Tese soll Podolski ersetzen: Chaos in Köln - Finke übergeht Solbakken
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2012 - 16:22Düsseldorf (RPO). Zwei Spiele, zwei Niederlagen, Lukas Podolski verletzt und einmal mehr die Angst vor dem nächsten Abstieg: In den ersten Wochen der Rückrunde rumort es schon wieder gewaltig beim 1. FC Köln. Und jetzt scheinen sich auch noch Sportdirektor Volker Finke und Trainer Stale Solbakken verkracht zu haben.
Auslöser des internen Streits ist der neue FC-Stürmer Chong Tese, der am vergangenen Montag vom VfL Bochum verpflichtet wurde. Bei den meisten Fans löste der Transfer des Nordkoreaners Kopfschütteln aus – und auch Solbakken war offenbar nicht einverstanden. "Ich kenne den Spieler nicht wirklich, da gibt es andere im Verein, die können da eher ein Urteil abgeben", sagte der Norweger gegenüber dem "Express" im Hinblick auf Tese, der den verletzten Nationalspieler Podolski in den kommenden Wochen ersetzen soll.
"Ich habe ihn nur auf DVD gesehen"
Bei dem Transfer wagte Finke einen Alleingang, erst am Freitag hörte Solbakken den Namen Tese in Verbindung mit dem 1. FC Köln zum ersten Mal – und soll nicht gerade erfreut reagiert haben. Solbakkens Kommentar zu seinem neuen Angreifer: "Ich habe ihn nur auf DVD gesehen und kann mich an sein WM-Tor gegen Brasilien erinnern. Es ist natürlich ein großer Sprung von der zweiten Liga in die Bundesliga." Euphorie hört sich anders an.
Während Finke beim Afrika-Cup Spieler für die Zukunft sichtete, arbeitete Solbakken eng mit dem Kölner SportsLab zusammen, in dem ein neuer Spieler für die Offensive gefunden werden sollte. Namen wie Eder (Coimbra) und Ivan Trickovski (APOEL Nikosia) geisterten tagelang am Geißbockheim herum, die Fans träumten sogar von einer Rückkehr von Patrick Helmes oder der Verpflichtung von Srdjan Lakic (beide VfL Wolfsburg). Mit dem Kauf von Tese, für den Köln rund 400.000 Euro an Bochum überwiesen haben soll, überraschte Finke nicht nur seinen Trainer, sondern auch die eigenen Anhänger. Die Fan-Foren waren nur Minuten nach Bekanntgabe des Transfers voll. Tenor: "Was soll das?"
Die emotionale Kölner Anhängerschaft hätte lieber gesehen, dass der FC einem seiner Sturm-Talente die Chance gibt, sich zu beweisen, anstatt einen mittelklassigen Zweitligastürmer zu verpflichten. Zudem glauben die Fans nicht, dass Tese sportlich gesehen besser ist als der zum SC Freiburg verkaufte Sebastian Freis.
Tese erzielte in Bochum zwar immerhin 14 Tore in 39 Spielen und war lange verletzt, ob er dem FC in der Bundesliga auf Anhieb aber weiterhelfen kann, ist fraglich. Und der Nordkoreaner, der bei der WM 2010 auf sich aufmerksam gemacht hatte, als er bei der Nationalhymne Nordkoreas vor dem Spiel gegen Brasilien viele Tränen vergoss, ist laut Finke als Ersatz für Podolski geholt worden und soll Köln schon am Sonntag in Kaiserslautern (17.30 Uhr/Live-Ticker) helfen.
Angst vor einem neuen Ishiaku
Dass der klamme FC kein Geld hatte, um einen Stürmer des Kalibers Lakic oder Helmes zu verpflichten, blenden die meisten Fans in der Diskussion um Tese fast gänzlich aus. Zudem haben die erfolgsentwöhnten Anhänger Angst vor einem neuen Rohrkrepierer wie Mannaseh Ishiaku, der in Köln ein fürstliches Gehalt verdiente und nie zur Stammelf gehörte. Eines haben die beiden Stürmer vor dem ersten Auftritt Teses im FC-Trikot jedenfalls gemeinsam: Tese erbt von Ishiaku die Rückennummer neun.
Finke hat sich mit seinem Alleingang selbst unter Druck gesetzt und das ohnehin schon angespannte Verhältnis zu Solbakken verschärft. Schon seit Monaten soll es zwischen Sportdirektor und Trainer Diskrepanzen geben, die neben den fehlenden Ergebnissen sicher nicht zum Erfolg beitragen. "Dass nach dem ganzen Chaos der letzten Wochen dieser Transfer so zustande gekommen ist, wundert mich nicht", sagte Podolski zu den Entwicklungen in Köln.
Die Dauer-Diskussionen, ob Podolski über den Sommer hinaus in Köln bleibt oder geht, das fehlende Geld für Solbakkens Wunschspieler und die Diskussionen um Solbakkens System – der FC ist auf bestem Weg, das ohnehin schon wackelige Gerüst der vergangenen Jahre zum Einsturz zu bringen und im Chaos zu versinken. Sollte Tese das Kölner Sturmproblem nicht beheben, wird am Ende entweder Finke oder Solbakken gehen müssen. Und das schwächste Glied in der Nahrungskette einer Bundesliga-Mannschaft ist meistens der Trainer.
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