| 15.13 Uhr

Ohnmacht nach Fan-Eskalation
"Vollidioten, die das eigene Wohnzimmer abfackeln"

Pyrotechnik und Böller – Unterbrechung in Rostock
Pyrotechnik und Böller – Unterbrechung in Rostock FOTO: rtr, tj
Roscktok. Das Pokalspiel zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC stand am Montag kurz vor dem Abbruch. Nach den Ausschreitungen gibt es einen Hilferuf: Der Fußball allein könne die Probleme nicht mehr lösen, heißt es bei Hansa Rostock. Die Polizei wirft dem Verein eine Mitwisserschaft vor.

Nach der Fan-Eskalation von Rostock wirkten die Verantwortlichen von Hansa und Hertha geschockt und ratlos. "Wir halten bis zur 74. Minute ein grandioses 0:0. Dann ist es 20 bis 50 Vollidioten anscheinend wichtiger, das eigene Wohnzimmer, das Ostseestadion, abzufackeln, anstatt die Mannschaft zu unterstützen", erklärte Hansas Vorstandschef Robert Marien nach einem Erstrunden-Spiel, das als Schande und zugleich als Warnung in die Geschichte des DFB-Pokals eingeht.

"Das sind Handlungen, die niemand in einem Fußballstadion haben will. Deshalb wird es ein Thema sein, das Vereine, Verbände und die Fanlager in den nächsten Wochen beschäftigen wird", erklärte Hertha-Manager Michael Preetz. Der 2:0-Sieg des Berliner Bundesligisten sowie die gut organisierte und lange erfolgreiche Gegenwehr des Drittligisten Hansa Rostock wurden angesichts der Vorfälle auf den Rängen in den Hintergrund gedrängt.

Im Hertha-Block mit rund 2000 Berliner Anhängern wurden immer wieder Feuerwerkskörper und auch Raketen gezielt Richtung Rostocker Zuschauer gezündet. Die Hansa-Ultras setzen Hertha-Banner und Sitze in Brand. Schiedsrichter Robert Hartmann musste die Partie zweimal unterbrechen, einmal für zwei, dann sogar für 18 Minuten.

Polizei erhebt Vorwürfe gegen Hansa-Offizielle

Der Chef der Rostocker Polizeiinspektion erhob danach schwere Vorwürfe gegen Vereinsoffizielle von Hansa Rostock. Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten Hansa-Anhänger im Rostocker Ostseestadion am Montag ein 2014 gestohlenes Hertha-Banner von 30 Meter Länge verbrannt. Es liege "die Vermutung nahe, dass das Banner über vereinseigene Strukturen und mit Wissen von Vereinsoffiziellen ins Stadion gelangen konnte", sagte Polizeichef Michael Ebert. Belege nannte die Polizei zunächst nicht. 

Hansa-Offizielle hätten die Polizei vor dem Spiel informiert, dass sich das Banner bereits im Stadion befinde, erklärte die Polizei. Bei einer daraufhin durchgeführten Suchaktion durch Polizisten und Ordner sei jedoch nichts gefunden worden. Da für die Aktion laut Polizei auswärtige Ordner eingesetzt wurden, könne nahezu ausgeschlossen werden, dass diese das Banner selbst ins Stadion gebracht hätten oder es bei den Kontrollen unentdeckt geblieben sei, hieß es.

Rostock wies die Vorwürfe am Dienstag zurück. Solche Schuldzuweisungen seien "in keiner Weise hilfreich, dienlich oder gerechtfertigt", betonte der Klub. Bei der Aufarbeitung sollte die Zusammenarbeit im Vordergrund stehen.

Hansa-Verantwortliche sind ratlos

Hansa-Chef Marien beschrieb dagegen die Ohnmacht der Verantwortlichen, die sich nach dem Eklat mehr als bisher breitmachte. "Wenn man sieht, dass hier 1700 Polizisten und über 300 Ordner unterwegs waren, dass Spürhunde und HD-Kameras im Einsatz sind. Da wird im Bereich der Kontrolle alles getan, was getan werden kann. So etwas kann man sicher nur gesamtgesellschaftlich lösen, nicht allein als Drittligist." Der FC Hansa war gerade vom DFB-Sportgericht wegen diverser Vorfälle auf den Tribünen zu zwei Auswärtsspielen ohne Fans verurteilt worden, spielte zudem auf Bewährung.

Auch Hertha-Manager Preetz machte deutlich, dass der Einfluss der Klubs auf die Randalierer und gewaltbereite Fans eingeschränkt ist. "Den müssen Sie mir zeigen, der da auf die Fans einwirken kann", sagte der einstige Stürmer zu den aktuellen Vorfällen: "Das ist schlichtweg unmöglich." Und Hansa-Trainer Pavel Dotchev bemerkte: "Wir distanzieren uns davon, wir können so was nicht ändern, nur versuchen, Vorbilder zu sein. Es ist leider so. Sehr schade, dass so etwas beim Sport, beim Fußball noch passiert."

Die späten Tore zum 2:0 (0:0) für Hertha vor 22.400 Zuschauern durch die späten Tore von Mitchell Weiser (86. Minute) und Vedad Ibisevic (90.+2) wurden quasi zur Randnotiz. Sogar ein Spielabbruch war nicht mehr auszuschließen. Marien berichtete von der klaren Ansagen des Referees: "Noch eine Aktion in dem Ausmaß und das Spiel wird abgebrochen. Es war schon nahe dran."

(areh/dpa)
 
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