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Vor DFB-Pokalspiel gegen Bayern
Jena-Spieler braten Speck in Kabine - Feuerwehr rückt aus

DFB-Pokal: Carl Zeiss trifft im DFB-Pokal auf FC Bayern München
FOTO: dpa
Jena. Carl Zeiss Jena war eines der Aushängeschilder des DDR-Fußballs. Der ehemalige Europapokalfinalist ist mittlerweile jedoch bis in die 4. Liga abgestürzt - und trifft nun im DFB-Pokal auf Bayern München.

Vor dem Erstrundenduell mit Bayern München herrscht beim FC Carl Zeiss Jena Alarmstimmung. Zu heiß angebratene Spiegeleier und Speck lösten am Mittwoch die Brandmeldeanlage in der Mannschaftskabine aus - die Feuerwehr rückte mit sechs Einsatzfahrzeugen an.

"Es ist viel Alarm, und wir haben den Ernstfall schon geprobt. Die Feuerwehr war da. Alles gut gegangen, jetzt kann es losgehen", sagte Trainer Mark Zimmermann auf der Pressekonferenz. Eine hitzige Pokal-Partie scheint bei dem ohnehin schon besonderen Spiel programmiert.

Dabei gab es Zeiten, da wäre ein Duell mit den Münchnern für die Thüringer vielleicht keine ganz so große Sache gewesen. Im Europapokal schaltete Jena einst den FC Valencia, AS Rom und Benfica Lissabon aus, sind die Nummer eins der ewigen DDR-Oberligatabelle. Doch die Erinnerungen an die goldenen Zeiten sind verblasst, der Alltag in der Regionalliga ist längst grau und trist.

"Das ist das Traumlos, ein absolutes Highlight", betonte Zimmermann vor dem Kracher in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen die Bayern am Freitag (20.45 Uhr/Sky). Zumindest für einen Abend kehrt der Glanz vergangener Zeiten in das in die Jahre gekommene Ernst-Abbe-Sportfeld zurück, in der die Gegner mittlerweile Union Fürstenwalde, ZFC Meuselwitz oder Wacker Nordhausen heißen.

Auf dem Papier hat Jena keine Chance

"Nein, dass die Bayern Angst vor uns haben, hat noch keiner gesagt. Kommt vielleicht im Laufe der Woche noch", äußerte Zimmermann in der "Ostthüringer Zeitung" und lachte. Auf dem Papier hat der dreimalige DDR-Meister im ersten Pflichtspiel gegen den Cup-Titelverteidiger zwar keine Chance, trotzdem freut sich die ganze Region nach sportlich mageren Jahren auf den Besuch des Rekordmeisters.

Und für Bayern-Cheftrainer Carlo Ancelotti ist es nicht der erste Besuch in Jena. Am 1. Oktober 1980 erlebte der Italiener als Spieler eine seiner schlimmsten Pleiten in Ostthüringen, verlor mit dem AS Rom nach einem 3:0 im Hinspiel - Ancelotti hatte das 2:0 erzielt - noch 0:4 und schied aus dem Europapokal der Pokalsieger aus. Carl Zeiss schaffte es 1981 bis ins Endspiel und unterlag mit Trainer Hans Meyer erst Dynamo Tiflis mit 1:2.

DFB-Pokal: Die größten Sensationen FOTO: dpa, frg jai

"Wir freuen uns auf das Wiedersehen", sagte Zimmermann, der mit Jena nach vier Siegen aktuell Tabellenführer der Regionalliga Nordost ist. Der Klub, der spätere Nationalspieler wie Bernd Schneider oder Robert Enke hervorbrachte, träumt von der Rückkehr in den Profifußball. Dem Abstieg aus der 2. Bundesliga vor sechs Jahren folgte 2012 der Absturz aus der 3. Liga. Das fünfte Jahr in der Regionalliga soll nun möglichst das letzte sein.

Letztmals für Furore sorgte Jena 2008, als sie angeführt von Jan Simak sensationell bis ins Halbfinale des DFB-Pokals stürmten. Die Begegnung bei Borussia Dortmund (0:3) ist mit 80.708 Zuschauern das bis heute bestbesuchte Pokalspiel in Deutschland.

Gegen die Bayern hat der FCC nun eigens zusätzliche Stahlrohrtribünen errichten lassen, um die Kapazität auf 18.800 Zuschauer zu erhöhen. Das bedeutet einen Nachwenderekord, allerdings hätten mehr als 100.000 Tickets verkauft werden können.

Für 22 Millionen Euro soll 2017 ein modernes Stadion gebaut und so der Grundstein für eine bessere Zukunft gelegt werden. Kurzfristig träumt der dreimalige DDR-Pokalsieger aber von einer Sensation wie im Vorjahr. Da warf Jena den Bundesligisten Hamburger SV in der ersten Pokalrunde raus (3:2 n.V.), schied anschließend aber gegen den VfB Stuttgart (0:2) aus.

Gegen das Starensemble der Bayern wird es aber zweifellos noch härter. "Ich weiß nur, dass es gegen die Bayern ganz schwer wird", sagte Zimmermann. Allerdings solle sein junges Team vor Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Co. nicht in Ehrfurcht erstarren: "Wir dürfen keine Angst vor den Weltklasse-Spielern haben. Die Jungs sollen Vertrauen in sich haben."

(sb/sid)
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