| 08.19 Uhr

Spielabbruch nach Feuerzeugwurf
VfL-Präsident Queckenstedt hält flammende Rede nach Eklat

Fotos: Schiedsrichter wird von Wurfgeschoss verletzt
Fotos: Schiedsrichter wird von Wurfgeschoss verletzt FOTO: dpa, frg kno
Beim VfL Osnabrück herrscht nach dem Spielabbruch in der ersten Runde des DFB-Pokals Entsetzen und Enttäuschung. Der Drittligist hatte gegen RB Leipzig 1:0 geführt, als Schiedsrichter Martin Petersen von einem Feuerzeug getroffen wurde. VfL-Präsident Herrmann Queckenstedt hatte die brisante Aufgabe, die Zuschauer im Stadion über den Abbruch zu informieren. Im VfL-Trikot und mit einem Fanschal um den Hals hielt er eine emotionale Rede.

"Ich möchte mich an dieser Stelle bei unserer wahnsinning kämpfenden Mannschaft bedanken, die RB Leipzig am Rand einer Niederlage hatte", sagte Queckenstedt, während er auf dem Rasen des Stadions stand. "Und trotzdem ist dies für mich der bitterste Tag in meiner Amtszeit als VfL-Präsident. Ich hätte mir gewünscht, dass wir ein Bild der Tradition abgegeben hätten, das nicht dazu führt, dass das Spiel abgebrochen wird", so der VfL-Präsident bedrückt. Dann wurde seine Stimme noch einmal deutlich lauter, als er die entcheidenden Worte sagte: "Das Spiel ist hiermit beendet."

Im Anschluss appellierte Queckenstedt an die Leidenschaft der Fans und entschuldigte sich beim Opfer der Wurf-Attacke: "Ich bitte jetzt alle Osnabrücker Fußballfans, im Sinne des VfL, für den das eine ganz bittere Stunde ist, in Ruhe das Stadion zu verlassen und dem VfL trotz dieser Vorkommnisse treu zu bleiben. Ich entschuldige mich ausdrücklich im Namen des VfL Osnabrück bei Schiedsrichter Martin Petersen, dass er ein rotes Feuerzeug an den Kopf bekommen hat. Diese Aktion schadet dem VfL, diese Aktion schadet dem Fußball. Und das ist etwas, das keiner hier im Stadion und in der Bundesrepublik Deutschland sehen will."

Reaktionen: "Das ist eine bittere Stunde"

"Trinkt noch ein Bier"

Nach dem Abbruch gab es bei den Verantwortlichen große Bedenken, was die Sicherheit anging. Doch der Präsident fand hier offenbar die richtigen Worte, denn im Anschluss blieb alles ruhig. "Ich danke euch allen nochmal für diese fantastische Unterstützung. Wir haben gesehen, der VfL lebt, der VfL wird weiter leben und wir werden in der Liga und im Pokal, wenn es weitergeht, auch wieder Flagge zeigen. Ich bitte euch jetzt, ohne jede Gewalt, ohne jeden Frust nach Hause zu gehen, vielleicht noch ein Bier zu trinken, den Abend Revue passieren zu lassen und in Lila-Weiß morgen wieder glücklich aufzustehen", sagte Queckenstedt.

Letzteres dürfte vielen Fans aber sicherlich schwergefallen sein, denn Osnabrück droht nun die Niederlage am Grünen Tisch. Entsprechend enttäuscht war auch die Mannschaft, wie Queckenstedt später im dpa-Interview bestätigte. "Ich war in der Kabine und habe Spieler gesehen, die waren den Tränen nahe. Wenn man so aufopferungsvoll kämpft und dann auf diese miserable Art und Weise, durch eine kriminelle Aktion um die Früchte seiner Arbeit gebracht wird, dann ist das ganz traurig. Das hat mit Fußball nichts zu tun. Und es ist auch ein ökonomischer Schaden", sagte der 51-Jährige. Wenn es nach RB Leipzig geht, wird das Spiel jedoch nicht am Grünen Tisch entschieden. Der Zweitligist bot Osnabrück ein Wiederholungsspiel an, die Entscheidung liegt aber beim DFB.

Pressestimmen: "Chaot zerstört Traum des VfL Osnabrück" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Der VfL hat zumindest die Hoffnung, den Übeltäter zu finden. "Nach unseren Informationen ist er auf Fernsehaufzeichnungen auszumachen. Er müsste erkennungsdienstlich ermittelt werden. Es ist so schade, dass so ein Chaot all die Bemühungen, die wir im Vorfeld unternommen haben, zu Nichte macht. Wenn wir in finden, werden wir Konsequenzen ergreifen", so der VfL-Boss.

Schiedsrichter Petersen war in der 71. Spielminute von einem Feuerzeug am Kopf getroffen und hatte das Spiel später abgebrochen. Der Wurf hatte möglicherweise Leipzig-Stürmer Davie Selke gegolten. Halil Savran hatte Außenseiter Osnabrück bereits nach 21 Sekunden in Führung gebracht.

(areh/dpa)
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