| 09.51 Uhr

Borussia Dortmund
Reus zündet beim BVB die nächste Stufe

Reus feiert Comeback mit Dreierpack
Reus feiert Comeback mit Dreierpack FOTO: rtr, MDA
Dortmund. Marco Reus hat die Versprechen seines Trainers erfüllt. Sein Comeback nach über einem halben Jahr Verletzungspause zeigt, was Dortmund noch gefehlt hat und wovor sich die Bayern fürchten müssen.

Eigentlich ist die Frage ja verpönt, doch nach seinem Gala-Comeback beim Dortmunder 8:4 gegen Legia Warschau kamen die Journalisten nicht umhin, sich nach dem Befinden des prächtig genesenen Patienten zu erkundigen. Der antwortete vermutlich wahrheitsgemäß und gewohnt nüchtern: "So stellt man sich einen Einstand nach so langer Zeit natürlich vor." Es brauchte schon ein wenig Vorstellungsvermögen, um ein Lächelns zu erkennen, das dabei über sein Gesicht huschte. Es wirkt stets so, als würde ihm die Situation vor der Kamera nicht sonderlich behagen. Der vor Esprit und Spielwitz sprühende Fußballer Marco Reus teilt mit Marco Reus scheinbar nur äußerliche Gemeinsamkeiten. Auf dem Rasen eine legale Pyroshow, am Spielfeldrand eher ein Tischfeuerwerk.

Einer, der seine Emotionen etwas offener nach außen trägt, ist für gewöhnlich Thomas Tuchel. Nach einem in vielerlei Hinsicht kuriosen Abend kam der aus dem Lachen zunächt gar nicht mehr heraus und verzichtete auf tiefschürfende taktische Analysen des Dargebotenen. "Ich tue mich schwer mit einer sachlichen Analyse. Diese Partie ist auf den ersten Blick schwer zu beurteilen", sagte Tuchel auf das Ergebnis angesprochen. Er habe nicht damit gerechnet, vier Gegentreffer zu kassieren.

Stattdessen widmete sich der Dortmunder Trainer lieber seinem Lieblingsschüler in dieser Champions-League-Nacht: "Das war eine fantastische Leistung, die seine Qualität unterstreicht, die uns seit Monaten gefehlt hat." Adressiert war die Lobeshymne natürlich an Marco Reus.

Dass der Nationalspieler gleich zwei Tore beisteuerte (die Uefa wertete Dortmunds letzten Treffer als Eigentor), war angesichts des Eishockey-Ergebnisses gar nicht mal vordergründig. Viel bedeutender scheint, dass der 27-Jährige ein Versprechen seines Trainers beinahe übererfüllte. "Er ist in einer Topverfassung und auf bemerkenswertem spielerischen Niveau", hatte Tuchel schon vor wenigen Tagen angekündigt. Kurz nachdem sich das Comeback des Spielers einmal mehr verschoben hatte, der selbst im schwarz-gelben Ensemble der Hochveranlagten eine Ausnahmestellung innehat. Es sei ein Genuss, ihn im Training zu sehen, schwärmte Tuchel gar. Da in den Genuss der für gewöhnlich nicht öffentlichen Trainingseinheiten bei Borussia Dortmund nur Eingeweihte kommen, durften die 55.094 Zuschauer im Stadion also doppelt gespannt sein.

Als würde es den Rekonvaleszenten zusätzlich stärken, hatte sein Trainer Reus nicht nur von Beginn an spielen lassen, sondern zudem die Kapitänsbinde umgebunden. Und der gebürtige Dortmunder spielte in seinem Wohnzimmer tatsächlich, als wäre er nie weggewesen, die spielerische und auch körperliche Präsenz nach 185 Tagen Verletungspause waren in der Tat bemerkenswert. "Heute hat man gesehen, was er alles drauf hat", fiel Mitspieler Sebastian Rode auf. 

Gerade nach dem Prestigeerfolg gegen den FC Bayern in der Liga sieht es aus, als könne Borussia Dortmund mit dem Raketenstart von Marco Reus die nächste Stufe zünden. Tuchel will gar nicht leugnen, welche Schlüsselfigur dem Dortmunder Spiel ein halbes Jahr lang gefehlt hat. "Diese Qualität hat uns seit Monaten gefehlt. Marco wurde schmerzlich vermisst." Nach seiner Gala gegen Legia Warschau wissen nicht nur Borussen, was sie an ihm haben. Reus ist nämlich einer der Besten vor der Kamera – wenn diese aufs Spielfeld gerichtet ist.

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