Mönchengladbach: Mike Hanke ist Borussias Pokal-Experte
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 21.12.2011 - 08:17Mönchengladbach (RP). Mike Hanke weiß, wie sich der DFB-Pokal anfühlt. Als er 18 Jahre alt und Jungprofi bei Schalke 04 war, hat er den "Pott mal kurz gestreichelt", nachdem die Schalker 2002 das Finale gegen Bayer Leverkusen 4:2 gewonnen hatten.
Hanke war nicht im Kader, er sah das Spiel von der Tribüne, "aber ich war dabei". Heute, wenn er mit Borussia Mönchengladbach gegen Schalke spielt (20.30 Uhr/ARD), wird er mittendrin sein als Stürmer an der Seite von Marco Reus. Der hatte sich beim 1:0 gegen Mainz am Sonntag zwar das Knie verdreht, doch gibt es keine Probleme mehr. So ist es auch bei Marc-André ter Stegen, dem jungen Torwart, dessen geprellte Rippe einen Einsatz nicht verhindern wird. Borussia geht also mit dem besten Aufgebot ins Spiel.
Die Favoritenrolle schieben die Borussen indes elegant den "Königsblauen" zu, auch wenn Wettanbieter das Duell des Liga-Vierten mit dem Dritten als völlig offen einstufen. "Ich spiele lieber gegen Schalke als, wie zuletzt, in Heidenheim. Es ist ein Live-Spiel, das Stadion ist voll, so was macht mehr Spaß", sagt Hanke, der 2005 mit Schalke noch mal im Finale stand, aber gegen den FC Bayern verlor. Hanke ist also Borussias Pokal-Experte. Rein psychologisch ist Gladbach gut vorbereitet. Den Borussen kommt das "Von-Spiel-zu-Spiel-Denken" entgegen, das Trainer Lucien Favre eingeführt hat. Hanke und die anderen Borussen haben gelernt, sich immer auf das nächste Spiel zu fokussieren – für den Pokal ist das der perfekte Ansatz.
Weswegen Hanke den Kollegen von seinen Final-Erlebnissen auch nicht viel erzählt hat. "Das Finale ist noch weit weg, außerdem braucht man immer auch ein wenig Glück, um weit zu kommen", erklärt Hanke. Um dieses Glück zu erzwingen, "müssen wir eine Top-Leistung abrufen", sagt Lucien Favre. Vorsorglich hat er die Seinen auch Elfmeter üben lassen und sich einen Plan gemacht, wer antreten könnte, wenn es nötig wird. Zuletzt in Heidenheim war es nötig, beim Drittligisten setzte sich Gladbach erst im Elfmeterschießen durch.
Ein Erfolg im letzten Spiel des Jahres würde die Krönung der vergangenen zwölf Monate bedeuten. 59 Punkte haben die Borussen saisonübergreifend gesammelt und sich vom gefühlten Absteiger zum permanenten Mitglied der Spitzengruppe entwickelt. "Wenn man sich dieses Jahr anschaut, ist es schon sensationell, was wir zusammen geleistet haben", sagt Hanke, für den "im Paket Borussia der beste Verein ist, in dem ich je gespielt habe". Und Borussia erfreut sich am wohl besten Hanke, den es je gab. Aus dem torsüchtigen Stürmer ist ein echter Teamspieler geworden, der hart arbeitet für seine Kollegen und Vorlagen genauso wichtig nimmt wie eigene Treffer.
Hanke, der aus Hamm kommt, einer Schalke-Hochburg, muss sich auch keine Sorgen um den familiären Frieden machen, wenn er und die Gladbacher gegen Schalke gewinnen. Sein Vater ist zwar Schalker, "aber ich bin mir sicher, dass er jubeln wird, sollte Borussia gewinnen". Denn vor allem hält Hanke senior zu seinem Sohn. "Wenn wir alles abrufen, werden wir unsere Chancen haben", versichert Hanke. 2002 hat er auch mitgespielt, als sich Schalke und Gladbach zuletzt im Pokal trafen. Schalke siegte 5:0, Hanke wurde eingewechselt.
Nun will er den Borussen helfen, sich für dieses Debakel zu revanchieren.
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