Werders Gegner in der Champions League: Inter Mailand ändert seinen Stil
VON JULIUS MÜLLER-MEININGEN - zuletzt aktualisiert: 29.09.2010 - 14:36Mailand (RP). Der eher unscheinbare Rafael Benitez hat eine Eigenart. Er schwitzt nach Spielen seiner Mannschaft enorm, auch wenn er in seinem weiten Anzug meist ruhig auf seinem Platz an der Bank gesessen ist und nur ab und zu Kommandos gegeben hat.
Bei Pressekonferenzen nach dem Spiel kommt Inter Mailands Pressesprecher die undankbare Aufgabe zu, Benitez' feuchtes Frottee-Handtuch zu verwahren. Am Samstagabend im römischen Olympiastadion tropfte dem 50-jährigen Spanier besonders viel Schweiß von der Stirn. Der Tabellenführer unterlag mit 0:1 beim AS Rom und kassierte die erste Saisonniederlage. Eigentlich kein Drama. Aber vor dem Champions-League-Spiel heute gegen Werder Bremen haben sich die ersten schwereren Risse in der Siegermannschaft der Vorsaison aufgetan.
Eto'o blüht auf
Während der Vollblutstürmer Samuel Eto'o unter Benitez' Vorgänger Jose Mourinho zu einer Art Außenverteidiger umfunktioniert worden war, setzt der aus Liverpool in die Lombardei gewechselte Coach den Kameruner wieder als Angreifer ein. Das funktionierte bisher ausgezeichnet. Eto'o hat nach fünf Serie-A-Spieltagen bereits die Hälfte seiner Treffer aus der gesamten Vorsaison erreicht. Die logische Folge seiner wiedergefundenen Torgefährlichkeit ist, dass ihm weniger Zeit für Defensivaufgaben bleibt. Es wirkt ein wenig so, als habe der 29-Jährige Weltklassestürmer und viermalige Champions-League-Sieger enormen Nachholbedarf im Toreschießen. Im vergangenen Jahr wurde der Defensivgeist zwar mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League belohnt. Nun widmet sich Eto'o mit Erlaubnis des Trainers endlich wieder seinem Kerngeschäft. Nicht allen in der Mannschaft gefällt dies so sehr wie ihm selbst.
Wesley Sneijder, Diego Milito, Goran Pandev und Eto'o harmonieren längst nicht mehr wie im Vorjahr. Damals stürmten bei Ballverlust sofort neun Spieler hinter den Ball, um anschließend mit blitzschnellen Kontern vors Tor des Gegners zu gelangen. Heute tun sich immer wieder große Löcher im Inter-Mittelfeld auf, durch die dann vor allem die Defensivabteilung in Bedrängnis gerät.
"Rafa" Benitez weiß, dass seine Mannschaft zwischen alten Reflexen und seinen neuen Vorstellungen noch in der Luft hängt. "Geduld" fordert er seit Saisonbeginn. Die Aufgabe des Trainers besteht nun darin, das unter Mourinho eingeübte Konterspiel mit dem aggressiven, offensiven Benitez-Stil zu verbinden. Seine Spieler, die sich offenbar mit der milden Art des neuen Übungsleiters schwer tun, folgen ihm nicht immer. Die Leistungsträger der Vorsaison wirken müde.
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