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Champions-League-Fluch
RB Salzburg: Dose leer

Fotos: Malmö FF wirft RB Salzburg raus
Fotos: Malmö FF wirft RB Salzburg raus FOTO: dpa, her sam
Düsseldorf. Zum achten Mal hintereinander verpasst Red Bull Salzburg den Einzug in die Champions League. Dabei befindet sich der österreichische Fußball generell im Aufschwung – vor allem dank der Nationalmannschaft. Von Martin Beils

Der österreichische Fußball erlebt ein Allzeit-Hoch, wie es im Börsenjargon heißt. In der gestern veröffentlichten Fifa-Rangliste der Nationalmannschaften steht das Team des Schweizer Trainers Marcel Koller auf dem 14. Platz. So hoch wie nie. Die Ex-Weltmeister Italien (16.) und Frankreich (23.) liegen deutlich hinter Austria. Und die Reise zur Europameisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich kann Österreich schon buchen. Nach sechs von zehn Partien der Qualifikation liegt das Team mit deutlichem Vorsprung vor Russland und Schweden an der Spitze seiner Gruppe.

Doch was ist mit dem Vereinsfußball? Während sich Rapid Wien ein bisschen überraschend gegen Ajax Amsterdam für die Play-off-Runde zur Champions League qualifizierte, pflegt Red Bull Salzburg die Tradition: Zum achten Mal hintereinander verpasste der vom Getränkehersteller Dietrich Mateschitz getragene Klub den Sprung in die Gruppenphase. Nach einem 2:0-Sieg im Hinspiel unterlagen die Salzburger im Rückspiel bei Malmö FF mit 0:3. Schon im vergangenen Jahr war RB an den Schweden gescheitert. Die größte Blamage war 2013 das Aus gegen den Luxemburger Klub F91 Düdelingen. Während Vorgängerklub Austria Salzburg 2004 einmal die Qualifikation für die Champions League schaffte, gelang der Sprung seit der Übernahme durch Red Bull ein Jahr später nicht mehr.

Mit einem Jahresetat von rund 63 Millionen Euro nehmen die Salzburger in Österreich eine Sonderstellung ein. Ihr Budget liegt damit fast doppelt so hoch wie das von Austria Wien, dem Zweiten in der Geldrangliste. In der deutschen Bundesliga würde der Klub allerdings damit nicht einmal einen Mittelfeldplatz belegen. Die reinen Finanzen verpflichten also nicht unbedingt zum Champions-League-Einzug, wohl aber das Selbstverständnis des Vereins, der in den zehn Red-Bull-Jahren sechsmal österreichischer Meister und viermal Zweiter war.

Doch dem Klub mangelt es an Kontinuität. Jahr für Jahr gibt es im Sommer einen Umbruch, Trainer kommen und gehen. Wenn es im Juli und August um den Einzug in die Champions League geht, hat sich das Team noch nicht gefunden. In der laufenden Transferperiode sind bereits zwölf Profis gekommen, elf verließen den Klub, sechs davon in Richtung des Schwestervereins Rasenballsport Leipzig, wo Mateschitz und General Manager Gerard Houllier offenbar künftig den Schwerpunkt der Red-Bull-Fußballaktivitäten setzen werden. Auch in der nationalen Liga kommen die Salzburger nicht in Gang. An den beiden ersten Spieltagen unterlagen sie beim SV Mattersburg und gegen Rapid Wien.

Als Trainer versuchten sich unter anderen Kurt Jara, Giovanni Trapattoni (im Duo mit Lothar Matthäus), Huub Stevens, Ricardo Moniz und Roger Schmidt. Dem jetzigen Leverkusener, der vor zwei Jahren von der Salzach an den Rhein wechselte, weinen manche noch eine Träne hinterher. "Wir müssen überlegen, wie wir vom Kinderfußball wieder zu dem Fußball zurückzukommen, den wir unter Roger Schmidt gelernt haben", sagte Abwehrspieler Martin Hinteregger nach der Niederlage in Malmö. Schmidts kürzlich installierter Nachnachfolger Peter Zeidler, ein 52 Jahre alter Schwabe, der zuvor beim RB-Ableger FC Liefering in der zweiten österreichischen Liga arbeitete, sagte: "Was heute passiert ist, können wir gar nicht richtig begreifen."

Quelle: RP
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