Braunschweig empfängt den Rekordmeister: Bayern will "kompakter stehen"
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2011 - 17:59(RP). Der Rekordmeister liegt deutlich hinter seinen Ansprüchen zurück. Das wurde beim 0:2 im Finale des Audi Cups gegen den FC Barcelona deutlich. Nun geht es ins erste Pflichtspiel. Im DFB-Pokal wartet Eintracht Braunschweig.
Das mit dem Weg, der kein leichter sein wird, hat der deutsche Soulsänger Xavier Naidoo schon der Nationalelf vorgesäuselt. Der Rekordmeister Bayern München weiß das sicher auch. Nicht erst seit dieser Vorbereitung, aber ganz sicher nach dem großen Vorbereitungsturnier um den Audi-Cup. Das Finale dieses privaten Wettbewerbs verloren die Münchner gegen die Nummer eins auf dem Globus, den FC Barcelona, mit 0:2.
Und sie durften dabei feststellen, dass sie noch sehr viel aufholen müssen, wenn sie dem eigenen Anspruch gerecht werden wollen. Trotzdem redeten sie sich die Veranstaltung schön. "Wir haben fast keine Chance zugelassen", sagte Trainer Jupp Heynckes. "Wir haben es gar nicht schlecht gemacht", urteilte Bastian Schweinsteiger. "Wir haben einen großen Schritt gemacht", befand Philipp Lahm.
Heynckes hat noch viel Arbeit
Es ehrt die Vorredner im Klub allerdings, dass sie alle noch ein paar Einschränkungen machten. "Ich bin sehr zuversichtlich, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns", erklärte Heynckes. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", stellte Lahm fest. "Wir müssen versuchen, noch kompakter zu stehen, dann sind wir eine sehr gute Mannschaft", sagte Schweinsteiger.
Barcelona, das ein munter gemischtes Team aus Stars und Talenten aufbot, legte mit seinem Kurzpassspiel und der Entschlossenheit bei den tatsächlich wenigen Torgelegenheiten, die München anbot, den Finger in die Wunde. Noch sind die Bayern für den ganz großen internationalen Wettbewerb nicht gerüstet, denn da ist Barcelona der Maßstab.
Zunächst muss sich Deutschlands bester Klub auf entschieden kleinerer Bühne behaupten. In der ersten Runde des DFB-Pokals, auch dort sind die Münchner Rekordtitelträger, tritt das Team von Jupp Heynckes am Montag beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig an. Ein gefährliches Los, denn die Zweite Liga ist bereits seit zwei Wochen im Wettbewerb, und "Braunschweig hat die Euphorie des Aufstiegs mit in die Meisterschaft genommen", wie Münchens Coach ganz richtig feststellte.
Die Eintracht hat ihre beiden Partien gewonnen, und sie wird in ihrem Spiel des Jahres alles in die Waagschale werfen. Das allerdings kennen die Bayern auch aus der Bundesliga. Sie sorgen zuverlässig dafür, dass ihre jeweiligen Gegner ganz besonders motiviert ins Rennen gehen. "Ich glaube", sagte Heynckes, "dass wir stark genug sind, zu bestehen."
Viel Wert wird er im Training darauf legen, "die Automatismen hervorzukramen, die verschüttet waren". Im Klartext: Heynckes will das kompakte Handeln seiner Mannschaft weiter schulen. Er strebt in einem Modewort der Trainersprache das perfekte "Spiel gegen den Ball" an.
Überzahl in Ballnähe
Das bezeichnet keine Abneigung gegen das Spielgerät an sich, sondern die Notwendigkeit, möglichst Überzahl in Ballnähe herzustellen. Das verstellt dem Gegner die Räume für den Angriff, und es versetzt das eigene Team in die Lage, schnell mit vielen Spielern in den Gegenangriff zu kommen.
Das ist jedoch nicht nur für die großen Bayern der Schlüssel zum Erfolg, sondern auch für die Gegner, mithin ebenfalls für die Braunschweiger. Entscheidende Bedeutung in solchen Spielen hat die Antwort auf die Frage, ob das bessere Team seine höhere Einzelqualität zum Tragen bringen kann. Im Mittelfeld, im Sturm, vor allem in der Abwehr.
Dort lagen in der zurückliegenden Saison die wesentlichen Probleme des Rekordmeisters. Zumindest die Defensiv-Fachleute glauben, dass der FC Bayern dabei ist, diese Schwachstelle zu schließen. "Mit Jerome Boateng hat es in der Innenverteidigung gegen Barcelona gut geklappt", erklärte Nationalspieler Holger Badstuber. Das soll Mut für die Saison machen. Und es ist natürlich auch Badstubers öffentliche Bewerbung um den Stammplatz an Boatengs Seite. Der Konkurrent Anatolij Tymoshchuk hört sicher aufmerksam zu.
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