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"Die Chance haben wir vergeigt"
Wölfe leiden nach Ronaldos Rache

Einzelkritik: Kruse mangelhaft, Arnold ungenügend
Einzelkritik: Kruse mangelhaft, Arnold ungenügend FOTO: dpa, jrp sam
Nach dem geplatzten Traum vom Champions-League-Halbfinale ist die Enttäuschung beim VfL Wolfsburg groß. Spiele wie gegen Real Madrid wird es für den Werksklub vorerst nicht geben.

Cristiano Ronaldo lächelte in jede Kamera und schwärmte von einer "magischen Nacht" und vor allem von sich selbst, als sich die Wolfsburger Spieler mit hängenden Köpfen am prächtig aufgelegten Superstar vorbeischlichen. In ihren Gesichtern war riesige Enttäuschung über die vielleicht zu leichtfertig verspielte Chance aufs historische Champions-League-Halbfinale abzulesen. Maximilian Arnold schossen bei Fragen der Journalisten sogar Tränen in die Augen. Ronaldos Rache wirkte noch lange nach.

"Alle Spieler sind natürlich mega enttäuscht. Wir werden jetzt zwei, drei Tage leiden und daran zu knabbern haben", sagte VfL-Manager Klaus Allofs nach dem 0:3 (0:2) im Viertelfinal-Rückspiel bei Real Madrid: "Aber dann müssen wir auch Selbstvertrauen daraus ziehen, dass wir eine Mannschaft wie Real Madrid zumindest an den Rand des Ausscheidens gebracht haben."

Auch Trainer Dieter Hecking war weit davon entfernt, seinen Spielern nach dem wohl größten Spiel der Klubgeschichte im Fußball-Tempel Bernabéu mit 76.684 frenetischen Fans irgendwelche Vorwürfe zu machen. "Die Mannschaft kann absolut mit erhobenem Haupt aus Madrid wegfliegen", sagte Hecking: "Sie ist in der Champions League über sich hinausgewachsen."

Die lustigsten Kleiderpannen der Sportler FOTO: Screenshot Twitter

Nur eben nicht im Rückspiel in Madrid. Anders als beim 2:0-Sieg im Hinspiel vor einer Woche leisteten sich die von der aufgeheizten Atmosphäre sichtlich eingeschüchterten Wolfsburger zu viele Fehler, die Madrid bitter bestrafte. Oder besser gesagt Ronaldo. Mit seinem Doppelschlag innerhalb von 86 Sekunden (16. und 17.) und einem Freistoßtreffer zum entscheidenden 3:0 (77.) rettete der dreimalige Weltfußballer die Königlichen vor einer Riesenblamage.

"Wir haben eine magische Nacht gebraucht - und das war eine", sagte Ronaldo nach seinen Treffern Nummer 14 bis 16 in der laufenden Champions-League-Saison: "Das Toreschießen liegt in meiner DNA." Weltmeister Toni Kroos attestierte seinem Teamkollegen "ein sehr gutes Spiel". Trainer Zinédine Zidane, der bei einem Viertelfinal-K.o. vielleicht seinen Job verloren hätte, geriet da schon mehr ins Schwärmen: "Cristiano ist der beste Spieler der Welt."

Pressestimmen: "Und wieder nervt Ronaldo" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Allerdings hatten es ihm die Wolfsburger auch zu leicht gemacht. Ronaldos ersten Treffer leitete Arnold mit einem kapitalen Fehler ein. Beim Kopfball zum 0:2 stand Luiz Gustavo zu weit weg von Ronaldo. Und beim Freistoßtreffer des Portugiesen flog der Ball durch die Mauer. "Vor dem 0:1 spiele ich einen Katastrophenball. So ging die Scheiße los", sagte ein sichtlich mitgenommener Arnold. Auch Weltmeister André Schürrle war kaum zu trösten: "So eine Chance bekommt man nicht so oft - und die haben wir leider vergeigt."

Die Enttäuschung war wohl auch deshalb so groß, weil durch die Bundesliga-Krise eine Champions-League-Qualifikation für die nächste Saison so gut wie ausgeschlossen ist. "Vielleicht bekommen wir ja eine Wild Card", scherzte Allofs, der seiner Mannschaft ein durchweg positives Champions-League-Zeugnis ausstellte: "Von zehn Spielen haben wir sieben gewonnen, das ist außergewöhnlich."

Doch nun wartet wieder der graue Ligaalltag. Nach den letzten sechs Auftritten in der Königsklasse konnte der VfL in der Bundesliga keinen Sieg einfahren. Diese Serie soll sich im Auswärtsspiel am Samstag bei Werder Bremen nicht fortsetzen. "Wir geben die Hoffnung, im nächsten Jahr international zu spielen, nicht auf", sagte Torhüter Benaglio: "Wir müssen den Kopf wieder hochnehmen und zusehen, dass wir in Bremen einen Dreier einfahren."

Möglicherweise muss der VfL gegen Bremen auf zwei Offensivspieler verzichten. Weltmeister Julian Draxler zog sich eine Muskelverletzung zu. Bei Bruno Henrique besteht nach einem Schlag ins Gesicht der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung.

(sid)
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