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Trainer von Real Madrid
Zidane gegen seinen Meister Ancelotti und die Kritiker

Zinédine Zidane gegen seinen Meister Carlo Ancelotti und die Kritiker
Carlo Ancelotti und sein damaliger Co-Trainer Zinédine Zidane (Archiv). FOTO: dpa, bc sam ase hak
München. Zinédine Zidane hat mit Real Madrid die Champions League gewonnen, wird bei Real Madrid aber mit Skepsis beäugt. Im Duell mit seinem Lehrmeister Carlo Ancelotti kann er die Zweifel beseitigen.

Carlo Ancelotti ist ein höflicher Mensch, doch das Lob des Italieners für seinen Schüler Zinédine Zidane hat nichts Floskelhaftes. "Zidane war für mich ein Schlüssel, um den Fußball neu zu verstehen", sagt der Trainer des deutschen Rekordmeisters Bayern München über seinen einstigen Lehrling, der am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) im direkten Duell im Viertelfinale der Champions League sein Meisterstück machen will.

Er habe "sehr viel von ihm gelernt", sagt Zidane über Ancelotti, dessen Blick auf den Fußball der dreimalige Weltkicker des Jahres in der ersten gemeinsamen Zeit bei Juventus Turin (1999-2001) geweitet hatte. 2014 gewann Zizou als Ancelottis Assistent bei Real Madrid die Champions League, 2016 wiederholte er den Triumph als Chef. "Ich habe immer gesagt, dass er alles hat, was man braucht, um ein großartiger Trainer zu sein. Und er ist schon jetzt einer", sagt Ancelotti.

Ancelotti schwärmt von Zidane

Bei den Königlichen wird Zidane jedoch noch immer mit einer gewissen Skepsis beäugt. Der allmächtige Präsident Florentino Pérez soll sich an dessen Nähe zu den Spielern stören - ein Umstand, der bei Real schon Ancelotti zum Verhängnis geworden war. Der verteidigt seinen ehemaligen Liebling. "Wenn er spricht, hören die Spieler zu", sagt er, und spielt damit auf die geradezu mystische Aura des einstigen Weltstars an. Weltmeister Toni Kroos lobt entsprechend die "positive Atmosphäre" unter Zidane: "Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten."

Die Kritiker aber fragen sich, wofür Zidane steht. Eine echte Spielidee ist schwer auszumachen, dazu fehlt taktische Flexibilität. Zidane mag mit Real vor dem ersten Meistertitel seit 2012 stehen, doch es ist ihm nicht gelungen, die Mannschaft von Superstar Cristiano Ronaldo zu emanzipieren.

Die Trainer von Real Madrid FOTO: dpa, jrp sam

Wird er mit der Kritik konfrontiert, gibt sich der 44-Jährige in der Regel höflich. Der Gentleman im Maßanzug spricht leise, wirkt fast verschüchtert, nie beleidigt. Auch an der Seitenlinie gehört er zu den ruhigeren Vertretern seiner Zunft. Nichts scheint mehr übrig von dem Heißsporn, der in seiner Spielerkarriere 14-mal vom Platz flog, wie nach seinem berühmten Kopfstoß im WM-Finale 2006.

Als er am vergangenen Freitag über seine Zukunft sprach, tat er das wie immer ruhig und unaufgeregt - und sorgte dennoch für eine "Bombe" (Marca). "Es ist überhaupt nicht sicher, dass ich im Amt bleibe", sagte der große Franzose, "ich kenne diesen Verein, ich weiß, was es bedeutet, Real Madrid zu trainieren - im Guten wie im Schlechten." Er spürt das Misstrauen, deshalb "rede ich immer nur über das nächste Spiel".

Das steht am Mittwoch in München an. Gegen den FC Bayern, gegen Ancelotti. "Ich habe Carlo viel zu verdanken", sagt Zidane, "aber jetzt wollen wir beide die Champions League gewinnen."

(sid)
 
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