Ehemaliger Bayer-Coach Toppmöller: "Ohne Ballack wird das nichts"
zuletzt aktualisiert: 14.02.2012 - 16:17Leverkusen (RP). Klaus Toppmöller ist der letzte Trainer, dem mit einer deutschen Mannschaft ein Sieg gegen den FC Barcelona gelang. Im September 2001 setzte sich Bayer Leverkusen unter seiner Regie mit 2:1 gegen die Katalanen durch. Die aktuelle Werkself hält Toppmöller für eine Wundertüte.
Herr Toppmöller, hat sich Robin Dutt in den vergangenen Tagen bei Ihnen gemeldet?
Klaus Toppmöller Nein. Ich glaube, er hat auch genug um die Ohren.
Sie hätten ihm aber verraten können, wie man als Trainer mit Bayer Leverkusen gegen den FC Barcelona gewinnt.
Toppmöller Das ist richtig. Und es war das letzte Mal, dass eine deutsche Mannschaft gegen Barça gewonnen hat.
Welche Erinnerungen haben Sie an den 2:1-Sieg vom September 2001?
Toppmöller Wir lagen zur Pause 0:1 zurück. Barcelona hatte 60 Prozent Ballbesitz. Da habe ich in Zoltan Sebescen einen Spieler aus der Viererkette geopfert und in Yildiray Bastürk einen zusätzlichen Mann fürs Mittelfeld gebracht. Danach hatten wir 60 Prozent Ballbesitz und haben das Spiel noch gedreht. Dieser Sieg gegen Barcelona war im Rückblick ein Schlüsselspiel.
Ein Schlüsselspiel wofür?
Toppmöller Na, wenn man Barcelona schlägt, braucht man auch in der Liga vor keinem Gegner Angst zu haben. Das haben die Jungs verinnerlicht.
... und sind in der Königsklasse mit diesem Selbstbewusstsein schließlich bis ins Finale gegen Real Madrid (1:2) marschiert. Auf dem Weg dorthin wurden Klubs wie Arsenal London, Juventus Turin, der FC Liverpool und Manchester United geschlagen.
Toppmöller All diese Spiele waren Highlights, die man nur einmal im Leben erlebt. Jede Runde brachte einen neuen Brocken, und wir haben sie alle rausgekegelt. Für mich war das damals ein Traum.
Nur für den Trainer oder auch für den Fußballfan Klaus Toppmöller?
Toppmöller Auch für den Fan. Natürlich. Ich hatte Gänsehaut, als die Fans an der Anfield Road "You'll never walk alone" anstimmten oder die Zuschauer in Manchester uns nach dem 2:2 für unsere Leistung applaudierten.
Die Fairness der Engländer begeistert Sie bis heute, oder?
Toppmöller Ja. Noch ein Beispiel. Am Tag, nachdem wir Liverpool im Viertelfinal-Rückspiel 4:2 besiegt und damit ausgeschaltet hatten, wollte ich mit meiner Frau nach Manchester fliegen, um den kommenden Gegner zu beobachten. Am Kölner Flughafen warteten Hunderte Liverpool-Fans auf ihren Rückflug, und ich dachte: "Jetzt kann es ungemütlich werden." Aber die Leute haben mir gratuliert und mich gebeten, jetzt aber auch ManU zu schlagen.
Sie waren auch Souvenirjäger.
Toppmöller Das stimmt. Das Barcelona-Trikot von Patrick Kluivert und das von Liverpools Michael Owen hängen heute bei mir in der Sportsbar.
Was war das Erfolgsgeheimnis des Leverkusener Teams von 2001/02?
Toppmöller Wir hatten die richtige Mischung in der Truppe. Und wir hatten ausnahmslos Jungs, die gute Fußballer waren. Bernd Schneider, Michael Ballack, Ulf Kirsten, Zé Roberto – das waren alles Spieler, die zu jedem Zeitpunkt eines Spiels ein Tor machen konnten.
Sie sind seit fast neun Jahren weg aus Leverkusen. Wie eng ist die Verbindung noch?
Toppmöller Sehr eng. Ich war Anfang November beim Spiel in Valencia dabei. Ansonsten gucke ich mir die Mannschaft öfter bei Auswärtsspielen in meiner Nähe an. Ab und zu telefoniere ich auch mit Rudi Völler, Wolfgang Holzhäuser oder Hans-Peter Lehnhoff.
Was trauen Sie Bayer gegen Barça zu?
Toppmöller Ich traue ihnen alles zu. Bayer 04 ist in dieser Saison eine Wundertüte – positiv wie negativ. An einem Schokoladentag können sie auch Barça schlagen.
Michael Ballack fällt verletzt aus. Wie wichtig wäre er in so einem Spiel für Leverkusen gewesen?
Toppmöller Michael kann in so einer Partie den Ausschlag geben. Er ist einer, der führen kann. Aber er bekommt nicht das notwendige Vertrauen. Dabei kann er kaum schlechter sein als die jüngeren Spieler. Ohne Ballack wird das für Leverkusen nichts in der Champions League. Als ich Trainer in Leverkusen war, habe ich mich immer mit ihm kurzgeschlossen: Was machen wir auf dem Platz, wenn dieses oder jenes passiert? Jens Nowotny war zwar der Kapitän, aber mit Michael habe ich vieles mal eben so besprochen.
Wir bewerten Sie die momentane Diskussion um seine Person?
Toppmöller Ein Fußballer mit seinen Verdiensten hat einen würdigen Abschied verdient. Der Verein hätte ihm einfach mehr die Stange halten müssen.
Ist für Sie noch einmal eine Rückkehr auf die Trainerbank denkbar?
Toppmöller Das kann schon passieren. Ich hatte erst letztens ein Angebot von Partizan Belgrad. Aber die wollten, dass ich ganz übersiedle. Im Sommer hätte ich nach China gehen können. Aber da wäre auch nur zwischen Weihnachten und Neujahr Heimaturlaub drin gewesen. Ich bin jetzt dreifacher Opa, da geht die Familie einfach vor. Entweder mache ich noch mal etwas als Nationaltrainer, wo ich wochenweise vor Ort bin, oder etwas in der Region.
Stefan Klüttermann führte das Gespräch.
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