Tod von Robert Enke jährt sich: Das Unvorstellbare wird wieder greifbar
zuletzt aktualisiert: 10.11.2011 - 11:14In ihren Gedanken sind sie vereint. Andreas Bergmann, der Trainer des VfL Bochum. Hanno Balitsch, der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen. Florian Fromlowitz, der Torhüter des MSV Duisburg. Das Leben hat sie auseinander getrieben. Weg von Hannover 96. Der Tod wird sie immer verbinden. Zumindest einmal im Jahr. Heute kommen die Erinnerungen zurück. An Robert Enke. An den 10. November 2009. An das Unvorstellbare.
An einem Bahnübergang hatte Enke damals Suizid begangen. Innerlich zerrissen, von Depressionen getrieben. Von dieser so tückischen Krankheit, die die Hürden des Alltags unüberwindbar erscheinen lässt. Als Enke ging, blieb Trauer.
Und Machtlosigkeit. Und Entsetzen. Es war die Zeit, in der die Fußball-Welt innehielt. Als alle Bewegungen ein wenig langsamer erschienen und nur die Tränen in hoher Geschwindigkeit an so mancher Wange herunter flossen.
Es herrschte Leere. Beim damaligen 96-Trainer Bergmann, der nach der Nachricht wie gelähmt durch seine Hamburger Wohnung taumelte. Bei Balitsch, der Enke in Hannovers Mannschaft mit am nächsten stand. Bei Fromlowitz, der zu Deutschlands damaliger Nummer Eins aufsah und es als eine Ehre empfand, mit ihm den Trainingsplatz zu teilen. Aber auch bei Millionen von Fans. Von Enkes familiärem und unmittelbarem Umfeld ganz zu schweigen.
Der Machismo regiert noch immer
Nur wenige Personen wussten von den Problemen des Torhüters. Er hatte Angst, sich zu öffnen. Angst, eine vermeintliche Schwäche zu zeigen. Der Machismo regiert die Branche noch immer. Doch er beginnt zu bröckeln. Langsam zwar, aber immerhin. Manch Profi, der unter ähnlichen Krankheitssymptomen leidet, hat sich offenbart. "Ich bin mir sicher, dass Roberts Tod etwas bewirkt hat. Ich halte es für Populismus, wenn behauptet wird, dass sich danach nichts geändert hat", sagt Jörg Neblung.
Der Berater stand Enke jahrelang als Freund zur Seite und hat nach dem Tod des Torhüters zahlreiche Veränderungen in der Sport-Szene wahrgenommen: "Man muss sich aber die Mühe machen und genau hinschauen. Es gibt inzwischen eine höhere, leider nicht messbare Sensibilität im Umgang mit diesen Problemen." Doch das Tempo des Alltags lässt sich kaum bremsen. Es muss weitergehen.
Zumindest am Donnerstag wird mancherorts ein wenig Ruhe einkehren. In Bochum, in Leverkusen, in Duisburg, in Hannover. "Gedanklich und emotional wird das sicher ein anderer Tag", sagt 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke. Er ist mit diesem Gefühl nicht allein.
Robert-Enke-Stiftung
Die Robert-Enke-Stiftung unterstützt Projekte, Maßnahmen und Einrichtungen, die über Herzkrankheiten von Kindern sowie Depressionskrankheiten aufklären und deren Erforschung oder Behandlung dienen. Vorstandsvorsitzende der Stiftung ist Teresa Enke, Witwe des 2009 verstorbenen und an Depression erkrankten Torhüters. Erklärtes Ziel ist es, die Akzeptanz der Depression in der Gesellschaft zu verbessern und depressiven Profisportlern zu helfen.
Die Robert-Enke-Stiftung wurde am 10. März 2010 gegründet. Das Startkapital in Höhe von 150.000 Euro wurde je zu einem Drittel vom DFB, der Deutschen Fußballliga (DFL) und Hannover 96 bereitgestellt. Im Jahr 2010 nahm die Stiftung etwa 850.000 Euro durch Spenden ein. 400.000 Euro davon trug der DFB aus den Einnahmen eines Benefizspiels der Nationalelf gegen Malta bei. Die Spieler und Trainer der Nationalelf spendeten nach der Weltmeisterschaft 2010 200.000 Euro - das entsprachtetwa der Höhe der WM-Prämie, die Robert Enke bekommen hätte.
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