| 18.03 Uhr

Fußball-Schiedsrichter Rudolf Kreitlein
Der Erfinder der Karten wird 90 Jahre alt

Diese Pfiffe schrieben Geschichte
Diese Pfiffe schrieben Geschichte FOTO: AFP
Stuttgart (RPO). Ohne ihn wäre heute sicher weniger Farbe im Spiel. In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Rudolf Kreitlein einer der renommiertesten Fußball-Schiedsrichter - national und international. Schon zu Lebzeiten unsterblich gemacht hat er sich freilich mit einem Geistesblitz: Der Franke Kreitlein, der am Samstag (14. November) seinen 90. Geburtstag feiert, erfand zusammen mit einem Engländer die Gelbe und die Rote Karte.

23. Juli 1966: Kreitlein leitet bei der Weltmeistertschaft in England das Viertelfinale im Londoner Wembley-Stadion zwischen den Gastgebern und Argentinien. In der 35. Minute spricht der deutsche Referee einen Platzverweis gegen den argentinischen Kapitän Antonio Rattin aus. Es kommt zu Tumulten, Rattin weigert sich zunächst, das Spielfeld zu verlassen. Erst nach einer zehnminütigen Unterbrechung geht er in Begleitung von Polizisten in die Kabine.

Auf der Rückfahrt vom Stadion ins Hotel kam Kreitlein und dem englischen Schiedsrichter-Betreuer Ken Aston eine historische Idee: Inspiriert von den zahlreichen roten Verkehrsampeln entwickelten sie "gelbe" und "rote" Karten als weltweit verständliche und eindeutige Symbole. Der Weltverband FIFA nahm den Vorschlag auf und führte die Karten bei der WM 1970 ein. Die erste Rote Karte bei einer WM sah aber erst 1974 der Chilene Caszely im Spiel gegen Deutschland.

Das Viertelfinale in Wembley gewannen die Engländer damals durch einen Treffer von Geoff Hurst (75.) mit 1:0. Kreitlein, dem vom späteren, legendären Endspiel-Schiedsrichter Gottfried Dienst (Schweiz) an der Linie assistiert wurde, beendete ein Jahr später, am 6. Dezember 1967, wegen des Erreichens der Altersgrenze seine internationalen Karriere. Noch einmal leitete er dabei ein Spiel der Engländer in Wembley, ein 2:2 gegen die damalige UdSSR.

Kreitlein wurde 1919 im fränkischen Fürth geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es ihn schließlich nach Stuttgart, dort lebt der gelernte Schneidermeister noch heute im Stadtteil Degerloch. Die WM 1966 blieb für den Mann, der wegen seines Berufes auch "das tapfere Schneiderlein" gerufen wurde, nicht der einzige Höhepunkt, im selben Jahr leitete er auch das Europapokal-Endspiel der Landesmeister zwischen Real Madrid und Partizan Belgrad (2:1).

Geschichte geschrieben aber hat Kreitlein am 23. Juli 1966.

(SID/can)
 
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