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Champions League
Lok Leipzig neidisch auf verhassten Lokalrivalen RB

Hamburg - Leipzig: die Bilder des Spiels
Hamburg - Leipzig: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, dan hpl
Leipzig. Ausgerechnet für den verhassten Stadtrivalen RB Leipzig ertönt am Mittwoch die Champions-League-Hymne. Das Europacup-Comeback der Messestadt löst bei den Fans von Lok Leipzig zwiespältige Gefühle aus.

Es ist der 26. Oktober 1988, die Luft knistert förmlich vor Anspannung. 80.100 Leipziger Fans drängeln sich ins Zentralstadion. Sie wollen ihre Lok siegen sehen. Sie wollen aber auch Diego Maradona zaubern sehen. Gegen den SSC Neapel erkämpft sich der DDR-Klub aus der Messestadt ein 1:1, "auch wenn die neapolitanische Nationalspielergilde drohend wie der Vesuv wirkte", wie die Fußball-Woche in ihrem Spielbericht schrieb.

Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnt: Es war für lange Zeit das letzte Europapokalspiel in Leipzig. Erst 29 Jahre später bringt RB Leipzig mit seiner Champions-League-Premiere am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) gegen AS Monaco den internationalen Fußball zurück nach Sachsen. Aber freut sich darüber auch Regionalligist Lok Leipzig?

"Unsere Fans sind fußballbegeistert, viele werden sich die Spiele zumindest am Fernseher anschauen", sagte Lok-Präsident Thomas Löwe dem SID. Manche werden sich dem aber auch verweigern, die Rivalität zwischen den ungleichen Klubs ist groß.

"Wir haben es im Kampf um Sponsoren und Aufmerksamkeit schwerer"

Das 2009 aus dem Boden gestampfte und mit Red-Bull-Millionen hochgezüchtete Projekt RB hat Lok im Eiltempo die Vorherrschaft in der Stadt streitig gemacht. "Wir sind ins zweite Glied gerutscht", sagt Löwe: "Wir haben es durch RB im Kampf um Sponsoren und Aufmerksamkeit schwerer."

Bezeichnend dafür ist, dass Lok vor ein paar Tagen deutschlandweit in die Schlagzeilen geriet, weil der Verein seinen Spielern der E-Jugend das Einlaufen bei einem RB-Heimspiel verbot. Dass der Klub dafür gute Gründe hatte und sich vor der Absage bereits um eine Alternative kümmerte, ging im öffentlichen Aufschrei unter. "Wir wollten mit der Entscheidung keinen Hass schüren, noch nicht einmal eine Diskussion über RB anregen", sagt Löwe.

Bei aller Rivalität weiß der Lok-Boss, dass das Engagement des Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz auch positive Effekte hat: "Ohne RB wäre das Zentralstadion heute eine Ruine mitten in der Stadt." Bevor RasenBallsport vor acht Jahren das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost übernahm, gab es auch Gespräche mit Lok Leipzig über eine Übernahme. Doch die Ablehnung in der Fangemeinde war genauso eindeutig wie bei Chemie Leipzig.

Stattdessen kämpfte sich der Traditionsklub, der 1993/94 unter dem Namen VfB Leipzig in der Bundesliga spielte, nach der Insolvenz und dem Zwangsabstieg in die elfte Liga ohne Großsponsor wieder nach oben. Vom Profifußball ist Lok aber noch ein Stück entfernt, vom Europacup-Comeback ganz zu schweigen.

Ob einige Anhänger ihr damaliges Votum gegen den Red-Bull-Einstieg bereuen? Jetzt, da für RB Leipzig das Flutlicht angeht und die Champions-League-Hymne ertönt? "Bereuen nicht", sagt Vizepräsident Alexander Voigt, "aber vielleicht kommt bei dem ein oder anderen etwas Wehmut auf."

Vielleicht auch bei Heiko Scholz. Der heutige Lok-Trainer war im Hinspiel gegen Neapel der Sonderbewacher von Weltstar Maradona, und beim 0:2 im Rückspiel unterlief ihm ein Eigentor. "So kommt man auch in die Geschichtsbücher", scherzte Scholz im ZDF.

Scholz wird am Mittwoch als Zuschauer ins Stadion gehen und wohl live erleben, wie ihm Timo Werner oder ein anderer RB-Spieler als letzten Leipziger Europacup-Torschützen ablöst. Wie die Vergangenheit endgültig von der Gegenwart eingeholt wird.

(seeg/sid)
 
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