Windeck - Bayern 0:4: Bayern im Schongang weiter
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 16.08.2010 - 21:01Köln (RPO). Ohne jeden Glanz hat Titelverteidiger Bayern München im DFB-Pokal die 2. Hauptrunde erreicht. Der Rekord-Champion setzte sich beim Fünftligisten Germania Windeck mit 4:0 (2:0) durch, vier Tage vor dem Bundesliga-Auftakt gegen den VfL Wolfsburg war beim deutschen Fußball-Meister aber noch gehörig Sand im Getriebe.
Alexander Hettich steht in den Katakomben der Kölner Fußball-Arena und ist noch ein wenig außer Atem. Normalerweise macht er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei "Sport Hasellbach" in Waldbröl. An diesem Tag hat er "Sonderurlaub" bekommen.
Denn nebenbei spielt der Stürmer in der fünften Liga für Germania Windeck. "Für mich", sagt der 29-Jährige, "ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen. Die Bayern sind eine der besten Mannschaften überhaupt. Ich habe jeden Moment genossen. Es war ja von vornherein klar, dass wir gegen diese Truppe keine Chance haben."
Dafür hat sich der NRW-Ligist äußerst achtbar aus der Affäre gezogen. Denn am Ende zieht der deutsche Rekordmeister nur mit 4:0 in die zweite Runde des nationalen Pokalwettbewerbs ein. Bei Windeck hatte man die Begegnung zum "Jahrtausendspiel" erkoren.
Für die Bayern war es nur ein Pflichtprogramm. Dementsprechend gingen die Akteure nur mit mäßigem Engagement an ihr Tagewerk. "Wir haben es nicht geschafft, scharf zu sein", analysierte Trainer von Gaal hinterher. "Die Germania hat das wirklich gut gemacht. Mein Kompliment. Wenn es für uns richtig dumm gelaufen wäre, dann hätten wir uns hier auch ordentlich blamieren können."
So dramatisch war es vielleicht nicht. Wenngleich Windeck im ersten Durchgang gehörig Dampf machte. Offensivkraft Michael Kessel hatte die Chance zur Führung (22.), verlor aber vor Jörg Butt die Nerven und traf nur das Außennetz. Die Bayern begnügten sich auf eine kurzzeitige Erhöhung ihrer Bemühungen und gingen mit einem Doppelschlag durch Miroslav Klose (44.) und Franck Ribery (45. nach Zuspiel von Klose) mit 2:0 in Führung. "Ich war mit unserem Spiel überhaupt nicht zufrieden", stellte van Gaal fest. "So dürfen wir zum Bundesligastart am Freitag gegen Wolfsburg nicht auftreten."
Daran änderte auch nichts der Auftritt in Halbzeit zwei. Toni Kroos (84.) mit einem sehenswerten Volleyschuss und Mario Gomez (85.) steuerten persönliche Erfolgserlebnisse bei. Mehr als Schonkost lieferte das hochdekorierte Team aus München indes nicht ab. Die Zuschauer quittierten die Vorstellung mit einem anhaltenden Pfeifkonzert.
Germania-Präsident Heinz Georg Willmeroth war das alles ganz egal. "Es ist doch für uns eigentlich alles perfekt gelaufen. Wir haben uns anständig verkauft und obendrein einiges in die Klubkasse reinbekommen", sagt der 62-Jährige. Rund eine Million Euro soll durch die Partie in die Kasse des Vereins gespült werden.
Dazu hat der Klub sich noch einen Rekord gesichert – 41.100 Zuschauer, so viele Fans waren noch nie bei einem Duell zwischen einem Amateurverein und einem Bundesligisten. "Für uns war das hier alles eine ganz besondere Erfahrung", sagte Heiko Scholz, der Trainer von Germania Windeck. "Jetzt ist es gar nicht so einfach, die Jungs für die nächsten Aufgaben einzustellen. Wir müssen uns alle erst mal wieder ein wenig beruhigen. Unser Ziel heißt Aufstieg in die vierte Liga. Und vielleicht können wir uns ja im nächsten Jahr wieder im Pokal zeigen."
STATISTIK:
Windeck: Cebulla - Tuysuz, Schultens, Reed, Kukielka - Eckert (79. Schoof), Grebe - Nehrbauer, Kessel (72. Thomassen) - Kurth (65. Meiß) - Hettich. - Trainer: Scholz
München: Butt - Lahm, Demichelis, Badstuber, Contento (60. Alaba) - van Bommel, Schweinsteiger - Kroos - Müller, Ribery (76. Altintop) - Klose (60. Gomez). - Trainer: van Gaal
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Tore: 0:1 Klose (44.), 0:2 Ribery (45.), 0:3 Kroos (84.), 0:4 Gomez (85.)
Zuschauer: 41.100
Gelbe Karten: Schultens
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