Fünf Favoriten sind raus: Der total verrückte Pokalabend
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 24.09.2009 - 08:12Düsseldorf (RPO). Was für ein Abend! Was für Emotionen! Was für Sensationen! Der zweite Teil der 2. Runde im DFB-Pokal beinhaltete alles, was das Fußball-Herz begehrt. Fünf Favoriten mussten ihre Träume vom Endspiel in Berlin überraschend begraben.
Favoritentod, Teil 1: Die größte Sensation gab es an der "Bremer Brücke" in Osnabrück, wo Drittligist VfL als krasser Außenseiter den Hamburger SV mit 7:5 nach Elfmeterschießen aus dem Pokal kegelte. Der ist Spitzenreiter in der Bundesliga und zog mit einer leidenschaftslosen Vorstellung den Unmut der Fans auf sich.
Die Gastgeber - derzeit Fünfter in der 3. Liga - führten schon mit 2:0, ehe der HSV in der Schlussphase mit zwei Treffern die Verlängerung erzwang. Hier brachte Guy Demel die Hanseaten zwar in Führung, aber Henning Grieneisen glich kurz vor Schluss aus.
Was dann folgte, war eine einzige Elfmeter-Party. VfL-Keeper Tino Berbig wurde zum Helden, hielt den Elfmeter von Robert Tesche. Danach feierte Osnabrück die ganze Nacht.
Favoritentod, Teil 2: Punktgleich mit dem HSV liegt Bayer Leverkusen in der Bundesliga auf dem zweiten Tabellenplatz. Wer das Spiel beim 1. FC Kaiserslautern sah, konnte das kaum glauben.
Der Zweitliga-Aufstiegsaspirant machte den Meister-Anwärter so richtig nass und feierte einen hochverdienten 2:1-Sieg. Von einem Klassenunterschied war nie etwas zu sehen. Selbst nachdem Theofanis Gekas kurz vor Schluss den Anschlusstreffer erzielt hatte, wackelten die "Roten Teufel" nicht. Der Betzenberg bebte.
Favoritentod, Teil 3: Hertha BSC Berlin wollte sich bei Zweitligist 1860 München aus der Krise schießen. Ziel verfehlt! Nach fünf Pleiten in der Liga (Tabellenplatz 18) schaffte die "alte Dame" nach einem 0:2-Rückstand zwar noch den Ausgleich, im Elfmeterschießen avancierten Gojko Kacar und Christoph Janker dann aber zu Elfer-Deppen. 3:6!
Der 1860-Held war ausgerechnet Gabor Kiraly, der von 1997 bis 2004 für den Hauptstadtklub gespielt hatte. Der ungarische Torhüter machte in der Verlängerung sämtliche Hertha-Chancen mit Glanzparaden zunichte und parierte im Elfmeterschießen den schwachen Schuss von Kacar.
München feiert Kiraly! Und in Berlin wird's für Trainer Lucien Favre immer enger...
Favoritentod, Teil 4: Der FC Augsburg wartete geduldig auf seine Chancen gegen Bundesliga-Aufsteiger SC Freiburg, dann schlug der Zweitligist zu - 1:0. Daniel Brinkmann machte den Außenseiter mit seinem Treffer froh und lässt den Underdog von einem ganz großen Los im Achtelfinale hoffen.
Favoritentod, Teil 5: Meister VfL Wolfsburg ist raus - und Fußball-Deutschland lacht über Edin Dzeko, der beim 2:3 in Köln zwei Minuten vor Schluss vier Meter vor dem Tor völlig freistehend über den Ball trat. Ausgerechnet Dzeko! Wolfsburgs Torgarantie hatte zuvor das zwischenzeitliche 1:2 erzielt und seinen Klub überhaupt erst wieder ins Spiel gebracht.
Was war das für ein irrer Kick! 90 Minuten Vollgas-Fußball, fünf tolle Tore, am Ende muss Wölfe-Trainer Armin Veh auf die Tribüne, und sein Schützling Marcel Schäfer fliegt wegen Meckerns vom Platz. Selbst Schiedsrichter Wolfgang Stark bekommt nicht genug, lässt sechs Minuten nachspielen.
Dann war auch hier die Überraschung perfekt. Fünf Favoriten mussten am Mittwoch die Segel streichen, insgesamt sind jetzt nur noch acht Bundesligisten dabei. Weniger waren es zuletzt vor zwölf (!) Jahren in der Saison 1997/98.
Der DFB-Pokal - in diesem Jahr hat er wirklich seine ganz eigenen Gesetze...
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