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Underdogs im DFB-Pokal
Meppen? Da war doch was

DFB-Pokal: SV Meppen gegen 1. FC Köln – da war doch was
Diego Armando Maradona spielte am 3. August 1982 zum ersten Mal auf europäischen Boden – in Meppen. FOTO: dpa, sk nic
Meppen/Düsseldorf. Die Emsländer waren lange Jahre der Inbegriff der Zweitklassigkeit. Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war Diego Maradonas Europadebüt mit dem FC Barcelona in Meppen. Heute kommt der 1. FC Köln zum DFB-Pokalspiel. Von Martin Beils

Das waren noch Zeiten! Der FC Barcelona war für eine Antrittsgage von umgerechnet 38.000 Euro zu einem Auftritt auf dem platten, deutschen Land bereit. Und der teuerste Spieler der Welt kostete nur 5,5 Millionen Euro. Diego Armando Maradona, 21 Jahre, Argentinier mit überschäumendem Temperament, spielte am 3. August 1982 zum ersten Mal auf europäischen Boden. Für den FC Barcelona. Unter Trainer Udo Lattek. Beim SV Meppen. Im ehrwürdigen Hindenburgstadion.

18.500 Zuschauer und 100 südamerikanische und spanische Journalisten waren ins Emsland gekommen, um den nach der WM in Spanien von Boca Juniors nach Katalonien gewechselten Offensivspieler zu erleben. Maradona verwandelte einen Strafstoß, ging zur Pause vom Platz und aß nach dem Abpfiff mit Meppens Trainer Hans-Dieter Schmidt eine Bratwurst.

Bratwurst gibt es heute Nachmittag auch wieder, und das Stadion wird auch wieder voll sein. Für einen Nachmittag macht der große Fußball wieder Station in der Kreisstadt mit 50 000 Einwohnern. Der 1. FC Köln kommt zum Erstrundenspiel im DFB-Pokalwettbewerb. Mit 13.815 Zuschauern ist das Stadion, das mittlerweile Hänsch-Arena heißt, ausverkauft. Es war gar nicht so einfach, geeignete Plätze für die neun Kameras zu finden, mit denen der Sender Sky die Begegnung überträgt.

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Meppen spielt in der Regionalliga gegen Teams wie Goslar, Drochtersen/Assel oder Schilksee und strebt mit Macht den Aufstieg an. Es gibt ein paar bekannte Namen im Kader: Patrick Posipal etwa, der Enkel des 54er-Weltmeisters Jupp. Jens Robben hat mit Arjen hingegen nicht so viel zu tun. Nach 16 Jahren Pause hat sich der Verein wieder für den nationalen Cup qualifiziert.

In den 1980er und 90er Jahren entwickelte sich der SV Meppen zum Inbegriff des Provinzklubs. "Zieht den Meppenern die Gummistiefel aus!", lautete der Schmähgesang bei Auswärtsspielen. Toni Schumacher, damals Torwart von Schalke 04, heute Vizepräsident des FC, sprach 1988 den legendären Satz: "Ich spiele doch nicht in Meppen, da gehe ich lieber in die Türkei." Er wechselte daraufhin vom Absteiger aus Gelsenkirchen zu Fenerbahce Istanbul. Heute kommt Schumacher gern nach Meppen.

1. Runde: Statistik FOTO: ap

Zwölf Jahre verbrachten die Emsländer in der Zweiten Liga, 1995 fehlten sogar nur zwei Punkte zum Aufstieg in die Bundesliga. Der US-amerikanische WM-Teilnehmer Paul Caligiuri und der Finne Mark-Olavi Myyry waren die bekanntesten Spieler. Zwischenzeitlich kickte der SVM nur noch fünftklassig. Es folgte Anfang 2000 fast der Bankrott des Clubs. Seit 2008 geht es dem Verein dank Unterstützung der regionalen Wirtschaft wieder besser. Die 140 000 Euro, die die DFB-Pokalteilnahme bringt, tun dem Klub auch gut. Und vielleicht kommt ja noch etwas hinzu. "Wer weiß, in einem Spiel ist auch gegen eine Profimannschaft alles drin", sagt Meppens Präsident Dieter Barlage.

Knapp war's übrigens schon einmal gegen den 1. FC Köln. Im Achtelfinale 1990/91 unterlag Zweitligist Meppen in Müngersdorf nur mit 0:1.

Quelle: RP
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