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Nur 21.000 Fans in der Champions League
Wolfsburg klagt über geringes Zuschauer-Interesse

Draxler erzielt erstes Tor für Wolfsburg
Draxler erzielt erstes Tor für Wolfsburg FOTO: dpa, pst jai
Wolfsburg. Stell Dir vor, der teuerste Einkauf der Klubgeschichte schießt seinen Arbeitgeber im ersten Champions-League-Spiel nach sechs Jahren zum Sieg, und nur wenige gehen hin. So geschehen beim VfL Wolfsburg gegen ZSKA Moskau.

Nach seinem Premieren-Tor zum 1:0-Sieg war 35-Millionen-Euro-Zugang Julian Draxler der gefeierte Held im Wölfe-Rudel, doch auf den Rängen herrschte Tristesse. Nur 21.126 Zuschauer boten eine unwürdige Kulisse für die Rückkehr des VfL Wolfsburg auf die Champions-League-Bühne nach sechs Jahren Pause. "Das war schade. Natürlich will man so ein Spiel vor ausverkauftem Haus erleben", sagte Draxler.

"Das hat die Mannschaft nicht verdient"

Manager Klaus Allofs reagiert zunächst mit Unverständnis. "Ich habe die Hymne gar nicht mitbekommen, weil ich erst einmal geguckt habe, wo die Leute sind", sagte Allofs nach dem 1:0 (1:0)-Sieg über den russischen Tabellenführer ZSKA Moskau zum Auftakt der Gruppe B. "Das war enttäuschend. Das hat die Mannschaft nicht verdient. Wir werden das angehen", versprach der Manager.

Deutsche Verhältnisse, 2015.(http://bit.ly/1Qh1xtR)

Posted by Herzrasen - So ist Fußball on  Mittwoch, 16. September 2015

Während die Liga-Spiele des Werks-Klub am Wochenende mit 30.000 Zuschauern in de Regel ausverkauft sind, bleibt der Europapokal in der Wochenmitte ein Problem. "Das war im letzten Jahr in der Europa League schon so", sagte Allofs. Offenbar bietet die 125.000-Einwohner-Gemeinde samt Umland nicht genug Fanpotenzial. "Vielleicht sollten wir die Leute zwangsverpflichten. Ich habe jedenfalls heute meine gesamte Familie mitgebracht", scherzte der Manager.

Ein möglicher Grund könnte auch der Schichtdienst bei VW sein. Aus diesem Grund war auch keines der Heimspiele in der vergangenen Europa-League-Saison ausverkauft. Die Auslastung des Stadions am Dienstag lag bei 76 Prozent – nur in Lissabon (gegen Astana, 50 Prozent) und in Istanbul (gegen Atletico Madrid, 64 Prozent) waren prozentual weniger Fans im Stadion als in Wolfsburg. Einzig in Eindhoven (gegen Manchester United) war das Stadion ausverkauft.

Hecking schmeckt Manchesters Niederlage nicht

Doch auch vor leeren Rängen zeigte der Pokalsieger eines seiner besseren Spiele der letzten Zeit und verbuchte einen wichtigen Punkt. Durch die überraschende Niederlage von Favorit Manchester United beim PSV Eindhoven ist die Gruppe ausgeglichener als zunächst angenommen. "Es ist mir gar nicht so recht, dass Manchester verloren hat. Ich denke, jetzt wird es bis zum letzten Spieltag spannend bleiben", sagte Trainer Dieter Hecking.

"Für uns war es ganz wichtig, dass wir mit einem Sieg gestartet sind", äußerte indes Draxler, der mit seinem genialen Auftritt in der 40. Minute die Entscheidung erzwang. Erst bediente der 21-Jährige Mitspieler Kruse, um dann dessen Flanke im Nachsetzen über die Linie zu bugsieren. "Es war gut, dass ich eine zweite Chance bekommen habe", sagte der 15-malige Nationalspieler, nachdem er zunächst per Kopfball gescheitert war.

Draxler hält dem Druck stand

Bei Draxler selbst und im ganzen Klub herrschte große Erleichterung. Nach dem Rekordtransfer von 35 Millionen Euro plus Zusatzzahlungen lastete ein großer Druck auf den Schultern des Ex-Schalkers. "Er hat gezeigt, warum wir ihn geholt haben und konnte schon gleich etwas zurückzahlen", sagte Hecking. Allofs war das schon wieder zu viel Personenkult: "Wir sollten jetzt nicht den Fehler begehen und alles auf Julian konzentrieren."

Hecking durfte sich als Vater des Erfolges fühlen. Der 51-Jährige wählte für seine Premiere in der Königsklasse ein gewagt offensives 4-1-4-1-System. Draxler und Kruse teilten sich dabei die Rolle im zentralen Mittelfeld, wichen auf die Flügel aus und mussten Luiz Gustavo als einzigen Sechser unterstützen. "Dafür, dass wir es vorher im Training nicht ein einziges Mal geübt haben, ist das ganz gut gelungen", äußerte Kruse und fühlte sich an der Seite seines neuen Nebenmannes pudelwohl: "Julian und ich haben gut harmoniert."

(sid)
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