Schalkes Champions-League-Gegner FC Valencia: Weiße Taschentücher und ein Millionen-Loch
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 15.02.2011 - 16:50Düsseldorf (RPO). Der FC Schalke 04 und der FC Valencia haben einiges gemeinsam. Beide Klubs verfügen über emotionale Fans, Mannschaften, die den eigenen fußball-ästhetischen Ansprüchen nicht gerecht werden und über eine fragwürdige finanzielle Situation.
Wenn Zuschauer in Spanien weiße Taschentücher schwenken, bedeutet das Ärger und den Verantwortlichen droht eben jener. "Pañuelada" nennt der Spanier diese Art der Unmutsäußerung. Im ehrwürdigen Estadio Mestalla mit den steilen Tribünen ist diese Praxis gängiger als in allen anderen spanischen Arenen. Oft sind es die eigenen Spieler, die durch ihre uninspirierten Auftritte den Zorn der Massen auf sich ziehen. Oder eben der Trainer, der ja für die Spieler verantwortlich ist. Es kann aber auch den Schiedsrichter treffen – vor den kritischen Fans im Mestalla und ihren Taschentüchern ist eigentlich niemand sicher.
Finanzieller Größenwahn
Doch ein Blick in die Fan-Seele des FC Valencia macht diese ständige Unzufriedenheit erklärbar. Valencia ist die drittgrößte Stadt Spaniens und versucht, sich in vielerlei Hinsicht mit Madrid und Barcelona, den beiden Millionenstädten zu messen. Auf den Fußball übertragen heißt das, die Mannschaft soll aus klangvollen Spielernamen bestehen, die auf dem Rasen mindestens ebenso schön spielen wie Real und Barca und gerne auch genauso viel kosten dürfen wie die Dienste der Stars aus dem Bernabeu oder dem Camp Nou. Man könnte dies auch einfach Größenwahn nennen.
Denn in der Realität kämpft der FC Valencia nicht auf Augenhöhe mit den zwei Großen. Der Klub ist eben nur die Nummer drei in Spanien. Trotz großer sportlicher Erfolge wie das Erreichen des Endspiels um die Champions League (2000 und 2001), den Triumph im Uefa-Cup 2004 oder zwei errungener Meisterschaften (2002 und 2004) hinkt Valencia hinterher. Das hat auch finanzielle Gründe.
Vor der laufenden Spielzeit musste der Klub aus der finanziellen Not heraus die spanischen Weltmeister David Silva und David Villa zu Manchester City beziehungsweise zum FC Barcelona transferieren, um das Millionen-Loch zu stopfen, den unter anderem der ominöse Stadionneubau zu verantworten hat. Der Schuldenberg des Klubs soll trotz der Verkäufe der Stars für über 80 Millionen Euro immer noch in etwa 500 Millionen Euro betragen.
Das Fiasko Nou Mestalla
Geplant hatten die Klub-Bosse, das zentrumsnahe Gelände gewinnbringend zu veräußern, das alte Mestalla abreißen zu lassen und einen luxuriösen Wohnkomplex an gleicher Stelle entstehen zu lassen. Im Norden der Stadt sollte das Nou Mestalla entstehen, die neue 75.000 Zuschauer fassende Arena, an der zudem ein Hotel und ein Einkaufszentrum angeschlossen werden sollte. Doch die Immobilienkrise in Spanien verhinderte den Coup. Es wurde kein Käufer für das alte Vereinsgelände gefunden, Investoren für das neue Projekt sprangen wieder ab. Seit 2009 tut sich auf der Baustelle gar nichts mehr. Ob das 350-Millionen-Euro-Projekt, das bereits vor zwei Jahren bezugsfertig sein sollte, überhaupt noch einmal fertiggestellt wird, ist mehr als ungewiss.
Angesichts solcher finanzieller Probleme erscheint die Schalker Geldnot gar nicht mehr bedrohlich. Die Arena steht – und wenn nicht gerade Schneemassen Löcher in das Hightech-Dach reißen – kann sie auch bespielt werden, zudem verringert Felix Magath die Personalkosten durch seine eigentümliche Transferpolitik. Die Perspektive ist deutlich freundlicher als in Valencia.
Sportlich trifft Schalke auf einen unbequemen Gegner. Dem jungen Trainer Unai Emery ist es gelungen, trotz des personellen Aderlasses eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen, die zwar spielerisch nicht immer begeistert, aber immerhin für gute sportliche Ergebnisse sorgt.
Valencia zeichnet seine kalte Effizienz im Angriff ebenso aus wie das auch ohne die mittlerweile abgewanderten oder in Rente geschickten Chef-Treter vergangener Tage Carlos Marchena und Ruben Baraja starke Defensivverhalten. Die Nationalspieler Juan Manuel Mata, Joaquin und Pablo Hernandez sind jedoch die Leistungsträger des Teams. Im Heimspiel gegen Schalke (20.45 Uhr/Live-Ticker) stehen sie unter Druck. Bei einem schwachen Spiel gegen die Königsblauen drohen ihnen wieder die weißen Taschentücher von der Tribüne.
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