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Hummels geht mit Niederlage
Zum Abschied auch noch Knatsch mit Tuchel

BVB verabschiedet Mats Hummels
BVB verabschiedet Mats Hummels FOTO: dpa
Berlin. Borussia Dortmund hat eine außerordentlich gute Saison gespielt, scheint aber in der Rolle des "ewigen Zweiten" gefangen. Ohne Mats Hummels wird es nicht einfacher werden. Für den Kapitän war es "ein Scheiß-Ende".

Tief in der Berliner Vollmondnacht fiel Mats Hummels ins wunderbar weiche Bett seines Zimmers im Fünf-Sterne-Palais Grunewald, seine Ehefrau Cathy an der Seite – doch etwas fehlte. Statt des One-Night-Stands mit dem DFB-Pokal, den der Weltmeister so gerne des Nachts im Arm gehalten hätte, erlebte er einen Abschied zum Vergessen: "Ich bin unfassbar traurig. Es war ein Scheiß-Ende."

Und dies nicht nur für Mats Hummels, der zum Abschluss achteinhalb "geiler" Jahre bei Borussia Dortmund auch noch Knatsch mit Trainer Thomas Tuchel hatte. Nein, auch für den BVB, der als deutscher "Zweister" wieder so nah dran gewesen war. Beim Bankett der Enttäuschten in der backsteinernen alten Bahnhofshalle "Station" tröstete darüber keine Currywurst von der Bude, kein Popcorn, kein Bier hinweg - obwohl Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bemüht war, die hervorragende Saison zu würdigen.

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"Wir können Berlin erhobenen Hauptes verlassen", sagte Watzke in seiner Rede um kurz nach zwei, doch viele Spieler ließen zur Live-Musik in den Sofa-Ecken ihre Köpfe hängen. Nachdem sie mit ihren Silbermedaillen wieder bedröppelt im goldenen Lamettaregen mit einer Münchner Siegesfeier gestraft waren, wurden zudem Risse in der angeblich so heilen BVB-Welt offenbar.

Uneinigkeit über Auswechslung

"Er kann's besser", sagte Tuchel schmallippig über Hummels, der gegen seinen künftigen Verein von Krämpfen geplagt in der 78. Minute ausgewechselt worden war. Hummels habe "darum gebeten", behauptete Tuchel, doch der Kapitän widersprach: "Ich habe nichts angedeutet. Wenn ich raus will, gebe ich ein klares Zeichen."

Felix Magath rügte den BVB-Coach für seine Aussage. "Die ganze Mannschaft war nicht in der Verfassung, an ihre besten Leistungen anzuknüpfen. Insofern glaube ich nicht, dass es in Ordnung war, Mats Hummels herauszugreifen und ihn quasi für die Mannschaft verantwortlich zu machen", sagte der 62-Jährige im Fußball-Talk "Doppelpass" bei Sport1.

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Bitter für die Borussia: In den kommenden Jahren will der 27-Jährige dem FC Bayern helfen, dass der BVB weiter zweite Plätze einfährt. 2., 2., 7. und 2. in der Liga, 2., 2. und 2. im DFB-Pokal: Zweiter geht's kaum. "Die Chance ist groß, dass entweder ihr gewinnt - oder ich", sagte Hummel während seiner emotionalen Abschiedsrede lachend.

Doch die Aussicht ist verhangen. Ohne Hummels wird es nicht einfacher werden, Manager Michael Zorc muss wieder hohe Improvisationskunst beweisen. Tuchel sagte ohne wirkliche Hoffnung auf Besserung: "Die Wahrscheinlichkeit, gegen die Bayern zu gewinnen, wird auch nicht größer, wenn Pep Guardiola weg ist."

Es ist fast tragisch, dass sich die Dortmunder in einem Teufelskreis bewegen. Eine exzellente Saison fühlte sich am Samstagabend wie verloren an, nur weil ein Spieler zu viel seinen Elfmeter verschoss (Sven Bender und Sokratis). Tuchel kasteite sich für die Wahl seiner Schützen öffentlich. "Das ärgert mich", schimpfte er sich selbst.

Die brutale Niederlage wiederum könnte Leistungsträger ins Grübeln bringen, ob mit dem BVB Titel zu gewinnen sind. Und das nach 234 Pflichtspielminuten gegen die deutsche Übermannschaft ohne Gegentor! Nach Leistungen auf Augenhöhe. Es ist wie die Fabel vom Hasen und dem Igel: Wo immer der Hase hinrennt, der Igel ist schon da.

Hinzu kommt, dass sich der BVB erneut betrogen fühlt. Wie 2013 im Champions-League-Finale, als Franck Ribéry seinen Ellbogen ins Gesicht von Robert Lewandowski schlug, wie 2014 im Pokal-Endspiel, als Hummels eigentlich das 1:0 erzielt hatte. Diesmal stach Ribéry seinem Gegenspieler Gonzalo Castro einen Finger ins Auge.

"Geschichte wiederholt sich. Wir haben einen Hattrick von Endspielen, die der Schiedsrichter wesentlich beeinflusst hat", sagte Hummels: "Niemand im Stadion hat nicht gesehen, was passiert ist." Auch nicht der Vierte Offizielle Bastian Dankert, "aus zehn Zentimetern!", wie Marcel Schmelzer maulte. Aber was hilft das schon.

Hummels will Vertrag vor EM unterschreiben

Nach seinem letzten Spiel für Borussia Dortmund will Mats Hummels nun zeitnah den Vertrag beim FC Bayern München unterzeichnen. "Ich wollte vor dem Finale nicht noch nach München fliegen. Das hat sich irgendwie nicht gut angefühlt. Vor der Euro werden wir das auf jeden Fall noch erledigen", sagte Hummels. "Ich wollte vor dem Finale auch nicht unterschreiben, weil ich gesagt habe, dass ich die Saison beim BVB erst zu Ende spiele."

Wie schnell die Vertragsunterzeichnung nun tatsächlich vonstatten geht, bleibt abzuwarten. Am Dienstag reist Hummels mit der Nationalmannschaft ins EM-Trainingslager nach Ascona. Nach Bayern geht es für das DFB-Team in der Vorbereitung auch noch einmal: Am 29. Mai steht in Augsburg das Testspiel gegen die Slowakei an.

(areh/sid)
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