| 09.27 Uhr

Zoff im Pokalduell
Rangnick erfindet den Handybeweis - Hummels stinksauer

Leipzig. Ralf Rangnick läuft in der Halbzeitpause des Pokalkrimis zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München aufs Spielfeld, um dem Schiedsrichter-Gespann per Handyvideo eine strittige Szene nochmal zu zeigen. Dafür erntet der Leipziger Sportdirektor viel Kritik - sogar vom Leipziger Trainer.

Mats Hummels war stinksauer. Auf dem Platz versuchte der Bayern-Verteidiger mehrmals, Rangnick vom Schiedsrichtergespann wegzuhalten. Im Sky-Interview nach dem Spiel kritisierte er den Leipziger Sportdirektor scharf. "Es geht nicht, dass er mit dem Handy zum Schiedsrichter geht, um ihm Szenen zu zeigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das erlaubt oder gewollt ist. Sonst haben die Schiedsrichter demnächst in der Halbzeit nur noch Verantwortliche um die Ohren, die ihnen Szenen zeigen wollen", sagte Hummels.

Rangnick war unmittelbar nach dem Pausenpfiff am Mittwochabend in der Red Bull Arena mit seinem Smartphone auf den Platz gestürmt, offensichtlich um dem Schiedsrichtergespann eine höchst umstrittene Szene noch einmal zu zeigen. Referee Felix Zwayer hatte nach Rücksprache mit dem Linienrichter einen Elfmeter-Pfiff wieder zurückgenommen und auf Freistoß für Leipzig entschieden. Hummels gab die Szene kurz nach dem Halbzeitpfiff aus seiner Sicht wieder. "Ich habe Herrn Rangnick gesagt, dass er das nicht nötig hat und das es unsportlich ist. Es war relativ sachlich von meiner Seite aus. Es gab dann ja auch nicht für mich ein Innenraumverbot." Rangnick musste für den Rest des Spiels mit der Tribüne vorliebnehmen, Hummels durfte weiterspielen.

Handybeweis!: Rangnick gerät mit Hummels aneinander FOTO: Screenshot Sky

Sogar Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl war wenig begeistert von Rangnicks Aktion: "Das geht natürlich auch nicht. Das kann in dem Fall dazu führen, dass der Schiedsrichter sich denkt: Naja, so darf er mir nicht kommen." Der ehemalige Referee Peter Gagelmann, mittlerweile TV-Experte bei Sky, meinte: "Wenn ein Verantwortlicher von der Tribüne in den Innenraum geht und dem Schiedsrichter eine Szene auf dem Handy zeigen möchte, dann finde ich das außerordentlich schlimm."

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte, er habe Verständnis für Rangnicks Emotionen, "aber es bringt nichts. Ich würde keinem empfehlen, zum Schiedsrichter zu gehen, weil es keinen Sinn hat."

"Einer konnte das Niveau nicht halten"

Nicht nur der zurückgenommene Elfmeter erregte die Gemüter der Leipziger. Trainer Hasenhüttl war auch auf eine andere Entscheidung des Schiedsrichters sauer. Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Mittelfeldspieler Naby Keita spielten die Leipziger ab der 54. Minute gegen den Rekordpokalsieger in Unterzahl. "Naby bekommt fürs erst Foul grundsätzlich gelb, davor wurde er dutzende Male gefoult", sagte Hasenhüttl. "Da fehlt mir ein bisschen die Gleichbehandlung." Er stellte dem Unparteiischen ein verheerendes Zeugnis aus: "Unterm Strich waren 22 Akteure sehr gut auf dem Platz heute, einer konnte das Niveau nicht so ganz halten."

Pressestimmen: "Mit zwayerlei Maß" FOTO: dpa, jai

Die Leipziger mussten letztlich mit 4:5 im Elfmeterschießen das Aus in der zweiten Pokalrunde hinnehmen. Durch einen äußerst fragwürdigen Elfmeter, den Hummels als "Königin der Konzessionsentscheidungen" bezeichnete, war RB in Unterzahl in der 68. Minute durch Emil Forsberg in Führung gegangen. Thiago hatte nur fünf Minuten später ausgeglichen. Im Elfmeterschießen vergab der Leipziger Stürmer Timo Werner als einziger vom Punkt.

(areh/dpa/sid)
 
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