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Erste Runde im DFB-Pokal
Berlin, Berlin

DFB-Pokal 1. Runde 2016/17: Große Bühne für die Kleinen
Das Ziel aller Mannschaften, die im DFB-Pokal antreten: Das Olympiastadion in Berlin, wo das Finale ausgetragen wird. FOTO: dpa, mbk axs
Düsseldorf. Am Wochenende steigt die erste Runde im DFB-Pokal. Für die Kleinen ist der Wettbewerb sehr reizvoll, für die Großen der erste Prüfstein vor Beginn der Bundesliga-Saison. Von Robert Peters

Der FC Carl Zeiss Jena ist ein Klub mit Vergangenheit. Dreimal gewann er den Meistertitel in der DDR, und 1981 stand er im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Im Düsseldorfer Rheinstadion unterlag Jena der Mannschaft von Dinamo Tiflis mit 1:2. Trainer der Thüringer war Hans Meyer, der heute ein hochgeschätztes Präsidiumsmitglied bei Borussia Mönchengladbach ist.

Die Gegenwart von Carl Zeiss Jena ist weniger glamourös. Der Verein spielt seit vier Jahren in der vierten Liga, der Regionalliga. Und doch ist der große Fußball am Wochenende zu Gast im Ernst-Abbe-Sportfeld. In der ersten Runde des DFB-Pokals kommt der Titelverteidiger Bayern München nach Jena (heute, 20.45 Uhr). "Das Spiel ist etwas Besonderes, weil der Gegner besonders ist", sagt Trainer Mark Zimmermann, "das ist das Traumlos."

Jahr für Jahr träumen die kleinen Klubs von diesem Los. Denn die Münchner bescheren Aufmerksamkeit in den Medien, ein volles Stadion und damit eine ordentliche Einnahme. Auch in Jena bedauern sie das natürlich nicht. Der Klub will schließlich zurück in die Dritte Liga, und er möchte sich nächstes Jahr ein neues Stadion bauen. Dass ihm dieser Tage eine fette Rechnung der Feuerwehr ins Haus flattert, war nicht vorauszusehen, wird am Ende den Haushalt wohl doch nicht sprengen. Die Löschkräfte waren angerückt, weil es mächtig aus dem Kabinentrakt des Stadions qualmte. Schuld daran war die Mannschaft, sie hatte sich nach dem Training Spiegeleier mit Speck gebraten. Die Feuerwehr musste nicht eingreifen, die Anreise der Löschzüge wird aber vermutlich mit 3000 Euro zu Buche schlagen. Vielleicht hätten die Spieler die Feuerwehrleute zum Essen einladen sollen.

Den Feiertag wird das kleine Malheur nicht beeinträchtigen. Und bei aller Bescheidenheit möchte Carl Zeiss bei der günstigen Gelegenheit gleich nachweisen, dass in der vierten Liga ganz guter Fußball gespielt wird. "Es muss schon viel passieren, damit wir die Bayern schlagen", sagt Trainer Zimmermann, "aber wir wollen mutig sein." Sieger ist der Kleine in diesem Duell ohnehin schon, weil er das Traumlos zog.

Der besondere Reiz des Wettbewerbs besteht darin, dass der Außenseiter auf jeden Fall Heimrecht genießt und dass es für den Favoriten, sollte er mal straucheln, keine zweite Chance gibt. Ein Rückspiel ist nicht vorgesehen. Das führt in jedem Jahr vor allem in den ersten Runden für dicke Überraschungen. Und das macht den Pokal für die Kleinen so außerordentlich reizvoll.

Doch selbst die Großen lieben unterdessen den Wettbewerb. Er bildet für die Profiklubs immer noch den kürzesten Weg in die Europa League. Fünf Siege führen bereits ins Endspiel, das seit 1985 im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird. Es war eine gute Entscheidung, das Finale in die heutige Hauptstadt zu vergeben, denn Berlin wurde im Laufe der Jahre zum "deutschen Wembley". Die Fußballwelt schaut ins Olympiastadion, das Endspiel wird in 200 Länder übertragen. Es ist dabei, dem fast schon legendären FA-Cup-Finale in England den Rang abzulaufen.

Für die Endspielteilnehmer ist es in jedem Fall eine unvergessliche Reise. Mittlerweile schwärmen sogar die erfolgsverwöhnten Großklubs von der einmaligen Atmosphäre im Stadion. Und die Fans feiern in der Stadt über das gesamte Wochenende ein großes Fest. Viele reisen ohne Karten an, um nur in der Nähe zu sein.

Deshalb gehen auch Bayern und Dortmunder sehr entschlossen an ihre Aufgaben. Der Vorjahresfinalist Borussia Dortmund bekommt es mit Eintracht Trier zu tun. Der Verein hat eine nicht ganz so ruhmreiche Geschichte wie Jena, aber er spielte immerhin mal in der zweiten Bundesliga. Zurzeit tritt er allerdings wie Jena in der vierten Liga an. Von zu scharf angebratenem Speck nach dem Vormittagstraining oder einem Feuerwehreinsatz in Trier ist nichts überliefert.

Quelle: RP
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