Dopingfahnder im Interview: "Der Fußball ist erst am Anfang"
VON GIANNI COSTA FÜHRTE DAS GESPRÄCH - zuletzt aktualisiert: 25.02.2009 - 18:06Düsseldorf (RPO). Die Hoffenheimer "Doping-Affäre" beschäftigt derzeit die Fußball-Bundesliga. Dopingfahnder Helmut Pabst spricht im Interview mit unserer Redaktion über unabhängige Kontrollen, hohe Kosten und strenge Regeln.
Herr Pabst, Sie gelten hier zu Lande als Doping-Fahnder Nummer eins. Was sagen Sie zu den Kontrollen in der Fußball-Bundesliga?
Pabst: Da kann ich ehrlich gesagt nicht viel zu sagen. Wir machen für den Deutschen Fußball Bund nur die Trainingskontrollen.
Und wer ist für die Prüfungen direkt nach Spielen zuständig?
Pabst: Das organisiert der DFB selbst.
Hört sich nicht besonders logisch an.
Pabst: In gewisser Weise kann man das so interpretieren. Dahinter steckt die Überzeugung, dass der Sport sich nicht selbst kontrollieren sollte. Man darf sich da aber nichts vormachen, es ist vor allem eine Geldfrage, ein unabhängiges Kontrollsystem kostet etwas. Ich bin aber ganz sicher, dass auch der DFB irgendwann umsteigen muss.
Andreas Ibertsberger und Christoph Janker, zwei Spieler von 1899 Hoffenheim, sind zehn Minuten zu spät bei einer Kontrolle erschienen und werden jetzt möglicherweise für ein Jahr gesperrt. Verhältnismäßig?
Pabst: Sie haben die Regeln gebrochen, dafür müssen sie sanktioniert werden. Man kann den Eindruck gewinnen, im Fußball sind bislang einige Dinge im Anti-Doping-Kampf nicht ganz so ernst genommen worden.
Kann man es denn einem Sportler nicht gestatten, sich kurz nach dem Spielende zu duschen oder wenigstens ein frisches T-Shirt anzuziehen?
Pabst: Natürlich kann man das, aber dann muss man einen Beobachter an seine Seite stellen, der ihn nicht mehr aus den Augen lässt. Geht er unter die Dusche, stellt sich der Aufpasser daneben. Sonst macht das ganze Kontrollsystem ja überhaupt keinen Sinn. Es reichen eben wenige Minuten aus, um Proben zu manipulieren. Deshalb gibt es ja so ein strenges Reglement.
In der Fußball-Doku "Deutschland ein Sommermärchen" gibt es eine Szene, da müht sich Oliver Neuville vergeblich eine Urinprobe abzugeben. Erst als der Kontrolleur aus dem Raum geht, funktioniert es.
Pabst: So etwas würde es bei einer von uns durchgeführten Kontrolle nicht geben. Das kann ich Ihnen garantieren. Wie gesagt, der Doping-Fahnder muss Sichtkontakt haben. Von der Brust bis zu den Knie muss der Getestete nackt sein. Ich kann mir auch eine angenehmere Situation vorstellen, aber anders geht es nun mal nicht.
Fehlt ein standardisiertes Testverfahren?
Pabst: Nein, denn das gibt es schon. Die Wada hat genau festgeschrieben, wie eine Kontrolle ablaufen muss. Wir müssen einfach mehr Aufklärungsarbeit leisten.
Der Fußball hinkt also hinterher?
Pabst: Der Fußball ist erst am Anfang. Das alles haben andere Sportarten wie die Leichtathletik und der Radsport schon erlebt. Heute sind viele Verfahren dort selbstverständlich und niemand beklagt sich.
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