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Riesenparty in München: Über 25.000 Fans trösten die Bayern

zuletzt aktualisiert: 24.05.2010 - 12:48

München (RPO). Auf eine Feier hatten die Verlierer von Madrid nun gar keine Lust. Die große Enttäuschung stand Trainer und Mannschaft des FC Bayern München noch immer ins Gesicht geschrieben. Doch als zunächst der Autokorso durch die Innenstadt von immer mehr Menschen gesäumt wurde, als am Sonntagnachmittag schließlich wieder über 25.000 Anhänger auf dem Marienplatz in München Louis van Gaal und die Spieler bejubelten, hellten sich die Mienen etwas auf.

"Ich dachte, dass ich heute morgen tot war. Aber sie sind die Gladiolen. Unglaublich. Wir leben wieder", rief van Gaal vom Rathausbalkon. Zumindest einen kleinen Sieg gab es am Tag nach dem 0:2 (0:1) im Endspiel der Champions League gegen Inter Mailand doch zu feiern: Franck Ribery hat seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2015 verlängert, er bekommt dafür angeblich zehn Millionen Euro Jahresgehalt.

Tosender Beifall für Ribery

Tosend war der Jubel der Anhänger, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Ribery die frohe Botschaft verkündeten. "Gute Spieler müssen gut bezahlt werden", sagte Rummenigge, Ribery sei "einer der besten Spieler der Welt", und die Vertragsverlängerung "ein Zeichen für die großen Ziele des FC Bayern in den kommenden Jahren."

Dem erklärten Ziel waren die Münchner aber bereits am Samstag so nahe, dass die tiefe Enttäuschung über die vergebene Chance auch auf das historische Triple zunächst nicht weichen wollte. Zum Trost flüchtete sich Rummenigge in eine Vision: 2012 findet das Finale der Königsklasse in München statt, und schon beim Bankett nach dem Spiel rief er deshalb in den Saal: "Ich wünsche uns, dass wir spätestens 2012 noch einmal im Finale stehen und es dann packen." Am Tag danach ergänzte er, "wir werden alles tun", damit der FC Bayern bald wieder im Endspiel stehe, "und wir dann den Pokal auch mitbringen".

"Nicht mehr als eine Chance"

Auch der lange griesgrämig dreinblickende van Gaal wagte den Blick voraus. "Nächste Saison haben wir wieder eine Chance", rief er über den Marienplatz, schob freilich auch hinterher: "Nicht mehr als eine Chance." Ganz so einfach, wollte er damit sagen, ist die Sache dann doch nicht. "Es ist sehr schwierig, dieses Finale zu erreichen. Wir müssen das in der nächsten Saison bestätigen. Wir können auch in der Gruppenphase ausscheiden", hatte der Niederländer schon während des Banketts gewarnt. Er wusste genau: Schon in dieser Saison wäre es beinahe schiefgegangen.

In der Vorrunde der Champions League war der FC Bayern im vergangenen Herbst schon beinahe draußen, mit fünf Niederlagen und 13 Gegentoren aus zehn Spielen zog er trotzdem ins Finale ein. Dort wurde dann deutlich, dass der FC Bayern in zwei Welten spielte: Zum Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal hat es am Ende dicke gereicht für die Münchner, die Verantwortlichen wurden deshalb auch gar nicht müde davon, immer wieder zu betonen, wie toll das Jahr gewesen sei. "Diese grandiose Saison lassen wir uns nicht schlecht reden", sagte etwa Präsident Uli Hoeneß bei jeder Gelegenheit.

Zum Triple aber hat es nicht gereicht, und auch Hoeneß räumte ein wenig traurig ein: "So eine Chance kriegt man vielleicht lange nicht mehr." In Madrid hatten die Münchner aber eigentlich gar keine Chance. Dort waren am Samstagabend eine ausgezeichnete Defensive und konterstarke Angreifer mehr wert als Offensivgeist und Ballbesitz. Van Gaal betonte am Abend, in der Nacht und am Tag danach mehrfach, dass der von ihm geprägte Stil des FC Bayern "schwieriger" sei als zu verteidigen, er sagte aber auch: "Wir müssen dafür in einer sehr guten Verfassung sein, aber das waren wir nicht."

Zwischen Anpfiff und Abpfiff des Endspiels lagen 93:21 Minuten, 60:51 Minuten davon war der Ball im Besitz des FC Bayern - doch er wusste damit viel zu selten etwas anzufangen. 20 Sekunden nach der Pause hatte Thomas Müller den zwischenzeitlichen Ausgleich auf dem Fuß, ebenso Arjen Robben in der 65. Minute. Das war es dann aber schon. Den Münchnern fiel nichts ein. Bastian Schweinsteiger blieb den Beweis schuldig, ein legitimer Ersatz für Michael Ballack in der Nationalmannschaft zu sein, Arjen Robben wollte mit dem Kopf durch die Wand und scheiterte.

Inter Mailand, das den Europapokal der Landesmeister zum dritten Mal nach 1964 und 1965 und zugleich als erste italienische und sechste europäische Mannschaft das Triple gewann, hatte dagegen fast schon leichtes Spiel. Hinten hatte die Mannschaft von Trainer Jose Mourinho, der erst als zweiter Coach nach Ottmar Hitzfeld zwei verschiedenen Vereine zum Sieg in der Champions League führte, die Ruhe weg. Und vorne besaßen sie die überragenden Wesley Sneijder und Diego Milito: Der Argentinier traf zweimal (35./70.), zweimal war er der eiskalte Vollstrecker clever vorgetragener Konter.

"Inter war die bessere Mannschaft und hat verdient gewonnen", sagte "Kaiser" Franz Beckenbauer und sprach damit aus, was beinahe alle dachten - auch Rummenigge: "Es steht auch dem FC Bayern gut zu Gesicht eine Niederlage zu akzeptieren, wenn der Gegner einen Tick besser war." Einig waren sich die Beobachter auch, dass es mit dem gesperrten Ribery anders gelaufen wäre. "In so einem Spiel musst du den Franck dabei haben", sagte Präsident Hoeneß, "er fehlte an allen Ecken und Enden", sekundierte Beckenbauer. Das gab zähneknirschend schließlich auch Trainer van Gaal zu.

Um eine Alternative zu Ribery muss sich der FC Bayern nicht mehr bemühen, doch er hat offenbar Defizite, weshalb Sportdirektor Christian Nerlinger betont: "Wir werden uns weiter verstärken, und ich glaube, dass wir in der kommenden Saison den nächsten Schritt machen." Angeblich sind die Fühler nach Bundesliga-Torschützenkönig Edin Dzeko vom VfL Wolfsburg ausgestreckt, 40 Millionen würde der Transfer kosten. Das Geld wäre in Abwehrspieler vermutlich besser investiert.

Quelle: SID/chk

 
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