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Kampf um Stammplatz in der Nationalmannschaft
Mesut Özil muss Toni Kroos fürchten

Nationalmannschaft bei der WM: Mesut Özil muss Toni Kroos fürchten
Toni Kroos sammelt derzeit Argumente für einen Stammplatz bei der WM. FOTO: dpa, kne soe
London/Düsseldorf. Der 24-jährige Münchner sammelte als Kunstschütze und Stratege fleißig Argumente für sich im Kampf um eine tragende Rolle bei der Nationalmannschaft für die WM. Sein Konkurrent steckt dagegen im Leistungstief. Von Gianni Costa

Natürlich hat er die Häme frei Haus geliefert bekommen. Mesut Özil muss sich in diesen Tagen viel Spott auf der Insel anhören. Er ist schließlich im Londoner Stadtteil Ashburton Grove angetreten, um für Arsenal Großes zu leisten. Herausgekommen sind bislang nur eher durchwachsene Leistungen. Den Tiefpunkt hat er nun in der Champions League erlebt. 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern München. Einen Strafstoß verschossen. Und auch im Duell mit Nationalmannschaftskollegen Toni Kroos auf der Position des Spielgestalters überdeutlich den Kürzeren gezogen. "42,5 Millionen Pfund für einen Deutschen, der keinen Elfmeter schießen kann", ätzte die "Daily Mail" und spielte damit auf die Historie zwischen England und Deutschland an. "Özil ist nun einer von uns", stellte das Boulevardblatt ernüchtert fest.

"Er wird stärker zurückkommen"

Özil schweigt. Andere sind für ihn um eine Aufbereitung der Ereignisse bemüht. "Wir hatten eine richtig großartige Möglichkeit, in Führung zu gehen. Aber wenn man die nicht nutzt – gegen Bayern musst du eiskalt sein, sonst hast du keine Chance", bekundet Arsenal-Kapitän Per Mertesacker. "Dies soll aber kein Vorwurf an Mesut sein. Mesut wird sich umso mehr ärgern." Der Innenverteidiger ist freilich um das Seelenwohl seines Arbeitskollegen bemüht und sagt daher: "Wir haben schon während des Spiels versucht, auf Mesut einzuwirken, aber das war schwierig. In so einem großen Spiel so eine Chance zu vergeben, das nagt schon. Das hat man auch gemerkt. Wir müssen ihn schnell aufbauen. Er wird stärker zurückkommen. Wir brauchen ihn. Es ist schwer, 50 Spiele auf Topniveau zu spielen. Wir müssen ihn ermutigen." Andere waren auf dem Platz nicht so gnädig mit dem 25-Jährigen. Dem Franzosen Mathieu Flamini platzte noch auf dem Spielfeld der Kragen, als Özil allzu deprimiert über das Feld schlich – der Franzose forderte ihn wild gestikulierend zu mehr Einsatz auf.

Toni Kroos hatte derartige Aufforderungen seiner Mitspieler an diesem Abend nicht nötig. Denn der 24-Jährige bestimmte den Takt im Spiel des deutschen Rekordmeisters. Das lässt sich auch ganz eindrucksvoll mit einem statistischen Wert belegen: Am Ende der Partie war Kroos auf 172 Ballkontakte gekommen, dieser Wert wurde in der Champions League nur von dem Spanier Xavi (FC Barcelona) übertroffen.

Kroos der Torschütze zum 1:0, Kroos einer der Vorbereiter zum 2:0 von Thomas Müller – im direkten Vergleich mit Konkurrent Özil hat er eine eindrucksvolle Bewerbung um eine tragende Rolle bei der WM im Sommer in Brasilien abgegeben. Bislang galt Özil als aussichtsreichster Bewerber für die Planstelle im zentralen Mittelfeld. Doch nun ist da ein weiterer Kandidat, der mit Nachdruck in die Stammbesetzung des Nationalteams drängt.

Kroos nahm die Lobhudeleien fast schon ein wenig pikiert entgegen, zu wenig sieht er mitunter seine Leistungen beim FC Bayern gewürdigt. "Gute Leistungen habe ich die ganze Saison gezeigt", sagt er. "Manchmal werde ich hochgejubelt, manchmal muss ich lesen, ich sei in München auch entbehrlich. Ich konzentriere mich auf meine Leistungen und versuche, mich so wenig wie möglich von anderen Dingen beeinflussen zu lassen."

Bewerbung um neuen Vertrag

Dazu zählen offenbar auch seine nach wie vor ausstehenden Vertragsverhandlungen mit seinem Arbeitgeber. Kroos hatte vor einigen Wochen deutlich zu verstehen gegeben, sich nicht überbezahlt zu fühlen und sich daher nach Auslauf seines Vertrags 2015 ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Pep Guardiola hatte ihn zuletzt zweimal zuschauen lassen, nachdem Kroos verärgert über seine Auswechslung beim Sieg in Stuttgart seine Handschuhe vor die Trainerbank gefeuert hatte. Man habe sich mittlerweile ausgesprochen, ein gutes Gespräch sei das gewesen, erzählte Kroos.

"Ich habe ihm gratuliert zu seinem guten Spiel", sagte Präsident Uli Hoeneß nach dem obligatorischen Bankett im Festsaal des Hotels "The Landmark". "Über Verträge reden wir nicht heute Abend."

Kroos verdient dem Vernehmen nach bislang vier Millionen Euro im Jahr, er würde gerne sein Salär verdoppeln. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer hat er schon überzeugt: "Kroos hat verdient, auch beim Gehalt in dieser Klasse zu spielen."

Quelle: RP
 
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