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Mitfiebern mit Fortuna
Vier Fanclubs und ihre große Leidenschaft

Fortuna Düsseldorf: Vier Fanclubs und ihre große Leidenschaft
Jörg Heidkamp ist Mitglied bei "5 und 90 olé". FOTO: NN
Düsseldorf. Während die einen seit Jahrzehnten mit dem Fortuna-Virus infiziert sind und die Mannschaft nahe des Rheins anfeuern, fiebern andere Fans in der Hauptstadt oder gar auf Mallorca mit. Vier Fanclubs stellen sich vor. Von Hendrik Gaasterland

"5 und 90 olé" – wünscht sich Pokalreise nach Berlin 

Auch in Willich gibt es eine große Anzahl Anhänger von Fortuna Düsseldorf. Und das, obwohl die Stadt eigentlich einmal so etwas wie ein "Hoheitsgebiet" von Borussia Mönchengladbach war. Das anstehende Pokalspiel ist für den Willicher Fortuna-Fanclub "5 und 90 olé" deshalb auch etwas ganz Besonderes. "Das ist wie Deutschland gegen Holland", sagt Jörg Heidkamp. Der langjährige Fortuna-Fan war 2009 neben Eva Lorenz, Holger Osterwind sowie Gerd und Hubertus Wuttke eins von fünf Gründungsmitgliedern. In der Anfangszeit wurde der Fanclub mit dem Ziel, 95 Leute zusammenzubekommen, noch etwas belächelt, erzählt Jörg Heidkamp. "Momentan haben wir 85 Mitglieder und sind eine Interessengemeinschaft für alle Leute, die ein rot-weißes Herz haben. Von Allesfahrern, die sowohl bei Heimals auch Auswärtsspielen immer dabei sind, bis zum Jedermann, der sich einfach nur für die Fortuna freut, ist bei uns im Alter zwischen fünf und 77 Jahren alles dabei." Zusätzlich zu einer jungen, sehr aktiven Crew im Fanclub feuern viele Mitglieder die Fortuna bereits seit vielen Jahren im Stadion an, und sind dem Verein auch in schlechteren Jahren immer treu geblieben.

Gerne erinnert man sich immer noch an besonders gute Zeiten, wie die Pokaltriumphe 1979 und 1980 sowie die Bundesligazugehörigkeiten, zuletzt in der Saison 2012/13. "Dass wir bis zum Jahr 2033 – also dem hundertjährigen Jubiläum – noch einmal Deutscher Meister werden, ist sicherlich nicht gerade realistisch. Aber im Pokal ist mit Können und Glück immer einiges möglich. So ist es unser Wunsch, dass wir gegen Gladbach gewinnen und unsere Reise bis ins Finale nach Berlin geht", sagt Jörg Heidkamp voller Vorfreude auf das Duell.

"Virus 95" – Ein Fanclub der alten Schule

Man möge zwar – wie viele andere Düsseldorfer auch – mit dem Fortuna-Virus infiziert und großer Anhänger sein, aber beim Fanclub "Virus 95" kann nicht jedermann Mitglied werden. "Bei uns ist jedes Mitglied beim Eintritt in den Fanclub mindestens 30 Jahre alt gewesen und Frauen können auch nur passive Mitglieder werden. Das ist in den Statuten so festgelegt", berichtet Pierre Fienhold. Er kam gemeinsam mit Detlef Rosen, Thomas Bartoschek und Sascha Motz im Sommer 2014 in einer geselligen Biergartenrunde auf die Idee, den Fanclub "Virus 95" ins Leben zu rufen. "Da wir alle um die 50 Jahre alt sind und schon ewige Zeiten unsere Fortuna unterstützen, lag es nahe, dass es ein Oldschool- Fanclub werden sollte. Wir sind gegen die Kommerzialisierung im Fußball und alles alte Kumpel von früher", berichtet Pierre Fienhold, der Vorsitzende des Fanclubs. Gründungsdatum von "Virus 95" war der 1. Januar 2015. Vorher mussten Statuten erfüllt, das extra für die Gruppe entworfene Logo bei der Fortuna zur Abnahme eingereicht werden.

Aktuell zählt "Virus 95" 35 Mitglieder (und sieben passive), die sich bei den Heimspielen größtenteils im Block 40 treffen. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit ein eingeschworener Haufen, der sich jedoch nicht nur zu den Heim- und Auswärtsbegegnungen der Fortuna deutschlandweit in den Stadien oder zum gemeinsamen Fußballschauen in verschiedenen Lokalen in ganz Düsseldorf trifft. "Virus 95" tritt mit einer eigenen Mannschaft auch gerne bei Fußballturnieren gegen andere Fanclubs an. Und dies nicht schlecht: Größte Erfolge waren die Hallenmeisterschaft 2016 des Arbeitskreis-Düsseldorf, der zweite Platz beim Fanclubturnier 2015 vom Arbeitskreis in Garath und nicht zuletzt der vierte Rang bei der Sky-Fanmeisterschaft 2016 in Essen.

"Novesia 1895" – zu Ehren von Toni Turek gegründet

Die ersten Fußballschuhe von Klaus Patzelt (Foto) waren ein Geschenk von Toni Turek. Der Weltmeister von 1954 und Torwart von Fortuna Düsseldorf war ein Kegelbruder von Klaus Patzelts Vater und ging bei der Familie ein und aus. So ist es nicht verwunderlich, dass der 56-Jährige bis heute ein großer Fan der Fortuna geblieben ist – auch wenn Toni Turek seine Karriere bei Borussia Mönchengladbach beendete. Klaus Patzelt ist Initiator und Gründer des Fanclubs "Novesia 1895". Novesia, so die römische Bezeichnung für Neuss, soll an den Ursprung der Gruppe erinnern, denn der Fanclub ist aus einem Fortuna- Freundeskreis in Neuss hervorgegangen. Der Kreis ist ein loser Zusammenschluss Fußballbegeisterter und von Eltern, deren Kinder bei der DJK Novesia 1919 kicken. Auch viele Schützen aus den verschiedenen Schützenkorps sind vertreten. Aus dem harten Kern des Freundeskreises, der zeitweilig über 250 Mitglieder aller Altersklassen hatte, entstand dann der Fanclub "Novesia 1895". Weil Toni Turek bis zu seinem Tod in Neuss lebte, wurde er auch zu Ehren des Weltmeisters gegründet. "Turek war der erfolgreichste Düsseldorfer Fußballer aller Zeiten", sagt Klaus Patzelt, der seine Leidenschaft für den Fußball an Sohn Laurenz übertrug: "Laurenz ist mit seinen 16 Jahren Jugendsprecher unseres Fanclubs."

"Novesia 1895" bezeichnet sich selbst als Familien-Fanclub, auch viele Frauen begeistern sich in der Gruppe für den Verein. Derzeit hat der Fanclub rund 30 Mitglieder, die sich größtenteils im Familienblock die Heimspiele anschauen. Für das Pokalspiel ist Klaus Patzelt zuversichtlich: "Wir gewinnen 2:1."

"Fanclub Mallorca" – hat 1100 Mitglieder 

Offiziell eingetragen ist der "Fanclub Mallorca" nicht. "Aber bei den Spielen in Düsseldorf kennen uns alle", behauptet der Vorsitzende Michael Bohrmann (Foto), der seit 17 Jahren auf der Baleareninsel lebt und seit 2004 an der Bierstraße in Playa de Palma Betreiber der Gaststätte Deutsches Eck ist. Im Mai 2013 wurde in der Partykneipe der Fanclub gegründet, inzwischen sind es rund 1100 Mitglieder im Alter zwischen vier und 80 Jahren. "Wenn Spiele von Düsseldorf im Fernsehen laufen, kommen Fortuna-Fans, die gerade auf der Insel sind, sogar aus Alcudia oder Cala Ratjada, nur um bei uns die Partie zu schauen. Dann ist alles rot-weiß, und es brennt die Hütte", erzählt der 48-jährige gebürtige Düsseldorfer, der gerne Vorsitzender ist: "Es ist alte Heimatverbundenheit und macht einfach Spaß."

Mitgliederversammlungen des Fanclubs gehen im Deutschen Eck gerne über eine Woche – mit Füchschen vom Fass und anderen Düsseldorfer Spezialitäten. Für fünf Euro im Jahr kann jeder in den Fanclub eintreten – zuletzt wurde selbst ein Kölner davon überzeugt. "Seitdem er das im Sommer gemacht hat, läuft es für uns super und der Effzeh steht in der Bundesliga ganz unten in der Tabelle", berichtet Michael Bohrmann, der für Dienstag ein 2:1 für seinen Verein vorhersagt und vielleicht sogar extra für das Spiel einfliegen wird. Ein Großteil der Fanclub-Mitglieder sind Düsseldorfer und werden zum Pokalhit auch in der Arena sein. Doch der Fanclub trifft sich nicht nur zum Fußball. In diesem Jahr veranstaltete er schon zum dritten Mal ein Benefizkonzert auf der Rheinkirmes, bei dem 3000 Euro für den guten Zweck zusammenkamen

(ball)
 
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