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Der Deutsche beerbt Walter Schachner
Christoph Daum neuer Trainer bei Austria Wien
Wien (rpo). Der ukrainische Club Schachtjor Donezk und all die anderen Vereine zogen am Ende doch den Kürzeren: Austria Wien hat das Rennen um Christoph Daum gemacht. Österreichs Tabellenführer gab am Freitag überraschend die Verpflichtung des deutschen Trainers bekannt.

Daum wird Nachfolger von Walter Schachner, der nach dem Vormittagstraining beurlaubt worden war. Das meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA nach einer Bestätigung durch Austria-Sportdirektor Peter Svetits.

Christoph Daum versucht sein Glück also ab sofort bei Austria Wien und hat damit in Österreichs Fußball für einen "Knalleffekt" gesorgt. Der 48-Jährige wurde am Freitag als neuer Trainer des 21-maligen Meisters vorgestellt, wo er den österreichischen Ex-Nationalspieler Walter Schachner ablöste und schon am Sonntag gegen den Grazer AK auf der Bank sitzt.

"Wir haben uns nicht gegen Schachner, sondern für Daum entschieden. Ein Trainer seiner Klasse ist nicht lange auf dem Markt", begründete Austria-Sportdirektor Peter Svetits die spektakuläre und unerwartete Entwicklung beim Tabellenführer. Den Kontakt zu Daum hatte Svetits offenbar erst am vergangenen Dienstag in der Ukraine hergestellt hatte. Dort beobachtete der frühere Bundesliga-Coach, dessen Gerichtsverfahren wegen Kokain-Besitzes im Frühjahr gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt worden war, das Wiener Gastspiel im Uefa-Pokal bei Schachtjor Donezk (0:1/Hinspiel: 5:1). Nach Daums Angaben waren die Osteuropäer ebenfalls an ihm interessiert gewesen und sollen ihm auch ein Angebot über 3,2 Millionen Dollar pro Saison gemacht haben.

Austria soll wieder in die Champions League

Dass es trotz dieser astronomischen Summe nicht zu einem Engagement des im Spätsommer 2000 vorübergehend als Bundestrainer vorgesehenen Duisburgers langte, ist möglicherweise auch durch Daums Lebensgefährtin bedingt. "Was nützen mir Millionenberge, wenn ich in Donezk nicht leben kann", zitiert der Wiener Kurier Angelika Camm. Daum, der im vorigen Mai seinen Trainer-Posten bei Besiktas Istanbul aufgegeben hatte, soll die Austria in kürzester Zeit an die europäische Spitze heranführen. Klub-Mäzen und Liga-Boss Frank Stronach, dessen Autoteile-Unternehmen Magna weltweit 65.000 Mitarbeiter beschäftigt, macht denn auch aus seinen Erwartungen kein Hehl: "Austria sollte in der Champions League Stammgast im Viertelfinale werden."

Davon sind die "Veilchen" derzeit noch weit entfernt. Den letzte Titel holte der Klub 1994 beim 22. Pokalsieg der Vereinsgeschichte. Der 71-jährige Stronach ist im November 1999 bei der Austria eingestiegen und hat als Geldgeber das Sagen, obwohl er kein offizielles Amt im Klub bekleidet. Mit der Verpflichtung Daums sorgt die "graue Eminenz" auch für Zündstoff innerhalb der Liga. Denn sein Erzrivale Hannes Kartnig, Präsident von Sturm Graz, hatte ebenfalls verstärktes Interesse am Deutschen bekundet. Noch für Donnerstag hatte Kartnig, der auch Jürgen Röber und Frank Rijkaard auf seiner Liste hat, noch einen Termin mit Daum geplant. Der aber entschied sich noch vorher für die Austria.

Daum ist der insgesamt 16. deutsche Trainer in der österreichischen Bundesliga. Kürzlich hatte der FC Kärnten Rüdiger Abramczik verpflichtet. Zuletzt war Lothar Matthäus im Sommer bei Austrias Stadtrivalen Rapid entlassen worden. Seit Stronach das Ruder bei der Austria in der Hand hält, hat der klub sieben Trainer vorzeitig verschlissen. Schachner nutzte letztlich auch nicht, dass er mit nur einer Saisonniederlage den Klub an die Tabellenspitze geführt hat. "Ich bin menschlich und sportlich noch nie in meinem Leben so enttäuscvht worden", kommentierte der Ex-Profi seinen Rauswurf verbittert.

Vor Daum waren bereits drei andere deutsche Trainer bei Austria tätig. In der Saison 1994/95 hatte Egon Coordes das Kommando. Dann folgten in der Saison 1995/96 Horst Hrubesch und von April 1997 bis April 1998 Wolfgang Frank. Stronach gilt als Visionär, der "solange an einer Sache dranbleibt, bis ich am Ziel bin". Egal, ob mit oder ohne Daum.

Quelle: RPO Archiv
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