| 18.13 Uhr

Heimspiel gegen den BVB
Hertha zum ersten Mal seit 35 Jahren im Halbfinale

Heidenheim - Hertha BSC
Heidenheim - Hertha BSC FOTO: dpa, hpl jhe
Düsseldorf/Bochum . 1981 wurde Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten. Europa befand sich auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, Düsseldorf setzte seinem großen Dichter Heinrich Heine ein Denkmal, Bayern München wurde mal wieder deutscher Fußballmeister, und die Profis von Hertha BSC standen im Halbfinale des DFB-Pokals. 35 Jahre später hat es die Hertha wieder mal geschafft. Von Robert Peters

Sie gehört nach dem unspektakulären 3:2-Erfolg beim 1. FC Heidenheim zu den vier Teams, die den nationalen Pokal gewinnen können. Der besondere Reiz für die Hertha: Sie hätte ein Heimspiel, denn seit 1985 wird das Endspiel in Berlin ausgetragen. "Der Traum", sagt Stürmer Vedad Ibisevic, "ist sehr groß."

Der Berliner Weg ins Olympiastadion führt übers Olympiastadion. Handball-Europameister Andreas Wolff bescherte der Hertha ein Heimspiel im Halbfinale. Der Gegner hat es allerdings in sich. Borussia Dortmund hat sich in der Bundesliga den angestammten zweiten Rang hinter Branchenführer Bayern München zurückerobert und beim 3:1-Viertelfinal-Erfolg in Stuttgart alle Qualitäten einer Spitzenmannschaft gezeigt. Trainer Thomas Tuchel hatte seine Offensive in Anbetracht der Stuttgarter Stärken behutsam umgebaut. So wurden die meisten Angriffsbemühungen der Gastgeber beherrscht, und im Umschaltspiel tat Ilkay Gündogan mit der Klasse eines Topspielers den entscheidenden Dienst. Dass Dortmund die Hertha aber ziemlich ernst nehmen sollte, erlebte das Team aus Westfalen vergangene Woche in der Liga. Mehr als ein torloses Unentschieden schaffte Tuchels Mannschaft nicht. Die Berliner waren der erste Gegner, der sein Tor in Meisterschaftsspielen von Dortmunder Treffern freihalten konnte.Dortmund ist trotzdem der Favorit in diesem Halbfinale.

Pressestimmen: "Bochum nimmt den Bayern die Lust am Fußball" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Die Bayern bekleiden diese Rolle in jedem Spiel gegen nationale Gegner. Erst recht, wenn auch sie zu Hause antreten dürfen. Sie haben sich deshalb natürlich nicht beschwert, dass der Handball-Hüne Wolff ihnen Werder Bremen in die Arena von Fröttmaning loste. Die Bremer haben zwar im Pokal in Mönchengladbach (4:3) und Leverkusen (3:1) überzeugend gespielt, für die Bayern in einigermaßen normaler Form wird es jedoch kaum reichen. Daran ändert auch die freundliche Einschätzung von Arjen Robben nichts. "Es ist immer noch schwierig", sagte der Münchner aus Holland.

Die Bremer Spieler konnten immerhin am Fernseher studieren, wie der Zweitligist VfL Bochum dem Rekordmeister und Rekordpokalsieger das Leben fast eine Halbzeit lang ziemlich schwer machte. Die Bochumer schoben sich als Team wie in einem langgezogenen Dreieck in die Münchner Kombinationswege, sie attackierten bei Ballgewinn sofort und zwangen den Meister lange zu behäbigem und manchmal fast ratlosem Breitwandfußball. Erst als dem Bochumer Coach Gertjan Verbeek in Gestalt seines Verteidigers Jan Simunek eine Schachfigur wegen einer Roten Karte wegbrach, spielten die Münchner alle Vorteile in Gemütsruhe aus. Bremen wird aus diesem Spiel lernen können.

Dennoch deutet fast alles darauf hin, dass die Münchner ihre Dauergastrolle im Berliner Finale wieder einnehmen. Entweder im Gipfeltreffen der beiden besten deutschen Mannschaften oder im Duell mit der Hertha. Beides ist reizvoll.

Anmerkung für Statistik-Freaks: Dass die Hertha-Amateure 1993 im Pokalfinale standen, haben wir bewusst unterschlagen. Sie unterlagen Bayer Leverkusen mit 0:1. Es war der bis heute letzte Titel der Leverkusener. Aber das ist eine andere Geschichte.

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