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Fan-Ausschreitungen
Warschau dementiert antisemitische Sprechchöre

CL 16/17: Legia-Hooligans versuchen BVB-Fanblock zu stürmen
CL 16/17: Legia-Hooligans versuchen BVB-Fanblock zu stürmen FOTO: Screenshot ZDF
Warschau. Hässliche Szenen haben das Duell zwischen Legia Warschau und Borussia Dortmund überschattet. In einer Mitteilung weist Warschau die Vorwürfe zurück, beim Champions-League-Spiel sei es zu antisemitischen Gesängen gekommen. Unstrittig sind dagegen Hooligan-Angriffe auf Dortmund-Fans. Von Phillip Oldenburg

In der 35. Minute versuchten maskierte Legia-Hooligans, in den BVB-Fanblock einzudringen. Als Sicherheitskräfte einschreiten wollten, attackierten die polnischen Hooligans die Ordner mit Pfefferspray. Erst die Polizei konnte mit großer Mannschaftsstärke die Chaoten zurückdrängen und den BVB-Block sichern.

Darüber hinaus sollen die Legia-Hooligans die Dortmunder Anhänger mit Gesängen provoziert haben – unter anderem auch mit rassistischen Sprechchören.

In einer schriftlichen Stellungnahme dementierten die Verantwortlichen von Legia Warschau nun, dass dieser Gesang einen rassistischen oder antisemitischen Hintergrund hatte. 

"Die Medienberichte, laut denen die Fans von Legia auf den Rängen 'Jude, Jude, BVB' skandiert hätten, entsprechen nicht der Wahrheit. Stattdessen sangen die Zuschauer 'Nutte, Nutte, BVB'", hieß es in der Stellungnahme des Klubs. Zudem kündigte Legia Konsequenzen gegen diejenigen an, "die an dem Verstoß gegen die öffentliche Ordnung auf der Westtribüne und im Gästeblock beteiligt waren". Sie würden "die gesetzlichen Konsequenzen tragen".

Durch die Ausschreitungen bewahrheiteten sich die Befürchtungen der Borussia, die ihre Anhänger im Vorfeld eindringlich vor den Legia-Fans gewarnt hatte. "Die aktive Fanszene von Legia Warschau ist leider dafür bekannt, sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen ein höheres Gewaltpotenzial zu zeigen, als andere Fanszenen. Erfahrungen aus der Vergangenheit bestätigen dieses Bild", hieß es in einer Mitteilung, die der Klub vor dem Duell mit den Polen herausgab.

Der polnische Doublegewinner entschuldigte sich bei allen Fans des BVB: "Wir möchten uns von ganzem Herzen bei sowohl den Deutschen als auch den polnischen Fans von Borussia Dortmund entschuldigen, die sich durch die Gesänge angegriffen fühlen."

Schon vor Anpfiff hatten die Legia-Fans Bengalos gezündet und mit einer Pyro-Choreografie für Aufsehen gesorgt. 

Der Erklärungsversuch und die Entschuldigung dürften vor allem darauf zielen, die Uefa zu besänftigen. Die Sanktionen des europäischen Fußballverbands für antisemitische Gesänge fielen in der Vergangenheit drastisch aus und reichten von hohen Geldstrafen bis hin zu Geisterspielen.

Ähnliches droht nun Legia. Der polnische Meister musste in der Vergangenheit für das Verhalten der Fans schon häufig Strafen bezahlen, mal war der Einsatz von Pyro-Technik der Grund, mal waren es rassistische Äußerungen. Vergangenes Jahr musste der Klub deshalb zwei Europa-League-Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten. 

(old)
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