CL-Halbfinale: Real Madrid - Juventus Turin: Das Duell der Fußball-Philosophien
zuletzt aktualisiert: 06.05.2003 - 09:14Frankfurt/Madrid (rpo). Wie hat Real Madrid den 1:5-Schock gegen Mallorca verdaut? Die Antwort gibt der heutige "Fußball-Gipfel" in der Champions-League, wenn die Spanier im ersten Halbfinale auf Juventus Turin treffen. Ab 20.45 Uhr treffen zwei Fußball-Philosophien aufeinander.
Spanischer Angriffswirbel gegen italienischen Catenaccio - die Ballkünstler Madrids um Zinedine Zidane, Luis Figo und Ronaldo treffen auf die Defensivspezialisten des italienischen Rekordmeisters und sollen sich nach dem Willen von Juventus-Coach Marcello Lippi an der "Betonabwehr" Turins die Zähne ausbeißen.
"Real bereitet mir keine Sorgen. Kein echter Champion verliert zu Hause 1:5 gegen ein Team aus dem Tabellenmittelfeld. Das zeigt mir, dass da etwas schief läuft, denn ich kann mir noch nicht einmal vorstelllen, dass wir in einem Heimspiel 1:5 verlieren könnten", meinte der Trainer selbstbewusst und verhöhnte wie die spanische Presse (Marca: "Die Ballermänner entblößen das wahre Gesicht Reals") den Tabellenführer der Primera Division nach dessen Debakel am Wochenende gegen Real Mallorca.
Das große Selbstvertrauen Lippis kommt nicht von ungefähr, denn während Madrid in der heimischen Liga mit nur noch einem Punkt Vorsprung auf die Verfolger hart um den Titel kämpfen muss, steht "Juve" kurz vor dem Gewinn der 27. Meisterschaft. Dennoch sieht Lippi, der auf die gesperrten Edgar Davids, Paolo Montero und Alessio Tacchinardi verzichten muss, die zurückliegende Pleite der "Königlichen" auch als Gefahr. "Wir machen uns keine Illusionen. Am Dienstag wird Real alles dafür tun, um das letzte Spiel vergessen zu lassen", sagte der Coach.
"Gegen Turin wird alles anders"
Zumindest diese Einschätzung teilt auch Lippis spanischer Kollege Vicente Del Bosque. "Es war einfach ein schlechter Abend. Gegen Turin wird alles anders. Wir sind immer noch Spitzenreiter in der Liga und im Halbfinale der Champions League. Wir müssen uns wirklich nicht schämen", erklärte der Coach in seiner gewohnt phlegmatischen Art. Im Gegensatz zu Lippi fehlt Del Bosque nur der spanische Nationalstürmer Raul, der nach seiner Blinddarmoperation noch pausieren muss, aber schon im Viertelfinale bei Manchester United (3:4) kaum vermisst wurde.
Doch nicht nur die beiden Trainer fiebern der Partie entgegen, auch für Turins Stürmerstar Alessandro Del Piero ist die Begegnung mit Real ein besonderes Spiel. Der Nationalspieler will eine alte Rechnung begleichen, denn er trug schon vor fünf Jahren das Trikot von Juventus, als die "alte Dame" im Finale der "Königsklasse" 0:1 gegen Madrid unterlag; damaliger Real-Coach war Jupp Heynckes. "Ich kann mich noch genau daran erinnern. Die Niederlage war sehr schmerzhaft. Jetzt bin ich hungrig auf einen Erfolg", verdeutlichte der 28-Jährige.
Auch für Zidane ist die Partie eine Reise in die Vergangenheit, denn der Franzose stand damals noch in Diensten der Italiener, bevor er vor zwei Jahren als teuerster Spieler aller Zeiten für 76,1 Millionen Euro in die spanische Hauptstadt wechselte. Doch der Spielmacher will nichts von einem besonderen Spiel wissen: "Ich versuche es anzugehen, wie jede andere Partie. Ich denke nicht daran, gegen alte Freunde zu spielen, denn das würde mich stören. Ich werde vor dem Spiel kurz mit ihnen reden, aber nach dem Anpfiff werden sie mir keine Geschenke mehr machen und ich ihnen auch nicht."
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