Pressestimmen zur Champions League: Super-Milan ist die Königsmannschaft Europas!
zuletzt aktualisiert: 12.04.2007 - 12:06Rom (RPO). Mit überschwänglichem Lob für den AC Mailand und beißendem Spott für Bayern München haben die italienischen Medien auf das 2:0 der Rossoneri beim deutschen Rekordmeister im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League reagiert.
Milan habe wie ein "wunderbares Orchester" gespielt, schrieb die Gazzetta dello Sport: "Bayern dagegen bot nur technische Mittelmäßigkeit." Für den Corriere dello Sport sind die Milan-Spieler schon jetzt "die Meister Europas".
Und La Stampa erinnert an die Bayern-Größen Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß "hinter dem Schreibtisch" - Stars, die dem FC Bayern 2007 auf dem Platz fehlen.
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Nach dem schmerzhaften Aufprall auf dem harten Boden der Realität suchten sie bei Bayern München wenigstens nicht nach irgendwelchen Ausreden. "Wir sind ausgeschieden, das ist ohne Frage eine Enttäuschung für uns. Man hat gesehen, dass Milan höchste technische und taktische Qualität besitzt. Die sind völlig verdient im Halbfinale", kommentierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit emotionsloser Stimme.
Die Hoffnungen des deutschen Rekordmeisters auf einen großen Coup in Europa erschienen mit einem Mal wie das Hirngespinst von Phantasten. Das glückliche 2:2 aus dem Hinspiel gaukelte dem FC Bayern eine Welt vor, in der er, derzeit, nichts zu suchen hat. "Ich glaube nicht", sagte Mannschaftskapitän Oliver Kahn, "dass Bayern auch nur im Ansatz international zweitklassig ist." Erstklassig sind die Münchner allerdings auch nicht. "Wir haben heute unsere Grenzen aufgezeigt bekommen", gab der Torhüter zu.
Seit dem Finalsieg 2001 unter Trainer Ottmar Hitzfeld ist der FC Bayern in der Champions League nicht weiter gekommen als bis ins Viertelfinale. Zum vierten Mal insgesamt, und wie im Vorjahr im Achtelfinale (1:1, 1:4), war es der AC Milan, der die Münchner in der K.o.-Runde eines europäischen Wettbewerbs besiegte. "Ich glaube nicht an einen Klassenunterschied", sagte auch Hitzfeld, für den 17-maligen italienischen Meister aber reichte es nicht. "Milan ist Weltklasse", entgegnete Vereinspräsident Franz Beckenbauer.
Die Münchner bekamen noch einmal vor Augen geführt, dass sie umgehend personelle "Defizite ausgleichen müssen", wie Manager Uli Hoeneß erklärte. Nach einem guten Beginn inklusive einer Großchance von Lukas Podolski (12.) zeigte Milan all die Mängel auf, die schon im Verlauf der Bundesliga-Saison bei den Münchnern erkennbar waren. Zu anfällig war etwa erneut die Hintermannschaft, wo Daniel van Buyten, zweifacher Torschütze im Hinspiel, bei den Treffern von Clarence Seedorf (27.) und Filippo Inzaghi (31.) Pate stand.
"Wir waren von der Qualität her nicht gut genug", sagte Mark van Bommel über den auffälligen Unterschied zwischen dem AC Mailand und dem FC Bayern. Das Problem ist auch längst erkannt: "Wir wissen, dass wir uns verstärken müssen", versicherte Trainer Hitzfeld. Doch mehr als Lippenbekenntnisse haben die Münchner augenblicklich nicht zu bieten. Gesucht wird Mister X, eine Art eierlegende Wollmilchsau, der vor allem den anhaltenden Mangel an Kreativität im Mittelfeld zu beheben hätte.
"Es wird schwierig werden, einen Spieler zu finden, der den Ansprüchen genügt", ahnt Beckenbauer und schlug spaßeshalber vor, doch mal bei Ronaldinho nachzufragen. "Wir führen Gespräche, damit wir am Ende des Tages auch die Leute kriegen, die wir haben wollen", versicherte Rummenigge. Doch das Scheitern in der Champions League und die ungewisse Perspektive des FC Bayern sind keine überzeugenden Argumente für Verhandlungen. "Wenn wir weitergekommen wären, wäre es leichter gewesen", gab Hoeneß zu.
Am Geld soll es nicht scheitern. Rund 34 Millionen Euro wird der FC Bayern in dieser Saison in der Champions League eingenommen haben. Und Beckenbauer erklärte in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichsrates auch nochmal: Der Vorstand darf erstens viel Geld ausgeben und zweitens gerne Owen Hargreaves verkaufen, wenn der die angeblich 25 bis 30 Millionen Ablöse von Manchester United auch in der Tat einbringt. "Es soll keine Notkäufe geben, sondern gezielte Einkäufe", mahnte der "Kaiser".
Doch welcher Spieler von der gewünschten Qualität sagt einem Klub zu, der noch nicht weiß, ob er auch im elften Jahr in Serie in der Champions League spielen darf? "Die Situation ist gefährlich", sagte Kahn über die Ausgangslage der Münchner, die sechs Spieltage vor dem Ende der Bundesliga nicht einmal auf dem Qualifikationsplatz für die Königsklasse stehen. Hitzfeld allerdings ist nicht bange. Er argumentiert: "Durch das Ausscheiden haben wir jetzt die größere Chance, Zweiter oder Dritter zu werden in der Bundesliga."
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