und die offensiven Russen Dimitri Poloz (beide zwei Treffer) sowie Aleksandr Jerochin zu beachten. "Viele glauben, dass Rostows Märchen auserzählt ist, aber wir wollen weitermachen", sagt ihr Teamkollege Igor Kirejew.

Trainer fehlte die Pro-Lizenz

Autor der sagenhaften Story ist Kurban Berdjew (64). Der Turkmene, 2008 und 2009 mit Rubin Kasan Meister, übernahm Rostow 2014 als Kellerkind und rettete es vor dem Abstieg, ehe der sensationelle Lauf einsetzte. Berdjew war nicht nur Trainer, sondern Scout, Cheforganisator und Ein-Mann-Marketingabteilung. Im Juni forderte er von der Klubführung strukturelle Verbesserungen, doch die sagte "njet". Berdjew warf hin, ist inzwischen aber als Vizepräsident wieder dabei.

Sein ehemaliger Assistent Dimitri Kiritschenko (39), der 2004 das schnellste Tor der EM-Geschichte schoss, hatte zwischenzeitlich übernommen, ihm fehlt aber die Pro-Lizenz. Am vergangenen Freitag wurde daher der zuvor gleichberechtigte Iwan Danilijanz zum Chef ernannt. "Wir gehen in jedes Spiel, als ob es das letzte wäre", sagte der 63-Jährige am Montagabend in München.

Das gilt aber offenbar nicht für alle Rostow-Profis. Noboa und César Navas sollen sich zuletzt wegen angeblich ausstehender Zahlungen geweigert haben, zu spielen. In Wahrheit, betonte Generaldirektor Wladimir Krupin, seien beide für die Bayern geschont worden.

(sid)
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