Peinliche Pokal-Schlappe für Werder: Erster Schaden noch bevor es losgeht
zuletzt aktualisiert: 01.08.2011 - 11:25München/Heidenheim (RPO). Natürlich wollte Werder Bremens Mannschaft nur noch weg, aber so leicht ging das nicht: Mit versteinerten Mienen blickten die Spieler nach dem bitteren 1:2 (1:0) in der ersten Runde des DFB-Pokal gegen Drittligisten 1. FC Heidenheim aus dem Mannschaftsbus auf die rund 70 Fans, die die Abreise vom Ort der Schmähung mit einem Sitzstreik blockierten, Bierdosen warfen und "Allofs raus" brüllten.
Schon vor dem Bundesliga-Start merkten die Bremer Spieler in diesen Minuten wohl, dass die Talfahrt der vergangenen Saison droht weiterzugehen. Das mühsam aufgebaute Selbstbewusstsein ist nach der Blamage im Keller, die Fans aufgebracht, die Finanzlage noch angespannter: "Wir haben einen großen Schaden angerichtet", sagte Sportdirektor Klaus Allofs.
Die geschockten Gesichter von Tim Wiese, Marko Marin und Co. hinter den getönten Scheiben erinnerten an jenen Auftritt, bei dem Trainer Thomas Schaaf wenige Minuten vorher versucht hatte, die Blamage des sechsmaligen Pokalsiegers in Worte zu fassen. "Es ist das passiert, was den Pokal interessant macht", sagte der 50-Jährige zunächst, sprach aber dann schnell von einer "großen Enttäuschung, die sehr wehtut". Trotzdem dürfe man die Saison aber nicht schon abhaken, bevor sie überhaupt begonnen hat.
"Vor allem ein Imageschaden"
"Es liegen jetzt 34 Spieltage vor uns, und wir werden versuchen, die Dinge besser anzugehen", sagte Schaaf, dem nach dem schwersten Jahr in seiner zwölfjährigen Amtszeit bei Werder der nächste Kampf gegen den Abstieg drohen könnte. Einen großen Makel in der Bilanz der Spielzeit, die den 13. Tabellenplatz der Vorsaison vergessen machen sollte, hat man zumindest schon, bevor es richtig losgeht. "Es ist ein materieller Schaden, aber vor allem ein Imageschaden", führte Allofs fort.
Die zusätzliche Einnahmequelle aus dem Pokal hätte man "gut gebrauchen" können, um auch den ständigen Kampf mit Aufsichtsratschef Willi Lemke endlich zu schlichten. So bleibt es wohl bei dem Teufelskreis: Es wird nur so viel ausgegeben, wie eingenommen wird - und das ist in dieser Saison nicht viel. Dass in der sportlichen Ehe Schaaf/Allofs daher vor allem der Sportdirektor für eine angeblich verfehlte Transferpolitik zunehmend unter Beschuss der Fans gerät, verwundert nicht.
Zumindest die Leistung in Heidenheim erinnerte in keinster Weise mehr an eine Mannschaft, die vor sieben Jahren noch deutscher Meister war und stets zu den Größten der Liga zählte. Die Lücke, die nach Mesut Özil nun Thorsten Frings im Mittelfeld hinterlassen hat, kann momentan niemand schließen, die mit drei Neuzugängen besetzte Abwehr agierte teilweise desolat. Es passte nur, dass Christian Sauter (57.) und Marc Schnatterer (58.) die mühsame Bremer Führung von Markus Rosenberg (33.) innerhalb von 100 Sekunden zu Heidenheims Gunsten drehten, nachdem Nationalspieler Marin einen Elfmeter vergeben hatte (51.).
"Dann wird das keine gute Saison werden"
"Das war der Schlüsselpunkt, wir haben mit uns gehadert, das hat der Gegner genutzt", sagte Schaaf. Marin wollte die alleinige Verantwortung für das Desaster nicht übernehmen und analysierte treffend: "Wir haben auch viele andere Dinge falsch gemacht." Clemens Fritz dachte noch einen Schritt weiter: "Wenn wir weiter so spielen, dann wird das keine gute Saison werden", sagte der Interims-Kapitän, Torschütze Rosenberg gab zu, sich Sorgen zu machen.
Im lautstarken Getümmel der Heidenheimer Pokal-Helden hatte nur noch Bremens Torhüter Tim Wiese Sinn für Humor. Der 29-Jährige erinnerte sich an das letzte Erstrunden-Aus 2006 gegen FK 03 Pirmasens: "Am Ende der Saison sind wir Vizemeister geworden und haben uns dadurch direkt für die Champions League qualifiziert". Optimismus schadet nicht in diesen Tagen.
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