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DFB-Pokalfinale
Hoeneß würde Hummels keine Elfmeter schießen lassen

Die Fakten zum Finale
Die Fakten zum Finale
Berlin. Bis jetzt ist er nicht als Gefühlsmensch aufgefallen, den die Emotionen so einfach mit sich reißen. Mats Hummels ist schwer als sein ehemaliger Mannschaftskollege Kevin Großkreutz vorstellbar, der sich in den Zaun vor der Kurve krallt und der mit Tränen in den Augen das gelegentlich garstige Fußballer-Schicksal beklagt. Hummels gibt sich gern nüchtern, beherrscht, analytisch. Man wartet manchmal darauf, dass er seine Wortbeiträge mit einer kleinen Powerpointpräsentation unterstreicht.

Aber diesmal beschleicht auch ihn ein "komisches Gefühl", wie er selbst sagt. Das ist wahrlich kein Wunder. Denn die Fußballgötter wollten, dass er sein letztes Spiel nach achteinhalb Jahren bei Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale am Samstagabend (20 Uhr/Live-Ticker) in Berlin gegen seinen neuen Klub, den FC Bayern München, bestreitet. Da werden sogar ganz Abgeklärte ein bisschen unruhig.

Die Experten haben sich der Gemütslage des Dortmunder Kapitäns bereits angenommen. Der ehemalige Münchner und Dortmunder Meistertrainer Ottmar Hitzfeld spricht von einer "ganz besonderen Drucksituation". Und Weltmeister Lothar Matthäus erinnert aus gegebenem Anlass an seine eigene Geschichte. Er war 23 Jahre alt, als ihn die Bayern von Borussia Mönchengladbach abwarben. 1984 war das, und auch er musste in seinem letzten Spiel für den alten Klub gegen die Münchner im Pokalfinale ran. Er spielte schlecht, und im Elfmeterschießen scheiterte er. Die Borussia verlor, und der Fehlschuss trug Matthäus in Gladbach den wenig freundlichen Beinamen "Judas" ein.

Uli Hoeneß riet Hummels davon ab, im Pokalfinale als Schütze im Elfmeterschießen anzutreten. "Das muss natürlich Thomas Tuchel entscheiden, aber ich würde ihn nicht schießen lassen", sagte der frühere Präsident der Münchner der "Bild". "Egal, was er macht, es kann ihm negativ ausgelegt werden. Trifft er und der BVB gewinnt, sind die Bayern-Fans sauer. Scheitert er, heißt es, er hatte seinen Kopf nicht mehr beim BVB."

Hummels steht in seinem letzten Pflichtspiel für die Dortmunder besonders im Fokus. Auswirkungen auf seine Leistungen erwartet Hoeneß dadurch allerdings nicht. "Im Spiel, und da bin ich sicher, wird er alles für seinen Arbeitgeber geben", sagte der 64-Jährige. "So wie ich Hummels kenne, wird er sich zerreißen."

Hummels hat bereits seine Erfahrungen mit dem Unmut der Fans gemacht. Als seine Wechselabsichten publik wurden, gab es böse Pfiffe und noch bösere Kommentare. Die Wut der BVB-Fans ist ein wenig abgekühlt. Hummels weiß allerdings, was ihm blüht, wenn er eine ähnliche Partie abliefern wird wie Matthäus vor 32 Jahren. "Ich werde alles versuchen, meinen Teil zum Sieg beizutragen", sagt der Noch-Dortmunder, "ich hoffe, dass es gelingt und es nachher keinen Grund gibt, Sätze rauszuhauen wie: Der hat nicht alles gegeben, der war gedanklich schon woanders." Das sei zwar "Blödsinn", es würden sich jedoch "sicher einige bemüßigt fühlen, so etwas zu sagen".

Hummels sagt lieber etwas anderes. Er erklärt noch mal seinen bevorstehenden Wechsel. Und er bemüht sich dann doch um Begriffe, die mehr mit Gefühl als mit Kalkül zu tun haben. Er spricht von "Heimat", weil in München "meine Eltern, die Familie meiner Frau, meine besten Freunde, mein Bruder", mit einem Wort: "alle wohnen". Er selbst wurde in der Bayern-Jugend ausgebildet und schließlich von Trainer Jürgen Klinsmann abgeschoben. Er beteuert, "dass ich mir noch mal etwas beweisen wollte". Von Geld und von seinem Aufstieg in die Gruppe der superreichen deutschen Profis spricht er nicht. Das muss er nicht, denn jeder weiß, dass in München die höchste Titelwahrscheinlichkeit und das mit Abstand höchste Preisgeld in Deutschland locken.

Hummels lockt einstweilen die Aussicht, als Pokalsieger in die Bayern-Kabine zu kommen. "Damit", sagt Matthäus aus leidvoller Erfahrung, "würde er sich viele Sprüche ersparen." Gewinnen würde er nicht nur den ersten Dortmunder Titel seit 2012, sondern wohl auch einen ehrenvollen Abschied. Offiziell haben die Dortmunder ihrem Spielführer nämlich noch nicht "Auf Wiedersehen" gesagt. Das findet Hummels "schon schade". Tränen vergießt er deshalb nicht. Er ist eben nicht Großkreutz.

Rummenigge verteidigt Ablösesumme für Hummels

Karl-Heinz Rummenigge verteidigte die kolportierten 38 Millionen Euro Ablöse für Hummels derweil. "Zum Preis kann ich sagen: Der Markt macht den Markt", sagte Bayern Münchens Vorstandschef der "Bild": "Die Preisgestaltung hat ohnehin bald kein Bundesligist mehr im Griff. Das Transfergeschäft ist ein globaler Markt." Der 27 Jahre alte Hummels ist der bislang teuerste interne Transfer in der Bundesliga.

"Wenn ein Spieler Deutscher ist, Weltklasse-Format besitzt, obendrein bei unserem Partner Adidas unter Vertrag ist und bei uns ausgebildet wurde - da kommen dann halt sehr viele Faktoren zusammen, die Mats Hummels für uns sehr interessant gemacht haben", sagte Rummenigge in einem Doppel-Interview mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Watzke hatte nach eigenen Angaben das Bayern-Interesse an Hummels schon geahnt. "Wir hatten schon damit gerechnet, dass da ein Angriff kommt. In der Innenverteidigung fehlte den Bayern noch ein Weltklasse-Mann wie Mats. Dazu kam der große Aspekt der Heimatverbundenheit. Er hat ja oft sogar auf Urlaub verzichtet, um nach München zu fliegen", sagte Watzke.

(pet)
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