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  Foto: afp, PATRIK STOLLARZ

Champions-League-Coup gegen Chelsea: Mut zum Risiko – Dutt belohnt sich selbst

zuletzt aktualisiert: 24.11.2011 - 16:34

Leverkusen (RPO). Nach dem Coup in der Champions League gegen den FC Chelsea und der vorzeitigen Qualifikation für das Achtelfinale will Bayer Leverkusen nun auch in der Bundesliga durchstarten. Trainer Robin Dutt gewinnt derweil nach einem schwiergen Start bei der Werkself an Profil.

Aus den Boxen dröhnte der Kulthit "I will survive", Robin Dutt vollführte dazu an der Seitenlinie völlig losgelöst einen Veitstanz, und Jubilar Michael Ballack machte mit seinen Kollegen vor der Fankurve die Humba.

Kurz zuvor hatte Manuel Friedrich mit seinem Kopfballtreffer in der letzten Sekunde zum 2:1 (0:0) für Bayer Leverkusen gegen den Topfavoriten FC Chelsea den vorzeitigen Einzug des deutschen Vizemeisters ins Achtelfinale der Champions League perfekt gemacht und die BayArena zum Beben gebracht.

"Nach dem Gegentor hat man gesehen, was in dieser Mannschaft steckt, wie viel Talent da schlummert. Wir haben verdient gewonnen, weil wir viel mehr Leidenschaft als Chelsea an den Tag gelegt haben", sagte Michael Ballack nach seinem 100. Europacupspiel, in dem er seine Mannschaft von Beginn an nach vorne getrieben hatte.

Info

20 Millionen Euro sicher

Der deutsche Fußball-Vizemeister Bayer Leverkusen hat nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League bereits rund 20 Millionen Euro sicher. Der deutsche Rekordmeister Bayern München, der sich ebenfalls vorzeitig die nächste Runde erreicht hatte, darf sich sogar schon über rund 23,5 Millionen Euro freuen, da das Münchner Stadion doppelt so viele Zuschauer wie das Leverkusener fasst.

Nach dem Abpfiff nahm Ballack dann kurz seinen Coach in den Arm, demonstrierte nach dem Holperstart Einigkeit mit dem Heynckes-Nachfolger, der vor einigen Wochen noch schwer in der Kritik gestanden hatte und nach dem Aufwärtstrend in der Bundesliga nun auch gegen Chelsea Lorbeeren erntete.

Für das Risiko belohnt worden

"Ich freue mich besonders für Robin Dutt. Er ist hohes Risiko gegangen und ist dafür belohnt worden", sagte Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der im Treppenhaus den Jubelsturm auf den Tribünen beim 2:1 mitbekommen hatte und erst im Fernsehen den Treffer von Friedrich (90.+1) sah. Das Tor bringt dem Klub Mehreinnahmen von rund fünf Millionen Euro.

Derweil durfte sich Dutt als heimlicher Gewinner feiern lassen, denn auch Sportchef Rudi Völler lobte den Mut des 41-Jährigen, der in der Schlussphase alles auf eine Karte gesetzt und in Andre Schürrle und Eren Derdiyok zwei weitere Stürmer für die beiden Abwehrspieler Dabiel Schwaab und Michal Kadlec gebracht hatte. Derdiyok egalisierte dann in der 73. Minute zunächst den 0:1-Rückstand durch Didier Drogba, ehe Friedrich das Stadion in ein Tollhaus verwandelte.

"Das Spiel hatte für uns Endspiel-Charakter. Da musst du auch mal besondere Entscheidungen treffen und Risiko gehen", sagte Dutt zu seinen Personalentscheidungen. Dass Bayer zum zweiten Mal ein Heimspiel in der Champions League drehte (gegen Valencia nach 0:1 noch 2:1) spräche für den Charakter der Mannschaft, betonte Dutt, und Ballack ergänzte: "Das war eine tolle Energieleistung und sollte der Mannschaft auch Auftrieb in der Bundesliga geben." Ballack hofft, dass sein Team dies bereits am Samstag bei Aufsteiger Hertha BSC Berlin unter Beweis stellt.

"Wollen jetzt in der Bundesliga nachlegen"

Und auch Dutt erhofft sich nach den jüngsten Erfolgen eine erfolgreiche und ruhige Adventszeit. "Wir wollen jetzt in der Bundesliga nachlegen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir nach der Winterpause noch einmal angreifen können."

An das Achtelfinale wollte der Bayer-Coach noch nicht denken, zunächst wolle man beim Gruppenfinale am 6. Dezember beim belgischen Meister KRC Genk die Tabellenführung erfolgreich verteidigen. "Es macht einen großen Unterschied, ob wir Erster oder Zweiter werden", sagte Dutt nach dem erstmaligen Einzug der Werkself ins Achtelfinale seit 2004 und fügte schmunzelnd hinzu: "Es ist ein tolles Gefühl, dass Bayer Leverkusen auch bei der nächsten Auslosung im Topf ist."

Dies sei keine Selbstverständlichkeit, betonte auch Völler: "Dass wir jetzt schon qualifiziert sind, damit war bei der Auslosung angesichts der schwierigen Gruppe nicht zu rechnen." Derweil verstand Chelsea-Coach Andre Villas-Boas auch angesichts des Eckenverhältnisses von 10:0 für die Gastgeber die Welt nicht mehr. "Leverkusen hat mit diesen drei Punkten das natürliche Kräfteverhältnis in unserer Gruppe auf den Kopf gestellt", sagte der Portugiese nach der Last-Minute-Pleite seiner Startruppe.

Quelle: sid

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