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Bayern-Gegner in der Champions League
Porto ist der Fußball-Primus der zweiten Reihe

Übersicht: Die teuersten Transfers des FC Porto
Übersicht: Die teuersten Transfers des FC Porto FOTO: dpa, es mr ks
Düsseldorf. Jedes Jahr aufs Neue begegnen die Gegner im Europapokal dem FC Porto mit Respekt, aber nie mit Ehrfurcht. Die Transferpolitik des Bayern-Gegners im Viertelfinale der Champions League sucht ihresgleichen. Von Jannik Sorgatz

Der Zettel mit dem Namen des FC Bayern München reihte sich an einer dankbaren Stelle ein. Paris Saint-Germain gegen den FC Barcelona, Atletico gegen Real Madrid: Die Viertelfinal-Auslosung der Champions League hatte mit Hochkarätern begonnen. Doch dann kam der FC Porto, gefolgt von den Bayern. "Es gibt sicher unangenehmere Gegner", war Philipp Lahms erste Reaktion. "Ich denke, es hätte schlimmer kommen können", meinte Thomas Müller. Und auch Manuel Neuer stellte sich nur unwesentlich geschickter dabei an, das Wort "Wunschlos" zu umgehen: "Jede Mannschaft, die noch dabei ist, ist eine klasse Mannschaft."

Dabei ist Porto der Primus der zweiten Reihe. Wenn jedes Jahr Ende August die Gruppenphase der Champions League ausgelost wird, tummeln sich in der Regel zwei Kaliber im ersten Topf: Weltklubs wie Barcelona, Real, Manchester, Chelsea, Bayern – und Porto. Am Mittwoch treten die Münchner bei einem Verein an, den es so in Europa kein zweites Mal gibt.

Man halte sich nur einmal folgende Fakten vor Augen: 20-mal Meister in 30 Jahren, neben Barcelona, Real und dem FC Sevilla als einziger Klub in diesem Jahrtausend mit drei Europacup-Titeln, ungeschlagen in der laufenden Champions-League-Saison (wie sonst nur Chelsea), ein Transferplus von 337 Millionen Euro seit 2004, ehemalige Heimat von James Rodriguez, Pepe, Hulk und natürlich Trainer Jose Mourinho. Das ist für einen Verein außerhalb der großen europäischen Ligen schlichtweg einzigartig.

Bayerns Viertelfinal-Gegner FC Porto im Porträt

Doch das Erfolgskonzept des FC Porto ist fragiler, als es den Anschein hat. Aufgrund der Standortnachteile in Portugal – schwache Wirtschaft, geringe Ticketerlöse, weniger Einnahmen durch TV-Rechte als ein Bundesliga-Absteiger – ist der Verein auf andere Geldquellen angewiesen. Üppige Transfers und die Prämien in der Champions League gleichen regelmäßig die Bilanz aus. Deshalb müssen die Verantwortlichen Jahr für Jahr abwägen, wie groß der personelle Aderlass ausfallen kann, ohne die sportlichen Ambitionen zu gefährden. Der brasilianische Nationalspieler Danilo wird der nächste Abgang, für 31,5 Millionen Euro wechselt er zu Real Madrid – nur die Porto-Spieler James, Falcao und Hulk waren teurer. Aus dem aktuellen Kader könnten Stürmer Jackson Martinez, Linksverteidiger Alex Sandro oder der Linksaußen Yacine Brahimi bald in ähnliche Sphären vorstoßen.

In der Transfer-Tabelle des vergangenen Jahrzehnts führt der Porto deutlich vor dem FC Santos (Brasilien) und Udinese Calcio (Italien). Wie viel vom überragenden Überschuss abgezogen werden muss, legt der börsennotierte Verein aber jedes Jahr in seinem Geschäftsbericht offen. Rekordverkauf James Rodriguez veranschaulicht das Prinzip: Die Ablöse für den Kolumbianer, der 2013 zum AS Monaco wechselte, wird auf 45 Millionen Euro taxiert. Davon sind aber Vermittlungsgebühren, Abschreibungskosten, Anteile Dritter und die sogenannten Solidaritätszahlungen an James' Ausbildungsvereine abzuziehen – blieben noch gut 25 Millionen.

Dass sie angesichts dieser Summen auf der Geschäftsstelle des FC Porto Schubkarren voll Geld spazieren fahren, ist eine Illusion. Oft besitzt der Verein nicht 100 Prozent der Transferrechte an einem Spieler. Das drückt den Gewinn beim stets einkalkulierten Weiterverkauf. Gleichzeitig kann sich der Verein auf diese Weise mehr Neuzugänge leisten. Das erhöht die Chance, in Südamerika, in Belgien oder bei einem kleinen Klub in Portugal – typische Spielerquellen der "Drachen" – den nächsten Star zu finden. Denn so hochwertig das Scouting auch sein mag, selbst Porto hat keine außerirdische Glücksgriff-Quote.

Das Bild vom Transfermarkt als Nahrungskette liegt nahe. Seit Jahren hat der FC Porto darin seinen festen Platz, mit geringen Aufstiegschancen und einem unwahrscheinlichen Niedergang. Lediglich das Financial Fairplay, mit dem die Uefa Einnahmen und Ausgaben der Klubs in Einklang bringen will, stellt indirekt eine Bedrohung dar – Oligarchen-Klubs ohne Geldsorgen sind häufig Abnehmer der Porto-Stars. Das bitter benötigte Champions-League-Ticket ist in der Regel ungefährdet. Dass ab der Saison 2015/2016 noch mehr Geld ausgeschüttet wird, kommt besonders Porto zugute. Für das diesjährige Abschneiden hätte es nach dem neuen Prämienkatalog bisher 30 statt 20 Millionen Euro gegeben. In der Währung des FC Porto sind das zwei, drei neue Talente – und im besten Fall ein Multi-Millionen-Transfer in der Zukunft.

Quelle: RP
 
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