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DFB-Pokal
Arm, aber plötzlich sexy: "Weihnachten und Ostern" für Haching

Unterhaching - Ingolstadt
Unterhaching - Ingolstadt FOTO: dpa, mum jai
Der größte Sieg seit 15 Jahren ist ein Segen für die finanziell klamme SpVgg Unterhaching. Nun träumt der Klub von einem Derby.

Ulla Holthoff, Mutter von Weltmeister Mats Hummels, klatschte freudestrahlend in die Hände. Drunten, im Getümmel auf dem Rasen, umarmte ihr jüngerer Sohn Jonas jeden, der des Weges kam, auch einen kleingewachsenen, schwitzenden, überglücklichen Mann: Manni Schwabl, früherer Bundesliga-Profi bei beiden Münchner Klubs und dem 1. FC Nürnberg, viermaliger Nationalspieler, erlebte seinen größten Moment als Präsident der bereits seit Jahren gebeutelten SpVgg Unterhaching.

Wie "Weihnachten und Ostern zusammen" kam Schwabl der Sonntag vor. Ein solches Ereignis wie das 2:1 (1:0) in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Bundesliga-Aufsteiger FC Ingolstadt haben sie in der kleinen Gemeinde vor den Toren Münchens zuletzt 2000 gefeiert - als Haching mit einem 2:0 gegen Bayer Leverkusen den großen Nachbarn Bayern München zum deutschen Meister machte. Danach ging es für den kleinsten Bundesligisten der Geschichte bergab, nicht rasend schnell, aber unaufhaltsam.

Die SpVgg Unterhaching hat Jahre finanzieller Drahtseilakte hinter sich. 2010 etwa saß sie einem Hochstapler auf und musste beinahe Insolvenz anmelden. Jeder, der halbwegs tauglich war, wurde so zügig und gewinnbringend wie möglich verkauft, um den Mini-Etat abzusichern. Das ging jahrelang irgendwie gerade noch gut, nun aber sind die Hachinger nach davor acht Jahren 3. Liga erstmals seit 34 Jahren nur noch Viertligist - einer, der aus den ersten fünf Saisonspielen nur vier Punkte geholt hat.

Die Mannschaft, die Ingolstadt besiegte, ist mehr oder weniger eine eiligst zusammengesuchte U19. Markus Einsiedler, der zweifache Torschütze gegen Ingolstadt, spielte vergangene Saison noch in der fünften Liga. Er ist bereits 26 Jahre alt, aber er schaut nicht viel anders aus als seine Mitspieler, fast durchweg Bubis mit Milchgesicht. "Viele von ihnen", sagte Schwabl, "haben nicht mal einen Führerschein - und die haben jetzt einen Erstligisten geschlagen."

Ein klein bisschen schrieb sich der stolze Schwabl, der vor knapp sieben Jahren wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 4800 Euro verurteilt wurde, den Sieg selbst zu: "Ich habe den Jungs gesagt: Ich hab' erst einmal in meinen Leben ein weißes Hemd angehabt: Das war bei meiner Hochzeit. Heute habe ich zum zweiten Mal eines an." Sollte heißen: Wer ihm diesen Feiertag versaut, der kriegt richtig Ärger.

Für den Einzug in die zweite Runde gibt es 268.000 Euro - für die klammen Hachinger fast ein Sechser im Lotto. 50.000 Euro, so ist zu hören, will der seit 2012 als Präsident amtierende Schwabl (49) als Prämie ausschütten. Und einen Wunschgegner hat er auch: "Ein Derby gegen Sechzig, das hätte was." Aber das, ergänzte er, "ist ein Luxusproblem".

(sid)
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