Der Spielfilm zum DFB-Pokalfinale: Bayern erteilt Werder in Berlin eine Lektion
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 - 10:51Berlin (RPO). Die Spieler von Werder Bremen hatten sich für das Pokalfinale in Berlin viel vorgenommen, doch im Endspiel gegen Bayern München gingen die Norddeutschen, die sich zuvor noch auf Augenhöhe gewähnt hatten, sang- und klanglos mit 0:4 (0:1) unter. Das Pokalfinale im Spielfilm.
1. Minute: Das Spiel läuft. Die Fans beider Teams machen kräftig Lärm. Der Rahmen stimmt schon einmal, jetzt müssen die Hauptdarsteller nur noch mitmachen. Berlin erwartet ein Fußball-Fest.
3. Minute: Das geht ja gut los. Arjen Robben dribbelt vom rechten Flügel nach innen und zieht aus 25 Metern ab – Werder-Keeper Tim Wiese lenkt das Geschoss über die Latte. Guter Schuss des Niederländers, aber auch eine gute Parade des Nationaltorhüters.
4. Minute: Ecke. Der Ball landet auf dem Scheitel von Martin Demichelis, doch der Argentinier befördert das Spielgerät aus kurzer Distanz über die Latte. Starker Beginn der Bayern.
6. Minute: Die Bayern dominieren das Spiel, wirken aggressiver. Werder-Coach Thomas Schaaf steht von der Trainerbank auf und rüttelt sein Team mit lautstarken Korrekturen wach.
8. Minute: Mit Erolg. Claudio Pizarro tunnelt Daniel van Buyten im Strafraum, lässt Bastian Schweinsteiger ins Leere laufen, scheitert aber mit seinem Schuss aus sechs Metern an Bayern-Keeper Jörg Butt, der den Ball mit dem Fuß abwehren kann. Der Abpraller landet bei Torsten Frings, der direkt abzieht – Butt fliegt und wehrt erneut ab! Der Ball kommt zu Aaron Hunt, doch Holger Badstuber blockt dessen Versuch zur Ecke ab.
11. Minute: Zeit für ein Zeichen des "Agressive Leaders". Mark van Bommel grätscht Tim Borowski brutal von hinten um. Der Kapitän sieht Gelb und schimpft, obwohl er damit gut bedient war.
15. Minute: Werder macht die Räume eng und räumt defensiv konsequent ab. Den Bayern fällt nach der starken Anfangsphase trotz viel Ballbesitz wenig ein und die auf Konter lauernden Bremer wirken gefährlich. Ein gutes und spannendes Spiel.
18. Minute: Van Bommel prüft Wiese mit einem Flachschuss auf dem nassen Rasen, aber der Keeper ist blitzschnell unten und hat den Ball sicher.
19. Minute: Ivica Olic mit einem überflüssigen und harten Foul. Der Kroate sieht zurecht die Gelbe Karte.
24. Minute: Robben taucht plötzlich auf dem "falschen", dem linken, Flügel auf, überrennt die Abwehr und passt nach Zuspiel von Franck Ribery hart und flach in die Mitte. Dort lauern Olic und Thomas Müller, rutschen aber beide an der Flanke vorbei. Das hätte das 1:0 sein müssen.
27. Minute: Ballverlust Hunt und Bayern-Kapitän van Bommel schickt Ribery mit einem sehenswerten Pass auf die Reise. Werder-Keeper Wiese riskiert Kopf und Kragen, kommt aber vor dem Franzosen an den Ball und drischt ihn auf die Tribüne.
30. Minute: Die Bayern drücken auf das Tempo, werden immer stärker, drängen Werder weit in die eigene Hälfte. Dann geht es blitzschnell. Robben schickt Müller, der legt von der Torauslinie in die Mitte für den heranstürmenden Niederländer zurück, doch was ist das? Robben schlenzt den Ball aus 16 Metern über das Tor, Wiese hatte gegen Müller den Winkel verkürzt, das Tor war leer.. – eine Bayern-Führung liegt in der Berliner Abendluft.
34. Minute: Elfmeter für die Bayern nach einem Handspiel von Per Mertesacker. Olic hatte sich den Ball vorgelegt, der Bremer die Hand ausgefahren.
35. Minute: Das ist eine Sache für Robben, der Niederländer ist ein eiskalter Elfmeterschütze. Die Bremer hegen dennoch vorsichtigen Optimismus, schließlich ist Wiese ein ausgewiesener Elfmeter-Killer, parierte in den vergangenen zweieinhalb Jahren sieben von zehn Strafstößen. Robben läuft an und hämmert den Ball ins rechte Eck, Wiese war fast dran, bei diesem Schuss aber machtlos. 1:0 – die Bayern führen verdient.
43. Minute: Ribery ist links durch, narrt Philipp Bargfrede und Naldo und bedient in der Mitte den völlig freistehenden Müller, doch der Nationalspieler schießt überhastet am Tor vorbei. Bremen taumelt.
45. Minute: Mesut Özil mit einem feinem Zuspiel auf Hunt, der jedoch aus 16 Metern weit über das Tor schießt. Halbzeit. Bremen ist mit einem Gegentor gut bedient, hat aber noch immer die Möglichkeit auf den Triumph in der Hauptstadt.
46. Minute: Schaaf bringt zu Beginn des zweiten Durchgangs Almeida und der Portugiese braucht nur wenige Sekunden, um ins Spiel zu finden. Martin Demichelis verhindert gerade noch den Ausgleich.
48. Minute: Almeida! Nach Flanke von Borowski hält der bullige Stürmer den Fuß hin und setzt den Ball knapp neben den Pfosten. Fast der Ausgleich! Schaaf muss in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben.
49. Minute: Die Bayern haben sich neu sortiert. Robben umkurvt mehrere Bremer Slalomstangen, dann kommt Bargfrede – Robben fällt, Schiri Thorsten Kinhöfer lässt weiterspielen. Robben springt wutentbrannt auf, schimpft laut über diese Entscheidung. Zurecht, Bargfrede hatte sich im Duell nicht clever angestellt.
51. Minute: Tor! Olic lässt die Bayern jubeln. Wieder ist Mertesacker unglücklich am Gegentreffer beteiligt. Der Verteidiger köpft nach einer Robben-Ecke van Buyten an und Olic den Ball damit vor die Füße. Der Kroate schaltet schnell und stochert den Ball über die Linie. Die Entscheidung?
54. Minute: Die Bayern zaubern. Ribery spielt mit mehreren Gegenspielern Katz und Maus, Müller schafft es nicht, erfolgreich zu vollenden, Naldo klärt auf der Linie. Die Werder-Abwehr wird schwindelig gespielt, wirklich spannend ist es nicht mehr.
56. Minute: Frings senst Ribery brutal um, nachdem der Franzose aufreizend lässig seine technische Klasse gezeigt hatte. Die Konsequenz: Gelb für Frings.
63. Minute: Bayern seziert Werders Abwehr. Van Bommel überrumpelt die aufgerückte Viererkette mit einem Traumpass auf Ribery. Der Franzose läuft seinen Bewachern davon und auf Wiese zu. Wer einen Heber erwartet, wird enttäuscht. Ribery schiebt den Ball trocken am Schlussmann vorbei ins Netz. 3:0 – niemand zweifelt mehr am bayerischen Triumph in Berlin.
65. Minute: In den Münchner Jubel hinein köpft Pizarro fast das 1:3. Butt reagiert jedoch glänzend und bewahrt die Bayern vor dem Anschlusstreffer.
73. Minute: Ribery jongliert den Ball nach einem Flankenwechsel ein wenig, verhöhnt den geschlagenen Gegner in bester Mario-Basler-Manier. Die Bayern lassen den Ball durch die eigenen Reihen laufen, Bremen kommt minutenlang nicht an den Ball. Der Bayern-Anhang bejubelt jeden Ballkontakt frenetisch.
76. Minute: Frings hat genug, holt Schweinsteiger entnervt von den Beinen und bekommt zurecht die Gelb-Rote Karte. Der ausgemusterte Nationalspieler verliert die Nerven und verschwindet nach einem kurzen, aber heftigen Disput mit dem Unparteiischen in den Katakomben.
82. Minute: Ribery will noch mehr, wirbelt auf links und flankt auf den eingewechselten Klose, der mit einem sehenswerten Flug-Kopfball an Wiese scheitert. Starke Parade, den Nachschuss verstolpert der kriselnde Nationalstürmer kläglich. Der Ärger der Bayern hält sich dennoch in Grenzen.
83. Minute: Für Werder wird es richtig bitter. Lahm mit einem präzisen Zuspiel auf Schweinsteiger, der den Ball artistisch mit der Brust stoppt und direkt im Fallen mit dem Fuß zum 4:0 im Netz unterbringt. Wiese ist machtlos, Werder gedemütigt – der FC Bayern jubelt.
90. Minute: Kinhöfer pfeift pünktlich ab und erlöst ratlose Bremer. Der Rest ist rot-weißer Jubel im Berliner Olympiastadion mit überdimensionalen Biergläsern. Das kennt man spätestens seit vergangener Woche ja schon in der Hauptstadt. Louis van Gaal bleibt äüßerlich trocken, doch die Bayern feiern dennoch ausgelassen.
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